Kurz gebloggt

Neeeiiin!!! Der DKB-Chef hat der Sparkassen-IT nicht gedroht!

5. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Klarer kann eine Drohung eigentlich kaum formuliert sein: „Wenn ein Partner nachhaltig nicht das leisten kann, was die DKB von ihm erwartet, dann werden wir uns von ihm trennen.“ So hat’s DKB-Chef Stefan Unterlandstättner in einem Interview dem „Handelsblatt“ gesagt – wohlgemerkt, nachdem am Sonntag das Online-Banking der zweitgrößten deutschen Direktbank zum wiederholten Male stundenlang ausgefallen war.

Was man dazu nun wissen muss:

  1. Die DKB macht für den Blackout den externen Server-Dienstleister verantwortlich
  2. Dieser hat sich nämlich zum wiederholten Mal außerstande gezeigt, einen Cyber-Angriff (der die Ursache für den Ausfall war) abzuwehren.
  3. Die DKB stellt besagten Server-Dienstleister jetzt schon seit Monaten für dessen Fehlleistungen zwar nicht namentlich, wohl aber unzweideutig dechiffrierbar (es handelt sich um die FI-TS) in den Senkel

Entsprechend also twitterte unser „HB“-Kollege Andreas Kröner, was wir an seiner Stelle ungefähr genauso getwittert hätten. Dass nämlich die DKB besagtem Server-Dienstleister ordentlich Feuer unterm Hintern macht:

Was man hierzu nun des Weiteren wissen muss:

  • Die FI-TS gehört zur „Finanz Informatik“
  • Diese „Finanz Informatik“ wiederum ist der zentrale IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe
  • Und dieser Sparkassen-Finanzgruppe gehört als Tochter der BayernLB zumindest indirekt auch die DKB an

Hat der Chef der zweitgrößten deutschen Direktbank also dem eigenen Verein mit Kündigung der Geschäftsbeziehung gedroht?

Es wäre, wenn er’s denn getan hat, nicht weniger als eine Revolte. Schließlich managt die „Finanz Informatik“ nicht nur die IT-Dienste sämtlicher deutscher Sparkassen. Sondern: Sie ist geradezu manisch darauf bedacht, über ihrer Tochter FI-TS auch jene Unternehmen zu bedienen, die der S-Finanzgruppe eher lose zuzurechnen sind. So finden sich auf einer im Internet einsehbaren Kunden-Referenzliste der FI-TS (hier das PDF) insgesamt 26 Namen, von denen mindestens 20 mit den Sparkassen verflochten sind. Darunter sind neben der DKB alle großen Landesbanken (Bayern LB, Helaba, NordLB und LBBW), diverse öffentlich-rechtliche Versicherer sowie der Wertpapier-Dienstleister dwp Bank. Dieser übrigens, kleine Exkurs, ist insofern ein interessanter Fall, als dass

  • die dwp Bank ein Joint-Venture von Sparkassen und Genobanken ist
  • die dwp Bank im Kröner-Tweet auftaucht
  • die dwp Bank verantwortlich dafür sein soll, dass neben dem Online-Banking in den letzten Monaten auch das Online-Brokerage der DKB verschiedentlich ausfiel
  • die dwp Bank für ihre eigenen IT-Probleme ebenfalls gern die FI-TS verantwortlich macht

Jedenfalls: Dass es zwischen der „Finanz Informatik“ und diversen ihrer Kunden gärt, hatte Finanz-Szene.de in den vergangenen Monaten mehrmals beschrieben (siehe hier und hier). Ihre Zuspitzung fanden die Dissonanzen im Januar: Da – so wird es jedenfalls von verschiedener Seite berichtet und von keiner Seite dementiert – musste FI-Geschäftsführer Franz-Theo Brockhoff angeblich beim DKB-„Chief Digital Officer“ Arnulf Keese regelrecht zum Rapport antreten.

Trotz dieser Canossa-Gang-ähnlichen Aufführung sah es bislang aber so aus, als wollte die DKB lediglich ihrem Ärger luftmachen. Dass die Berliner die FI-TS wirklich rauswerfen, schien eher unwahrscheinlich. Denn: Schiede die DKB aus der Phalanx der FI-TS-Kunden aus, dann würde das den Sparkassen-Sektor ordentlich durchrütteln. Zumal dann unausweichlich die Frage aufkäme: Wer folgt als nächstes?

Die Konkurrenz jedenfalls lauert schon. Weil: Dass das Marktpotenzial für unabhängige Finanz-IT-Dienstleister hierzulande begrenzt ist – das liegt ja daran, dass es auf Sparkassen-Seite die „Finanz Informatik“ und auf Geno-Seite die Fiducia & GAD gibt. Also zwei Sektor-Monopolisten, denen es gelingt, ihre jeweiligen Verbünde gegenüber potenziellen Wettbewerbern weitgehend abzuschirmen. Kommt es in diesen Beziehungen zu Rissen, dann können aus den Rissen irgendwann Einfallstore werden. Siehe die genossenschaftliche Apobank, die sich ihr Kernbanksystem momentan von Avaloq basteln lässt. Oder siehe das Kernbank-Schisma bei den Sparda-Banken.

Wie viel Geld die „Finanz Informatik“ bzw. deren Tochter FI-TS mit der DKB macht, ist nicht bekannt. Aber um einfach mal die grundsätzlichen Dimensionen zu verdeutlich: Laut ihres aktuellsten einsehbaren Konzernabschlusses (2018) macht die „Finanz Informatik“ zuletzt stolze 1,9 Mrd. Euro Umsatz; die FI-TS kam für sich genommen in 2016 (neuere Zahlen sind nicht bekannt) auf Umsatzerlöse in Höhe von 350 Mio. Euro. Dabei düfte klar sein: Die DKB gehört eher nicht zu den kleinen Kunden.

Drohpotenzial hätte Unterlandstättner also allemal. Doch nochmal: Hat er gedroht? Neeeiiin, ist aus Berlin zu hören. Die Aussage „Wenn ein Partner nachhaltig nicht das leisten kann, was die DKB von ihm erwartet, dann werden wir uns von ihm trennen“ sei doch ganz allgemein gemeint gewesen. Und überhaupt nicht bezogen auf einzelne Adressen.

Auf ein klares Bekenntnis zur FI-TS will sich die DKB trotzdem nicht festlegen lassen. Unsere simple Frage, wie zufrieden man denn mit dem Dienstleister sei, kommt als Antwort zurück:

„Die DKB arbeitet bereits viele Jahre eng und vertrauensvoll mit der FI-TS zusammen. In Hinblick auf die aktuellen IT-Ausfälle haben wir diese gemeinsam und in einem offenen Dialog intensiv ausgewertet. Wir bitten aber um Verständnis, dass wir keine weiteren Details zur Zusammenarbeit veröffentlichen.“

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