Exklusiv

Operatives Fiasko! Hier sind die frischen Zahlen zur Fidor Bank

13. Januar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe „Handelsblatt“-Abonnenten, Sie werden mitbekommen haben, dass die Zeitung ihres Vertrauens am Wochenende den Niedergang der Fidor-Bank nachgezeichnet hat. Nun war der Artikel zwar ziemlich lang, aber wenigstens an einer Stelle – wie soll man sagen? – nicht wirklich taufrisch. Auszug:

„Zuletzt schrieb Fidor tiefrote Zahlen. 2017 – neuere Daten sind noch nicht bekannt – betrug der Verlust unter dem Strich fast 100 Millionen Euro, 2016 lag das Minus bei 24 Millionen Euro. Der letzte kleine Gewinn stammt aus dem Jahr 2014.“ (HB, Print, 10.01.20)

Bevor Sie, liebe „Handelsblatt“-Abonnenten, sich nun aber eigenhändig auf die Suche nach den 2018er-Zahlen machen – sparen Sie sich bitte die Mühe. Denn der Newsletter Ihres Vertrauens, also Finanz-Szene.de, hat sie. Voilà:

  • Sie erinnern sich: Die Fidor Bank hatte sich in Großbritannien mit zwei riesigen Kreditportfolien verspekuliert – was letztlich zum Crash bzw. zur Rettung durch die französischer Mutter BPCE führte. Das Positive: 2018 belasteten die sogenannten „Car Finance Portfolien“ die GuV in deutlich geringem Maße als in den Jahren zuvor. Hatten die „Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen und bestimmte Wertpapiere sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft“ 2017 noch bei desaströsen 87,9 Mio. Euro gelegen, waren es nun nur noch 1,3 Mio. Euro.
  • Das Bedenkliche: Auch ohne diese Sonderbelastung produzierte die Fidor Bank 2018 wieder einen Verlust (definiert als „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“) von horrenden 41,0 Mio. Euro. Klar – das bedeutete einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als der Verlust sogar 109,5 Mio. Euro betrug. Trotzdem bleibt festzuhalten: Die Fidor Bank war auch 2018 ein operatives Fiasko.
  • Was besonders ins Auge fällt, sind die Personal- und Verwaltungs-Aufwendungen, die sich auf erstaunliche 45,9 Mio. Euro summierten (plus 70%). Nun verbirgt sich in diesem Posten zwar mindestens ein Sondereffekt (nämlich 5,1 Mio. Euro für Rechts- und Beratungskosten, die explizit auf die Abwicklung der „Car Finance Portfolien“ zurückgeführt werden). Gleichwohl bleibt der Eindruck, dass die Aufwendungen der Fidor Bank viel zu hoch sind gemessen an der operativen Ertragskraft …
  • Denn: Die Zinserträge (1,9 Mio. Euro) und die Provisionserträge (10,6 Mio. Euro) summierten sich gerade mal auf einen bescheidenen zweistelligen Millionenbetrag – wohlgemerkt ohne die jeweiligen Aufwendungen. Bezieht man diese in die Rechnung ein, landet man bei einem addierten Zins- und Provisions-Überschuss von fast lächerlichen 6,1 Mio. Euro.

Fidor-Bank verbrennt in einem Jahr das Doppelte ihres Eigenkapitals

Hier dringen wir nun zum Kern des oft bemühten Vergleichs zwischen Fidor und N26 vor. Denn obwohl die Berliner Smartphone-Bank deutlich später als der Münchner Fintech-Pionier an den Start ging, dürfte N26 den Rivalen in puncto operative Ertragskraft inzwischen abgehängt haben. Zur Erinnerung: In unserer großen Analyse vergangene Woche hatten wir die Gesamterträge von N26 für 2018 auf ganz grob 50 Mio. Euro geschätzt – wovon der größte Teil auf Provisions-Einnahmen entfallen sein dürfte. Nimmt man also nur die Provisionen, dann sollte die Ertragskraft von N26 die Ertragskraft von Fidor bereits um (wiederum grob geschätzt) den Faktor 4 übertreffen.

Da ist es ein schwacher Trost, dass die 10,6 Mio. Euro Zinserträge der Fidor Bank eine Steigerung von 40% im Vergleich zum Vorjahr bedeuten. Denn: Das ist tatsächlich der einzige Vergleich, den die Münchner zuletzt noch gewannen – den mit sich selbst.

Die Fidor-Bank ist jetzt rekapitalisiert. Aber findet sie auch einen Käufer?

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