Exklusiv

ING bereitet „echte“ Kreditkarte für Girokonto-Kunden vor

11. September 2020

Von Christian Kirchner

Bei der ING Deutschland (vormals: ING Diba) verdichten sich die Zeichen für eine Einführung einer „echten“ Kreditkarte. Das geht aus einer offenbar irrtümlich veröffentlichten Information im Servicebereich hervor. „Vergeben Sie eine Wunsch-PIN für Ihre Visa Card oder ihre Kreditkarte Black“ heißt es darin sowie „Die Vergabe einer Wunsch-PIN (…) für Ihre Kreditkarte Black ist kostenfrei“ (siehe hier). Das Angebot einer „Kreditkarte Black“ gibt es gleichwohl noch gar nicht.

In einer direkten Replik bestätigte die ING Mitte August den Vorgang. „Wir befinden uns gerade in der Testphase für neue Produkte und Services, die wir unseren Kundinnen und Kunden gegebenenfalls anbieten werden. Teil dieser Testphase ist auch eine neue Kreditkarte (…)“, twitterte die nach Kunden größte deutsche Direktbank. Üblicherweise sind solche Testphasen allerdings der letzte Schritt vor einer Markteinführung, in der noch Pricing und Eigenschaften getestet werden.

(Nachtrag: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den oben stehenden  Tweet falsch zitiert statt von einer „Kreditkarte Black“ von einer „Kreditkarte Visa Black“ gesprochen.)

Die rund 2,8 Mio. Kunden mit einem Girokonto erhalten bislang automatisch ein Doppel aus einer Girocard sowie einer hoch geprägten Visa-Karte, bei der es sich aber um eine Debitkarte handelt: Die Umsätze mit der Karte werden direkt und nicht einmal monatlich mit dem Girokonto verrechnet. Ferner gibt es keinerlei Zusatzleistungen. War die ING Visa-Karte jahrelang ein „Zwitter“ zwischen Debit- und Kreditkarte, so vollzog die ING erst vor knapp einem Jahr eine vollständige Umstellung der Visa zu einer Debitkarte per AGB-Änderung. Für viele Kunden ist das problematisch, wenn sie etwa die Karte bei Autovermietern, Hotels oder sonstigen Annahmestellen einsetzen wollen, in denen das Blockieren von Umsätzen als Sicherheiten zum Einsatz kommt. Diese akzeptieren teils nur „echte“ Kreditkarten oder müssen den Betrag tatsächlich belasten.

(Nachtrag II: Die industrielle Definition einer „echten“ Kreditkarte kann auch der Unterschied zwischen einer so genannten „Revolving Card“ und einer „Charge Card“ sein. Erstere gilt als dann „echt“, weil tatsächlich Kreditrahmen vergeben werden und die fälligen Beträge in Teilzahlungen geleistet werden können, letztere ist durch einen monatlichen Ausgleich der offenen Zahlungen definiert.) 

Für die ausgebenden Banken gibt es einen klaren Anreiz, dass ihre Kunden möglichst häufig eine „echte“ Kreditkarte einsetzen und keine Debitkarte: Die so genannte Interchange-Gebühr ist bei Debitkarten auf 0,2%, bei Kreditkarten aber auf 0,3% der Umsätze gedeckelt, die Nutzung einer Kreditkarte durch Kunden ist daher lukrativer für die Bank. Auch flexible Rückzahlungsmöglichkeiten mit entsprechenden Zinsen können die Zinserträge steigern – beides funktioniert indes nur dann, wenn man auch die entsprechenden Risiken im Griff hat.

Der in dem „Leak“ der ING genannte Produktname „Kreditkarte Black“ klingt zwar nach Prestige, tatsächlich haben aber zahlreiche Banken in Deutschland entsprechende Karten im Einsatz – teils ohne Jahresgebühr. Die Visa-Card des Rivalen DKB ist ebenfalls schwarz, in Benutzung ist sie etwa als kostenlose Karte auch bei der Santander Consumer Bank („1plus Visa Card“), bei der Hanseatic Bank („Deutschland Kreditkarte Classic“).

Die ING bestätigte auf Nachfrage die Testphase, wollte sich aber nicht äußern, ob und wann es zu einer Markteinführung komme.

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