Exklusiv

Bafin knöpft sich Online-Broker Flatex vor

31. März 2020

Von Christian Kirchner

Die Bafin hat sich nach Finanz-Szene.de-Informationen den Online-Broker Flatex vorgeknöpft. Hintergrund sind sich häufende Beschwerden von Kunden, die Flatex vorwerfen, im Falle eines Anbieterwechsels die Übertragung des Depots zu verschleppen. Ein Kunde, der sich in der Sache an die Finanzaufsicht gewandet hatte, erhielt von einem Bafin-Mitarbeiter laut einem vom Kunden in einem Börsen-Forum veröffentlichten Schreiben die Antwort: „Diesen Sachverhalt habe ich im Rahmen meiner Aufsichtstätigkeit gegenüber der flatex Bank AG bereits aufgegriffen.“ Diese Reaktion bedeutet in der „Eskalationsstufen“ der Aufsicht, dass die Bafin die Fälle ernst nimmt und auch schon bei Flatex vorstellig wurde und Maßnahmen angemahnt hat. Andernfalls hätte der Kunde lediglich eine Eingangsbestätigung von der Aufsicht erhalten.

Ein Sprecher von Flatex dementierte den Austausch mit der Finanzaufsicht nicht, teilte aber auf Nachfrage mit: „Der Kontakt mit der Aufsicht ist sehr proaktiv – wir rollen aktuell eine Vielzahl von Maßnahmen aus, die unseren Ablauf weiter beschleunigen werden.“ Ein Depotübertrag sei „servicetechnisch zeitintensiv“, da Lagerstellen, etwaige offene Orders, Aktienspitzen etc. im Spiel seien. „Wir möchten aber festhalten, dass alle Kunden bis zum Zeitpunkt der technischen Übertragung der Anteile jederzeit Zugriff auf ihre Wertpapiere haben und diese auch jederzeit bei flatex handeln können“, so der Sprecher.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Beitrag in der kürzlich erschienen März-Ausgabe des „Bafin Journals“. Darin schildern die Aufseher selbst ausführlich den Fall eines Brokers, bei dem es zu einer „ungewöhnlich hohen Anzahl von Beschwerden“ gekommen sei, weil Depotüberträge „stark verzögert oder mangelhaft ausgeführt“ worden. Man habe das betreffende Institut zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nun begleite man „im Rahmen der operativen Aufsicht die Umsetzung dieser Maßnahmen eng und hält diese nach“. Ein Bafin-Sprecher wollte allerdings keine Stellungnahme abgeben, ob es sich in dem geschilderten Fall um Flatex handele, da man sich „grundsätzlich nicht zu einzelnen Instituten“ äußere.

Einige Kunden berichten gegenüber Finanz-Szene.de, bereits seit Januar auf den Übertrag zu warten und vom nur schwer erreichbaren Broker hingehalten zu werden. Flatex erklärte auf Nachfrage, dass man aktuell auch sehr viele Depoteröffnung habe und die Corona-Krise die Kunden sehr viel handeln lässt – entsprechend ausgelastet sei auch der Service. „Wir geben aktuell alles, um auch in diesen turbulenten Zeiten die 100% Uptime unserer Systeme und Services zu garantieren. Im Vergleich zum Wettbewerb sind wir durch unseren hohen Automatisierungsgrad weiterhin relativ schnell“, so der Sprecher. 

Zu einer Häufung der Depotwechsel dürfte eine Preisänderung von Flatex beigetragen haben, die im Dezember kommuniziert wurde und seit Anfang März greift: Flatex erhebt seit Monatsanfang eine Depotgebühr für gehaltene Wertpapiere in Höhe von 0,1 Prozent des Kurswerts zuzüglich Mehrwertsteuer – und diese wird monatlich ratierlich erhoben. Die Ankündigung dieser Gebühr hat offenbar viele Kunden zu einem Wechsel veranlasst. Wessen Wechsel indes „hängt“, hat laut einem Flatex-Sprecher zumindest keine finanziellen Nachteile zu befürchten. „Selbstverständlich stellen wir den Kunden, ab Eingang des Auftrags zum Depotübertrag, keine Gebühren in Rechnung“.

Der Online-Broker Flatex hatte im Dezember die Übernahme des Konkurrenten Degiro für rund 250 Mio. Euro in Cash und eigenen Aktien angekündigt, die im zweiten Quartal abgeschlossen werden soll. Nach eigenen Angaben war der Februar ein Rekordmonate für die beiden Institute aufgrund der Marktvolatilitäten, pro Forma wickelten beide zusammen 4,7 Millionen Transaktionen ab, annähernd eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der scharfen Korrektur an der Börse konnten sich aber auch die Flatex-Aktien nicht entziehen: Von einem Zwischenhoch von 31,45 Euro im Februar fielen die Aktien um 18% auf gestern 25,75 Euro ab. Damit schnitten sie indes besser ab als der Gesamtmarkt.

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