Exklusiv

ING Diba steht vor nächstem Neuanfang bei Bancassurance

26. November 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die ING Deutschland steht vor ihrem nächsten Neuanfang im Versicherungsgeschäft. Wie aus einem Statement auf der Website der niederländischen Mutter hervorgeht, wird die Bancassurance-Partnerschaft zwischen der ING Groep und dem französischen Großversicherer Axa zumindest auf globaler Ebene beendet – ein Schritt, von dem in der Konsequenz auch die hiesige Tochter betroffen ist.

Laut dem Website-Beitrag wollen die Amsterdamer Großbank und der Pariser Versicherungskonzern in veränderter Form allerdings weiterhin kooperieren. So heißt es, das bislang global angelegte Bündnis solle in einzelnen Märkten durch eine „lokale“ Zusammenarbeit ersetzt werden. Auf Nachfrage von Finanz-Szene bestätigte ein Sprecher in Frankfurt, dass eine solche Lösung auch hierzulande angestrebt wird: „AXA Deutschland und ING Deutschland als lokale Einheiten werden nun gemeinsam festlegen, wie diese Partnerschaft lokal fortgeführt wird.“ Konkreter wollte der Sprecher nicht werden.

Die ING Groep und der Axa-Konzern hatte ihr globales Bündnis Mitte 2018 bekanntgegeben. Damals war vom „Aufbau einer globalen Versicherungs-Plattform“ die Rede. Tatsächlich wurde die entsprechende Kooperation in sechs Ländern ausgerollt, nämlich Deutschland, Australien, Italien, Frankreich, Tschechien und Österreich. Die Sache ist nun aber: Aus zweien dieser Märkte – nämlich Tschechien und Österreich – hat sich die ING Groep mittlerweile als Retailbank zurückgezogen oder dies zumindest angekündigt. Den zentralen Ansatz für letztlich gerade mal vier Länder aufrechtzuerhalten, macht aus Amsterdamer Sicht nun offenbar keinen Sinn mehr: Durch die Umstellung auf lokale Kooperationen könnten die ING und die Axa „besser auf die spezifischen Anliegen der Kunden vor Ort eingehen“, heißt es in besagtem Website-Beitrag.

Clark, Axa, Axa: Die schwierige Partnersuche der ING Diba

Für die ING Deutschland ist das Scheitern der globalen Plattform misslich. Die größte deutsche Direktbank war im Frühjahr 2017 zunächst eine Kooperation mit dem ebenfalls in Frankfurt ansässigen Online-Makler Clark eingegangen – kündigte diese Liaison allerdings ein Jahr später zugunsten der Partnerschaft mit der Axa wieder auf. Ob die ING Diba damals freiwillig auf die Franzosen umschwenkte oder von der Amsterdamer Mutter gedrängt wurde, ist unklar. Was man allerdings weiß: Clark hat sich über die Jahre zu einem der größten deutschen Fintechs gemausert, kommt mittlerweile auf hunderttausende Kunden und wird nach eigenen Angaben mit >1 Mrd. Euro bewertet. Natürlich ist es Spekulation – aber möglicherweise wäre Clark rückblickend betrachtet die bessere Wahl gewesen.

Das Statement des ING-Diba-Sprechers deutet darauf, dass die Fortsetzung der Axa-Kooperation auf lokaler Ebene tatsächlich das bevorzugte Szenario ist. Ein Wechsel zu einem nochmal gänzlich neuen Partner scheint vorerst keine Option zu sein. Gleichwohl: Auch wenn der Partner vordergründig der gleiche bleibt, dürfte die Migration von der globalen Plattform auf eine lokale Zusammenarbeit dennoch mit Aufwand verbunden sein. Denkbar ist in dem Zusammenhang auch, dass die Produktpalette überarbeitet werden könnte.

Digitale Bancassurance ist schwierig – wissen auch anderen Banken

Öffentlich zugängliche Zahlen, wie viele Kunden bzw. einzelne Policen die ING Diba bislang an die Axa vermittelt hat, gibt es keine. Branchenkenner weisen darauf hin, dass zwar einzelne Produkte wie die Restschuldversicherung durchaus sauber in die Customer Journey eingebunden seien; andere Policen sind allerdings eher oberflächlich in das Produktangebot integriert. Ein durchschlagender Erfolg sei die Kooperation mit der Axa auch aus deutscher ING-Perspektive bislang nicht, heißt es aus dem Versicherungsmarkt.

Freilich: Andere führende Player im deutschen Markt tun sich mit ihren digitalen Bancassurance-Modellen ebenfalls schwer. Über die eher kümmerlichen Bancassurance-Versuche der Sparkassen hatten wir ja verschiedentlich berichtet (siehe zuletzt -> Sparkassen vollführen die nächste Volte bei Bancassurance); die Comdirect hat ihren Versuch, sich als Online-Makler zu etablieren, kürzlich abgebrochen (->  Comdirect stampft ihren digitalen Versicherungsmakler ein ); N26 stellte sein Versicherungs-Feature mit Clark im vergangenen Sommer ein; und die Deutsche Bank hat durch die Verlängerung der exklusiven Zusammenarbeit mit Zürich bis 2032 klar dokumentiert, dass sie bis auf weiteres auf eine klassische Vertriebskooperation setzt und die digitale Bancassurance (siehe auch unser Artikel hier) eher so nebenher läuft.

Sparkassen vollführen die nächste Volte bei Bancassurance

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