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ING Diba schraubt an Gebühren im Wertpapier-Geschäft

26. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Die ING Deutschland erhöht zum 1. Januar nächsten Jahres diverse Transaktionskosten für ihre Wertpapier-Kunden und führt darüber hinaus eine pauschale Gebühr für die Rückgabe von Fonds an die emittierende Fondsgesellschaft ein. Das geht aus einem aktualisierten Preis- und Leistungsverzeichnis hervor, das die größte deutsche Direktbank auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

Konkret klettern die Handelsplatzgebühren je Order im populärsten deutschen Handelssystem Xetra leicht von 1,75 auf 1,90 Euro und für die Börse Frankfurt von 2,50 auf 2,90 Euro. Für den Handel an den Derivatebörsen Euwax und „Frankfurt Zertifikate“ wird eine neue Gebühr von 1,90 Euro je Transaktion eingeführt. Auch die Gebühr je Order bei Auslandsorders steigt leicht an, eine Senkung gibt es hingegen beim Handelsplatz-Entgelt einiger Regionalbörsen.

Weitreichender für die gut 1,4 Millionen Depot-Kunden dürften  eine neue Gebühr bei aktiven Fonds sein. Wer Fondsanteile direkt über die Fondsgesellschaft liquidiert, zahlte dafür bislang keine Gebühren. Von Januar an kostet hingegen jeder Verkauf pauschal 4,90 Euro je Transaktion. Laut letztem Geschäftsbericht verwaltet die ING für ihre Kunden insgesamt rund 46 Mrd. Euro, davon sind rund 18 Mrd. Euro in Fonds investiert.

Eine derartige Liquidationsgebühr ist eher ungewöhnlich für Banken. Üblicherweise verlangen diese für den Erwerb unter Umständen einen Ausgabeaufschlag, die Rückgabe ist allerdings meist kostenfrei. Das liegt unter anderem daran, dass für aktive Fonds in der Regel eine Bestandsvergütung an die depotführenden Banken der Kunden fließt seitens der Fondsgesellschaften. Das heißt: Die Banken sind mithin gar nicht operativ darauf angewiesen, am Kauf oder Verkauf zu verdienen. Unter den großen Direktbanken verlangt lediglich die DKB eine so genannte „Flat Fee“ von 25 Euro für Verkäufe über die Fondsgesellschaft direkt.

Die erhöhten Orderentgelte dürften dem Zweck dienen, den für die Bank lukrativen außerbörslichen Direkthandel zwischen Anleger und elektronischen Handelsplattformen relativ betrachtet attraktiver zu machen. In diesem Direkthandel erfolgt – wie bei den Neobrokern auch – die Vergütung der vordergründig für den Kunden meist kostenfreien Transaktion für die Bank direkt von Handelsplattformen wie Tradegate, L&S Exchange und Co. Bei Fondstransaktionen bietet die ING einen Direkthandel über die Börse Gettex an, die allerdings keine Rückvergütungen zahlt.

Die Maßnahmen insgesamt sollen offenbar die Provisionserträge steigern, die bei der deutschen ING nur rund ein Fünftel aller Überschüsse ausmachen. Bereits vor zwei Korrektur: rund) zehn Jahren hatte die Oranje-Bank mit einem leicht zu übersehenden Kniff ihre Provisionserträge im Depotgeschäft erhöht: Ausschüttungen über mindestens 75 Euro werden seitdem automatisch in neue Fondsanteile wiederangelegt, und zwar unabhängig davon, ob es um ETFs oder aktive Fonds geht. Für diese automatische Wiederanlage fällt dann der individuelle Ausgabeaufschlag für den Fonds oder aber 1,75% vom Kurswert bei ETFs an. Kunden müssen dieser automatischen Wiederanlage, sofern nicht gewünscht, widersprechen (Opt-Out-Prinzip).

Auch diese gebührenpflichtige Wiederanlage von Ausschüttungen ist bei aktiven Fonds eher ungewöhnlich, bei den meisten Filialbanken erfolgt sie kostenfrei zum Rücknahmepreis. Dafür verlangen indes auch viele Banken – anders als die ING, bei der die Depotführung per se kostenlos ist – pauschale Depotgebühren, die sich prozentual an der Höhe des verwalteten Vermögens richten.

Hier die Übersicht der Änderungen zum 1.1.2021

bis 31.12.20 ab 1.1.21
Handelsplatzgebühren je Order
Xetra 1,75 € 1,90 €
Frankfurt, München 2,50 € 2,90 €
Euwax Stuttgart, Frankfurt Zertifikate kostenlos 1,90 €
ausländische Handelsplätze 12,50 € 15,00 €
Börsen Berlin, DUS, HH/H 5,00 € 2,90 €
Stuttgart 5,00 € 1,90 €
Fonds
Verkäufe über Fondsgesellschaft kostenlos pauschal 4,90 €

Quelle: ING PLV, Stand 23.10.2020

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