N26 hat 2018 seine Erträge auf fast 50 Mio. Euro verfünffacht

5. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

N26, das deutsche Vorzeige-Fintech, hat seine Erträge 2018 – wie von uns kürzlich bereits prognostiziert – auf annähernd 50 Mio. Euro gesteigert. Dies geht aus dem gestern im Bundesanzeiger publizierten Konzernabschluss hervor. Allein im Provisionsgeschäft kam die Berliner Smartphone-Bank auf Erträge von knapp 38 Mio. Euro. Im Zinsgeschäft wurden gut 5 Mio. Euro erlöst, knapp 6 Mio. Euro steuerten die „sonstigen betrieblichen Erträge“ bei.

Im Vergleich zu den 2017er-Zahlen bedeuten diese Umsatzzahlen beinahe eine Verfünffachung. Zudem deutet auf Basis der 2018er-Zahlen nun alles darauf hin, dass N26 im abgelaufenen Geschäftsjahr (also 2019) tatsächlich Erträge in Höhe an die 100 Mio. Euro oder vielleicht sogar ein Stück darüber hinaus erwirftschaftet haben dürfte – auch das hatte wir Mitte Januar ja schon angedeutet. Zur Einordnung: Damit hätte die erst 2016 so richtig gestartet Mobile-Bank gemessen an den Erträgen schon jetzt ein Viertel der Größe der Comdirect erreicht.

Um also jetzt einfach mal zu sagen, wie es ist: Diese Zahlen sind ein Erdbeben! Und sie strafen all jene deutschen Bank-Manager Lügen, die bislang in Hintergrundgesprächen zu behaupten pflegten, der Newcomer aus Berlin gewinne zwar in rasantem Tempo neue Kunden – habe aber keine Idee, wie er diese Kunden in Erträge umwandelt. Die gestern veröffentlichten Zahlen sprechen eine andere Sprache. So heißt es im Konzernabschluss wörtlich: „Die Provisionserträge von 37.650.064,24 (Vorjahr: 10.117.761,85 Euro) entfallen auf Kundenprodukte und Kundentransaktionen.“

Damit gemeint sind zum einen die Gebühren, die N26 für seine Premium-Kontenmodelle „Metal“ (16,90 Euro monatlich) und „You“ (9,90 Euro monatlich) einstreicht. Und zum anderen die Interchange-Gebühren, die das Berliner Fintech vom Händler kassiert, wenn einer der Kunden mit der N26-Debitkarte von Mastercard bezahlt. Dass mag noch nicht das Geschäftsmodell einer ausgewachsenen Bank sein (sondern er das eines Hybriden aus Bank und B2C-Zahlungsdienstleister). Aber: Es ist ein Geschäftsmodell! Und zwar eines, dass sich früher oder später mit Kreditprodukten und Investmentprodukten arrondieren lassen könnte – auch wenn N26 bislang in diesen Bereichen kaum Geschäft macht, wie die 2018er-Zahlen belegen.

Klar ist: Das brachiale Wachstum hat seinen Preis. Allein 27 Mio. Euro wendete N26 fürs Marketing auf. Der Personalaufwand schlug mit knapp 28 Mio. Euro zu Buche – nach gerade mal 12 Mio. Euro im Jahr zuvor. Unterm Strich summierte sich der Konzernjahresfehlbetrag (also quasi der Cashburn) auf 73 Mio. Euro. Im Vergleich zu 2017 (als es 32 Mio. Euro waren) entsprach das einer Steigerung um den Faktor 2,3. Nimmt man den Verlustvortrag aus den Vorjahren hinzu, summierte sich der Bilanzverlust per Ende 2018 auf 129 Mio. Euro.

Hier die GuV (Beträge jeweils in Mio. Euro)

2018 2017
1. Zinserträge 5,1 0,8
2. Zinsaufwendungen 0 0
3. Provisionserträge 37,7 10
4. Provisionsaufwand -23,8 -9,9
5. Sonstige betriebliche Erträge 5,9 0,4
6. Allgemeine Verwaltungs-Aufwendungen -90,2 -31,9
7. Abschreibungen auf immaterielle Anlagewerte und Sachanlagen -0,5 -0,3
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen -0,3 -0,1
9. Abschreibungen im Kreditgeschäft -7,1 -1,1
10. Erträge aus Zuschreibungen zu Beteiligungen, Anteilen an verbunden Unternehmen und wie Anlagevermögen behandelten Wertpapiere 0 0
11. Konzern-Jahresfehlbetrag -73,1 -32
12. Verlustvortrag aus Vorjahren -56,1 -24,1
13. Bilanzverlust -129,3 -56,1

Quelle: Jahresabschluss/Bundesanzeiger

Im „Chancen- und Prognosebericht“ findet sich nun folgender Satz: „Der geplante Markteintritt in die Vereinigten Staaten von Amerika sowie die geplante Eröffnung weiterer Niederlassungen im europäischen Ausland, der weitere Ausbau der Produktpalette und das Kundenwachstum werden dazu führen, dass 2019 planmäßig mit einem stark gestiegenen Anlaufverlust des Konzerns im Vergleich zu 2018 abschließen wird.“ Wir deuten das so, dass nicht unbedingt der aufs Jahr bezogene Cahsburn nochmals gestiegen sein muss (also über 73 Mio. Euro gelegen hat). Sondern zunächst einmal nur so, dass sich der Bilanzverlust per Ende 2019 markant ausgeweitet hat.

Jedenfalls: Geht man davon aus, dass der Cashburn in 2019 zumindest grob dem von 2018 entsprochen hat – dann hätten sich die gesamten Anlaufverluste bis Ende letzen Jahr auf gut 200 Mio. Euro addiert. Sollte der Cahsburn aber speziell vor dem Hintergrund der US-Expansion noch einmal gestiegen sein – dann könnte die Gesamtsumme womöglich schon Richtung 250 Mio. Euro gehen. Das ist noch nicht wirklich beunruhigend gemessen an den insgesamt rund 620 Mio. Euro, die Investoren bislang in die Berliner Neobank gesteckt haben. Aber: Es zeigt, dass N26 früher oder später eine weiteres hohes Funding benötigen könnte – jedenfalls dann, wenn es den Berlinern mit dem seit einigen Monaten kommunizierten Ziel von weltweit 50 Mio. bis 100 Mio. Kunden wirklich ernst sein sollte (woran wir ja gewisse Zweifel haben, siehe auch unsere Analysen hier und hier).

Freilich – das sind Kritteleien auf hohem Niveau. Denn die Kernbotschaft der gestern vorgestellten Zahlen lautet: N26 hat tatsächlich den Beweis angetreten, echte Erlöse generieren zu können.

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