Schlammschlacht zwischen Apobank und Fiducia & GAD

12. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Der missglückte Kernbank-Umzug der Apobank (siehe unsere große Recherche „Wie die Apobank ins Chaos stürzte“) hat ein unerwartetes Nachspiel: In einem am Mittwochabend veröffentlichten Interview mit der „FAZ“ (Paywall) macht Vorstandschef Ulrich Sommer den ehemaligen IT-Dienstleister seines Instituts, nämlich die Fiducia & GAD,  für das Debakel verantwortlich. Diese jedoch weist die Vorwürfe Sommers entschieden zurück. Pikant: Die Apobank und die Fiducia & GAD gehören beide dem genossenschaftlichen Bankenlager an. Eine Schlammschlacht auf offener Bühne – das hat den Genos gerade noch gefehlt!

Worum geht es konkret? 2015 schrieb die Apotheker- und Ärztebank – mit einer Bilanzsumme von rund 50 Mrd. Euro das größte genossenschaftliche Einzelinstitut hierzulande – den Auftrag für ein neues Kernbankensystem aus. Allgemein wurde erwartet, die in Düsseldorfer ansässige Ständebank werde sich für ihren bestehenden IT-Dienstleister entscheiden, also für die Fiducia & GAD. Stattdessen 2017 die Sensation: Die Apobank mandatierte den Schweizer Softwarehersteller Avaloq, der in seinem Heimatmarkt zu den etablierten Anbietern gehört, in Deutschland jedoch nur vereinzelte Referenzen vorweisen kann.

An dieser Stelle setzen nun die ersten Sticheleien Sommers in besagtem „FAZ“-Interview an: Mit Fiducia & GAD hätte sich die IT-Migration angeblich erst 2021 bewerkstelligen lassen – rund ein Jahr später als mit Avaloq. Deshalb die Entscheidung für die Schweizer. Immerhin: Dieser Punkt bleibt noch unwidersprochen. Doch dann geht es erst so richtig los …

Apobank: Verpatzte IT-Migration wird Ergebnis schwer belasten

Anfang 2018 – so jedenfalls stellt es Sommer dar – habe die Fiducia & GAD der Apobank plötzlich mitgeteilt, die neue Avaloq-Software könne nicht auf den Hardware-Systemen der Fiducia laufen, ein Mischbetrieb sei nicht erwünscht. „Zu diesem Zeitpunkt gab es kein organisatorisches und betriebswirtschaftliches Zurück mehr“, so Sommer gegenüber der „FAZ“. „Wir waren deshalb im Jahr 2020 gezwungen, einen Big Bang vorzunehmen und Hardware und Software gleichzeitig umzustellen – ein Risiko, das wir gern vermieden hätten.“ Die Fiducia, von der „FAZ“ mit den Vorwürfen Sommers konfrontiert, kontert knallhart: Die IT-Migration der Apobank sei von Anfang an als kompletter Systemwechsel angelegt worden. Ein Mischbetrieb habe außer Frage gestanden – worüber die Apobank auch „seit Beginn“ des Migrationsprojekts informiert gewesen sei. Aussage gegen Aussage.

Die Schlammschlacht geht allerdings noch weiter. Denn auch für die aus Kundensicht vielleicht schwerwiegendste Folge des IT-Chaos (nämlich: dass nach dem Kernbank-Wechsel weder Lastschriften noch Daueraufträge funktionierten) zieht Sommer gegenüber der „FAZ“ explizit den genossenschaftlichen IT-Dienstleister zur Verantwortung: „Es war ursprünglich vereinbart, dass [die] Fiducia & GAD unseren Zahlungsverkehr, den wir an sie ausgelagert haben, auch nach der Avaloq-Einführung weiterführt. Erst später informierte uns die Fiducia & GAD, dass das nicht geht. Avaloq musste deshalb zusätzlich unseren Zahlungsverkehr programmieren.“ Auch dieser Darstellung wird bei der Fiducia widersprochen: „Vor dem Hintergrund eines klaren Verantwortungsschnittes“ sei eine Fortführung des Zahlungsverkehrs mit den Systemen des Fiducia & GAD „nicht opportun“ gewesen.

Interessant: Von der „FAZ“ nach dem eigentlichen Interview nochmals auf die Replik der Fiducia angesprochen, weitet Sommer seine Anschuldigen sogar noch auf die DZ Bank aus, also auf das genossenschaftliche Zentralinstitut: „Das Projekt war mit dem Ziel gestartet, den Zahlungsverkehr  unverändert bei der Fiducia & GAD/DZ Bank zu belassen.“ Das hätten Fiducia und DZ Bank dann aber 2018 abgelehnt.

Schwer zu sagen, wie viele Freunde der Apobank-Chef im genossenschaftlichen Lager überhaupt noch hatte nach dem Wechsel zur Avaloq – mehr sind es mit seinem „FAZ“-Interview aber sicherlich nicht geworden.

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