Smartbroker: Kundenwachstum geht um drei Viertel zurück

23. August 2021

Von Christian Kirchner

Auch beim vermutlich drittgrößten deutschen Neobroker – dem Smartbroker – trübt sich das Wachstum merklich ein. Von Januar bis April hatte die Tochter der Berliner Finanzportals „Wallstreet Online“ ihre Kundenzahl um 55.000 auf 135.000 gesteigert, wie sich der Präsentation des Unternehmens aus dem Mai 2021 entnehmen lässt. Laut den am Montag vorgelegten H1-Zahlen stand der Smartbroker per Jahresmitte trotzdem erst bei 142.000 Kunden. Demnach sind also im Mai und Juni nur mehr zusammen 7.000 Kunden hinzugekommen. Oder anders gesagt: Während das Fintech in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Schnitt 13.750 Kunden pro Monat gewann, waren es zuletzt nur noch 3.500 – ein Verlangsamung des Wachstums um 75%.

Ein Sprecher verwies auf das „außergewöhnlich starke Vergleichsquartal Q1 (AMC, GameStop, Meme-Aktien)“. Ferner erklärte er, dass der Smartbroker 2022 mehrere IT-Abläufe internalisieren wolle und daher „durch gezielte Steuerung von Werbemaßnahmen Kundenzahlen generieren, die sehr eng an unserer Guidance liegen“.

Laut der gestern vorgelegten Mitteilung zum H1-Ergebnis sieht sich die „Wallstreet Online AG“ daher auch weiterhin „im Plan“. Konkret:

  • Das Jahresziel von 200.000 Smartbroker-Kunden sei intakt (wenngleich das Wachstumstempo dafür wieder steigen muss)
  • Als Umsatz werden 45-50 Mio. Euro angestrebt
  • „Wallstreet Online“ hält am Ziel eines „operativen Ebitda vor den Kosten zur Kundenakquise für den Smartbroker“ (eine der lustigsten selbst erfundenen Kennziffern, mit denen wir es in letzter Zeit zu tun hatten) von 16,5 Mio. bis 18,5 Mio. Euro fest

Beim Umsatz kam „Wallstreet Online“ im H1 auf 23,8 Mio. EUR (+57% zum Vorjahr), beim operativen Gewinn (vor siehe oben …) auf 9,0 Mio. Euro, ein Plus von 78% entspricht. Die Assets under Management betragen nunmehr 6,8 Mrd. Euro.

Übrigens: Besagte Akquisekosten beim Smartbroker wurden mit 7,9 Mio. Euro beziffert. Heißt: Gemessen an den netto 62.000 neuen Kunden lagen die Gewinnungskosten bei 127 Euro pro Neukunde. Das ist mehr als vergangenes Jahr, also das Fintech noch mit 95 Euro pro netto gewonnenem Kunden (nämlich 7,6 Mio. Euro für insgesamt 80.000 Neukunden) ausgekommen war.

Die „Wallstreet Online AG „ist börsennotiert, die Marktkapitalisierung betrug per gestern Abend 376 Mio. Euro. Die Aktie schloss nach einem leichten Minus von 1% bei 24,90 Euro. Das ist das Dreifache des Aktienkurses von vor einem Jahr, aber auch rund 15% unter den Höchstkursen von Ende Mai.

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