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ING Deutschland experimentiert mit Job-Verlagerung nach Asien

Die ING Deutschland experimentiert mit der Auslagerung von Regulierungs-Jobs nach Asien. Laut Informationen von Finanz-Szene geht es dabei zunächst um voraussichtlich Vollzeitstellen im Reporting, die statt in Frankfurt in der philippinischen Hauptstadt Manila angesiedelt werden. Das entsprechende Projekt wurde bereits vor einigen Monaten initiiert, trägt intern den Namen “Regina” und ist zwischen den Einheiten “Finance” und “Regulatory Reporting” aufgehängt. Ein Sprecher der größten deutschen Direktbank teilte auf Anfrage mit: “Im kleinen Umfang prüfen wir derzeit, welche Sourcing-Möglichkeiten sich im Finance-Bereich durch die Zusammenarbeit mit dem Standort [unserer Mutter] ING Group in Manila ergeben.“ Intern war zuletzt betont worden, mit den Maßnahmen sei kein Netto-Abbau von Arbeitsplätzen hierzulande verbunden. Stattdessen laute das Ziel, in Deutschland perspektivisch vor allem “höherwertige” Jobs zu schaffen und zu erhalten.

Dass eine Frankfurter Großbank bei der Auslagerung von Jobs ausgerechnet auf Manila verfällt, mag im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen – ist im Falle der ING Deutschland allerdings leicht erklärbar: Der niederländische Mutterkonzern verlagert schon seit Jahren immer mehr Tätigkeiten auf die Philippinen. Ausweislich des jüngsten Geschäftsberichts hat sich Zahl der dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwischen 2016 und 2021 auf gut 2.400 vervierfacht – was aktuell rund 4% aller Beschäftigten des Amsterdamer Finanzkonzerns entspricht. In der Logik der ING Groep stellen Standorte wie Manila dem Gesamtkonzern sogenannte “Shared Services” zur Verfügung. In die gleiche Standort-Kategorie fallen bei der Oranje-Bank auch drei osteuropäische Städte, nämlich Bratislava, Kattowitz und Bukarest.

Die Aufgaben nehmen zu, doch das Fachpersonal fehlt

Von den gut 2.400 Mitarbeitern in Manila entfalle “eine signifikante Anzahl an Vollzeitkräften” auf “globale Services”, heißt es denn auch im jüngsten Geschäftsbericht der ING Groep. Laut unseren Informationen greift die hiesige ING auf diese Dienste vereinzelt auch jetzt schon zurück, vor allem im Geschäftsbereich Wholesale Banking. Beim Projekt “Regina” handelt es sich demzufolge um den Versuch, das Outsourcing auf Teile des regulatorischen Reportings auszuweiten, aktuell läuft bereits das „Test“-Sourcing im Parallelbetrieb in Frankfurt und Manila.

Dabei gehe es, heißt es, auch darum, die in Frankfurt mit dem Thema betraute Abteilung trotz ständig zunehmender regulatorischer Aufgaben nicht immer weiter wachsen zu lassen. Ein weiteres Motiv: Die Rekrutierung entsprechender Fachkräfte stoße hierzulande inzwischen an Grenzen. Darüber hinaus ist zu hören, dass man das Projekt “Regina” als Teil eines größer angelegten Prozesses begreifen müsse. Insbesondere in den administrativen Einheiten fahnde die ING Deutschland nach Möglichkeiten, die traditionell hohe Effizienz – die Cost-Income-Ratio lag zuletzt (2020) bei 49,9% – weiter zu steigern.

Fest steht: An den entsprechenden Standorten in Übersee und Osteuropa sucht die ING massiv Personal – und das auch in sogenannten “höherwertigen” Jobs. Dazu zählen insbesondere kritische Bereiche wie KYC-Prozesse (Know Your Customer), Betrugserkennung, Datenanalysen, Risikomanagement und dem sogenannten “Regulatory Reporting” – teils explizit mit dem Hinweis, die Dienstleistung werde für alle globalen Einheiten angeboten.

157 offene Stellen in Manila, 255 in Bukarest, 842 in Kattowitz

Alleine am Standort Manila sind seitens der ING Groep aktuell 157 Jobs ausgeschrieben, im rumänischen Bukarest 255 und im polnischen Kattowitz sogar 842 (!). Bei der deutschen ING geht es dem Vernehmen nach aktuell aber um ein mögliches Outsourcen auf die Philippinen. Der Hintergrund: Die Standorte Kattowitz und Bukarest sind vor allem für den Bereich Technologiedienstleistungen (wie etwa Programmieren) zuständig, Manila hingegen fungiert eher als Multifunktionszentrum für operative und regulatorische Dienstleistungen aller Art, mit einem Schwerpunkt auf Dienstleistungen für Firmenkunden.

Der Trend zum Outsourcen und Bündeln selbst regulatorisch kritischer Geschäftsprozesse findet durchaus Anklang bei Aufsehern, ist aus dem Umfeld von Banken zu hören. Denn einerseits scheint dies ein willkommener Ausweg aus der massiven Personalknappheit hierzulande zu sein, insbesondere in den Bereichen Regulatory Reporting, KYC und Betrugserkennung sowie in der IT. Andererseits haben sich, wie es heißt, die Schwerpunkte der Aufsicht zuletzt etwas verlagert: Demnach soll die Bafin vor allem an effizienten Prozessen in den von ihr beaufsichtigten Bereichen interessiert sein, weniger an massiven Investitionen in IT und Personal.

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