Exklusiv

Provisionsgeschäft der Sparda Südwest kracht nach IT-Umzug um 22%

31. März 2021

Von Christian Kirchner

Sparda Südwest hat im Zuge der IT-Migration zur Fiducia & GAD ein Debakel im Provisionsgeschäft erlebt – und verabschiedet sich (ohne das wir eine Kausaliltät unterstellen wollen) in der Folge vom kostenlosen Girokonto und führt zum 1. Juni 2021 zwei neue Kontomodelle ein. Das „Sparda Girokonto Online“ kostet dann 3 Euro pro Monat, das klassische „Sparda Girokonto“ inklusive beleghafter Überweisungen und Filialservices 6 Euro pro Monat. In letzterem Modell fallen zusätzlich 12 Euro pro Jahr für die Girocard sowie optional 40 Euro für eine Kreditkarte an.

Zwar haben in den vergangenen Jahren auch schon andere Sparda-Banken das  kostenlose Girokonto abgeschafft. Bei der Sparda Südwest mit ihren rund 500.000 Kunden überrascht aber die schiere Höhe der Gebühren: So kostet das volle Paket mit Girocard, Kreditkarte und Filialdienstleistungen (wenn wir uns nicht verrechnet haben) satte 10,30 Euro monatlich. Damit sortieren sich die Mainzer deutlich über den Standard-Girokonten anderer (nicht nur Sparda-)Institute und nur noch knapp unter den Premium-Kontomodellen großer Filialbanken wie Deutsche Bank, HVB oder Commerzbank ein. Noch vor einem Jahr hatte Vorstandschef Manfred Stang in einem Interview mit der „Allgemeinen Zeitung“ aus Mainz gesagt, seinem Institut gehe gehe um guten Service und solide Dienstleistungen: „Dazu gehört auch nach wie vor ein kostenfreies Girokonto“.

Warum bei der Sparda Südwest das Provisionsergebnis um 22% einkrachte

Für die Einführung der Kontoführungsgebührung macht die Sparda Südwest die EZB verantwortlich. „An der Einführung der neuen Preismodelle zeigt sich ganz konkret, was die Niedrigzinspolitik der EZB für unsere Bank bedeutet“, so Vorstandschef Stang in einer Mitteilung. Früher habe man die Kosten für die Bereitstellung der Girokonten über Zinseinnahmen finanzieren können – „das waren rund 20 Mio. Euro pro Jahr“. Ohne die Zinseinnahmen funktioniere dies nicht mehr.

Anfang März hatte die Sparda Südwest ein durchwachsenes vorläufige Ergebnis für 2020 präsentiert. Der Bilanzgewinn schrumpfte um 36% auf 9,7 Mio. Euro, unter anderem auch, weil zwar die Kundeneinlagen um 9% auf 9,8 Mrd. Euro stiegen, die Forderungen an Kunden aber um 4% auf rund 6,2 Mrd. Euro sanken. Auf unsere Nachfrage hin präzisierte die Sparda Südwest, dass im vergangenen Jahr sowohl der Zinsüberschuss (minus 4,1 Mio. Euro = minus 4%) als auch das Provisionsergebnis (minus 7 Mio. Euro = minus 22% !!!) unter Druck gestanden hätten. Beide Zahlen seien allerdings noch vorläufig und untestiert.

Zum gesunkenen Provisionsüberschuss hätten unter anderem „Einschränkungen im Januar und im Februar 2020, die aus Nacharbeiten im Rahmen des Rechenzentrumswechsels resultierten“ beigetragen. Hintergrund: Die Sparda Südwest war genauso wie sechs weitere Sparda-Banken von der alten SDV (das Kürzel stand für Sparda-Datenverarbeitung e.G.) zur Fiducia & GAD gewechselt. Schon im 2019er-Geschäftbericht hatte sich in diesem Kontext der interessante Satz gefunden: „Bedingt durch den Wechsel zum IT-Dienstleister Fiducia & GAD IT AG wurde die Beratung zu Baufinanzierungen in den Filialen zeitweise ausgesetzt und das Vermittlergeschäft über Plattformen forciert.“ Offenbar setzten sich die Probleme dann 2020 fort.

Parallel zu den Maßnahmen kündigte die Sparda Südwest auch eine „Überprüfung der Filialstruktur“ an, ohne allerdings Details zu nennen. Drei Standorte sind bereits zu SB-Stellen umfunktioniert worden, zwei SB-Center geschlossen worden. Nicht zu vergessen: Seit dem 1. Februar verlangt die Südwest-Sparda auch Strafzinsen für Guthaben ab 50.000 Euro.

Kosten-Coup der Sparda West: 30% weniger Filialen, 3% weniger Kunden

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