Exklusiv

Rabobank zieht sich aus deutschem Retail-Banking zurück

24. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Die niederländische Rabobank zieht sich aus dem deutschen Retail-Banking zurück und will die entsprechende Sparte (zu der auch die weithin bekannte Marke „Rabodirect“ gehört) verkaufen oder schließen. Das geht aus einer Kunden-Mitteilung der genossenschaftlichen Großbank hervor. Darin heißt es: „Wir befinden uns derzeit in Verhandlungen mit den ArbeitnehmervertreterInnen und streben eine zeitnahe Einigung an. Die Rabobank wird alles daran setzen, […] faire und sozialverträgliche Lösungen für die betroffenen ArbeitnehmerInnen zu finden.“ Die Pläne hätten „derzeit keinerlei Auswirkung auf unsere Kunden – all unsere Serviceleistungen können aktuell wie gewohnt genutzt werden.“ Das Firmenkundengeschäft sei von den Maßnahmen nicht betroffen.

Der Rückzug kommt durchaus überraschend. Schließlich hatte die Rabobank (so etwas wie die niederländische DZ Bank, wobei der  Genosektor im Nachbarland stärker zentralisiert ist als hierzulande ….) erst vor zwei Jahren angekündigt, das gesamte europäische Direktbankgeschäft von Utrecht nach Frankfurt zu verlagern. Die hiesige Zweigniederlassung (für die damals rund 65 Mitarbeiter tätig waren) sollte personell deutlich aufgestockt werden. Dabei betonte die Rabobank die Bedeutung des deutschen Markts, dessen schiere Größe eine stärkere Kundennähe erforderlich mache. In der „Börsen-Zeitung“ wurde ein Rabobank-Manager damals wie folgt zitiert: „Deutschland gilt als größter europäischer Sparermarkt. Seit unserem Start in Deutschland vor sechs Jahren haben wir uns erfolgreich etabliert und sind uns sicher, dass Rabobank und Rabodirect für mehr und mehr deutsche Sparer in vielerlei Hinsicht eine sinnvolle Alternative zum Wettbewerb sind.“

Warum das nun nicht mehr gelten soll, geht aus der Kundenmitteilung nicht hervor. Denkbar allerdings ist, dass in Zeiten überschüssiger Liquidität die Attraktivität deutscher Spareinlagen für ausländische Geldinstitute abnimmt (zumindest wenn diese aus Ländern stammen, in denen die Zinssituation ähnlich ist wie hierzulande). Erst im vergangenen Jahr hatte eine weitere niederländische Bank, nämlich die ABN Amro, ihr hierzulande unter dem Label „Moneyou“ betriebenes Direktbankgeschäft dichtgemacht. Ende Februar hatte – was rückblickend natürlich ein klares Indiz für die jetztige News war … – der fürs hiesige Rabo-Direktbank-Geschäft zuständige „Chief Commercial Officer“ Marc Schäfer seinen Abgang verkündet. Er heuere zur Jahresmitte bei einem Berliner Fintech an, hieß es damals.

Erst Online, jetzt Fintech: Wie die Niederländer den deutschen Bankenmarkt kapern

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