Exklusiv

Projekt „Dealwise“: ING Diba will Cashback-App launchen

8. Juli 2020

Von Christian Kirchner

Die ING Deutschland plant den Einstieg ins Non-Banking Geschäft. Konkret geht es dabei um den Launch einer sogenannten Cashback-App namens „Dealwise“. Diese wurde zunächst für andere ING-Märkte konzipiert  – soll „noch im Jahr 2020“ aber auch hierzulande starten, wie aus dem letzten Absatz einer diese Woche veröffentlichten Pressemitteilung des niederländischen Mutterkonzerns hervorgeht. Nach Informationen von Finanz-Szene.de sind die Pläne sogar deutlich weiter gediehen, als es bei Lektüre der Mitteilung den Anschein hat. So läuft für die in Rumänien entwickelte App und Plattform hierzulande bereits eine „Family&Friends“-Testphase, sodass Insider den Launch noch für den Sommer erwarten.

Die hiesige ING setzt mit „Dealwise“ auf einen spannenden Trend. Cashback- und sonstige Bonus-Programme erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit, zuletzt lagen die Wachstumsraten bei rund 20% pro Jahr – wobei im Vergleich zu angelsächsischen Ländern trotzdem noch viel Aufholpotenzial besteht. Bei den Programmen geht es im Grunde darum, dass Anbieter wie Payback oder shoop.de gemeinsam mit Produktherstellern, Dienstleistern oder Online-Shopbetreibern spezielle Angebote schnüren, die dem Endkunden Rabatte und Rückvergütungen einbringen.

Diese Rückvergütungen fließen dann in Form von Bonuspunkten oder schlicht in Cash auf das Konto des Kunden. Einige Banken haben sich bereits an solche Programme rangehängt. So bietet etwa die DKB ihren Kunden für diverse Partnershops (wie Rewe, Lieferando oder booking.com) bereits Cashbacks an. Auch der kürzlich in Berlin gestartete N26-Herausforderer Vivid Money setzt stark auf das Rückvergütungs-System.

Mit dem Start einer eigenen App, die sich außerhalb des eigenen Banking-Angebots befindet, geht die ING Diba über die Ansätze anderer Banken deutlich hinaus. So soll die „Dealwise“-App dem Vernehmen nach nach einer internen Einführung – so ging die ING in Rumänien vor – schon bald auch Nicht-ING-Kunden offen stehen. Dies wäre ein hochinteressanter Schritt, denn innerhalb vieler Banken tobt an diesem Punkt ein regelrechter Glaubenskrieg: Sollte man selbst entwickelte Features ausschließlich den eigenen Kunden zur Verfügung stellen und damit einen Mehrwert für die Bankbeziehung schaffen? Oder sich auch für eine andere Klientel öffnen, um etwas für das Provisionsgeschäft zu tun?

Das Spielfeld ist groß, es geht um den Vertrieb von Versicherungen, Finanzierungen, Karten, Angebote von Zinsplattformen oder eben ganz banal um Shopping oder andere Non-Banking Dienstleistungen. Die Argumente der einen Seite: Die Kundenbindung erodiere ohnehin, viele Kunden hätten längst mehrere Bankverbindungen und Zahlkarten. Da sei eine Öffnung und Positionierung mit eigenen Plattformen nur logisch. Zumal: Es sei ja eh nur eine Frage der Zeit, bis die GAFAs und andere Techkonzerne mit ihren jeweils eigenen Ökosystemen ins Bankgeschäft vordrängen.

Der Argumentsfaden der Anbieter geschlossener Systeme hingegen sieht hingegen so aus: Wer vom Kunden markt- und kostengerechte Kontoführungsgebühren verlangen will, der müsse den eigenen Kunden auch exklusive Extras bieten, da die reine Bankdienstleistung zu einem austauschbaren „Commodity“ verkommen sei. Frage: Gibt es denn keinen Mittelweg? Doch: Modelle, die auch Nichtkunden offen stehen, aber den hauseigenen Kunden nochmals gesonderte Konditionen einräumen, sinngemäß: 2% Cashback bei einem Online-Shop gibt es für alle – aber 4% für Bankkunden.

Eine entsprechende Debatte gibt es etwa seit längerem innerhalb der Deutschen Bank, die die Öffnung ihrer App auch für Kunden erwägt (siehe auch unsere Analyse hier), bislang aber vor dem Schritt noch zurückschreckt. In vielen anderen Ländern sind Non-Banking-Dienstleistungen hingegen längst ein wichtiges Thema, etwa bei der spanischen BBVA, deren App eher der von Amazon gleicht als der einer Großbank.

Eine Bank, die mit dem Non-Banking-Geschäft und -incentives über Jahre überragende Erfolge feierte, ist die Commerzbank-Tochter mBank in Polen. Kleine mBank-Filialen in Shoppingcentern sprechen eine kaufkräftige und konsumorientierte Zielgruppe an. Die Bank geht sogar so weit, Kunden beim Betreten einer ihrer Bank-Shops biometrisch zu erfassen und ihnen dann auf den Displays maßgeschneiderte Angebote für Smartphones oder Drogeriegutscheine zu unterbreiten, sofern sie ein Konto eröffnen oder einen Kredit in Anspruch nehmen. Später dann erhalten Kunden auf Basis ihres von der Bank ermittelten Ausgabeverhaltens erneut spezielle Gutscheine bestimmter Shopping-Partner. In Deutschland hat die Commerzbank diese Technologien aber nie ausgerollt.

Nun wird diese Glaubensfrage – Öffnen oder nicht – nicht an der „Dealwise“-App der ING entschieden werden – zumal die größte deutsche Direktbank auch nicht befürchten muss, Bestandskunden zu verschrecken. Denn: Ihr Kontoangebot ist bei regelmäßigen Geldeingängen ohnehin kostenlos. Und doch: Wie genau die Oranje-Bank ihr neues Angebot (das in Rumänien bereits in TV-Spots beworben wird) einführt und wie die Kunden es annehmen – das dürfte vom Wettbewerb ganz genau beobachtet werden.

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