Exklusiv

ING bietet Extra-Konto nur noch für Bestandskunden

28. September 2020

Von Christian Kirchner

Mit keinem anderen Produkt ist der Aufstieg der ING Diba hierzulande enger verknüpft als mit dem Extra-Konto genannten Tagesgeld-Angebot. Nun allerdings bietet die größte deutsche Online-Bank ihr einstiges Flaggschiff-Produkt nur noch Bestandskunden an, wie man der Internetseite des Instituts entnehmen kann. In der entsprechenden Rubrik für Sparprodukte lässt sich das Extra-Konto nicht mehr eröffnen. Stattdessen prangt dort der Hinweis: „Für alle, die schon Kundin oder Kunde bei uns sind.“ Gleiches gilt für den bankeigenen Sparbrief, der für Laufzeiten bis fünf Jahren bis zu 0,1% Zinsen zahlt. Als Bestandskunden definiert die ING Deutschland jene Kunden, die ein Girokonto oder Depot bei der Bank führen oder einen Kredit bedienen

Der Schritt ist ein weiterer Beleg, dass die hiesige ING sich vom Dogma der Neukundengewinnung verabschiedet und lieber die Profitabilität steigern will. Hintergrund: Die Zinsen für das Extra-Konto liegen seit Dezember 2019 bei kaum noch messbaren 0,001% per annum – auch weil die ING Deutschland mit stetig steigenden Einlagen kämpft. Zuletzt summierten sich diese auf  141 Mrd. Euro, wovon lediglich 122 Mrd. Euro in Kredite verwandelt wurden. Jeder nicht für Kredite gebrauchte Euro an Einlagen (von denen mehr als 90% auf den Extra-Konten liegen) lastet auf der Profitabilität der Bank. Diese erzielt noch immer vier Fünftel ihres operativen Gewinns im Zinsgeschäft.

Was die ING Deutschland mit dem Schritt bezweckt

Die Kopplung des Extra-Kontos an weitere Produkte erfüllt damit zwei Funktionen: Die ING scheidet als günstige „Parkmöglichkeit“ aus für all jene Kontohopper, die nur ihre Liquidität strafzinsfrei parken wollen – das bremst den ansonsten drohenden Margenverfall zumindest etwas. Und sie animiert Interessenten, gleich weitere Bankgeschäfte mitzubringen, wenn sie sich für die ING interessieren.

Das Extra-Konto spielte stets eine sehr große Rolle in der Kundenakquise der Direktbank. Ihre schlanke Struktur (Cost-Income-Ratio: rund 45%) ermöglichte ihr, ab den früher Nullerjahren überdurchschnittliche Zinsen ausfs Tagesgeld zu zahlen. Das lockte Millionen Kunden an. Insgesamt führte das Institut per Ende 2019 über 9,5 Millionen Kunden, die mehr als 8 Mio. Euro „Extra Konten“ führten, aber nur 2,8 Mio. Girokonten.

Besser ein Kunde mit drei Produkten als drei Kunden mit je einem

Statt nun immer mehr Kunden anzuwerben, mit denen die Bank womöglich nichts verdient, will sie stattdessen mehr Geschäft mit ihren bestehenden Kunden machen. Deshalb steigt die ING in die Beratung ein (siehe hier), forciert den Versicherungsvertrieb (siehe hier) und startet Cashback-Angebote (siehe hier). Die Gemeinsamkeit aller Angebote: Sie richten sich nur an Bestandskunden. Vereinfacht gesprochen will die ING lieber einen Kunden, der drei Angebote nutzt als drei, die jeweils nur eines nutzen. In einem Interview mit der „dpa“ Ende August kündigte ING-Vorstandschef Nick Jue sogar an, dass Strafzinsen für Neukunden auf Einlagen denkbar seien.

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