Exklusiv

So viele (bzw.: wenige) Kunden hat die C24 Bank bislang

16. Dezember 2020

Von Christian Kirchner

Vor zwei Monaten – genauer: am 13. Oktober – ging das Banking-Angebot des Vergleichsriesen Check24 live. Höchste Zeit einmal nachzufragen, wie denn der Marktstart so gelaufen ist. Wobei: Das Nachfragen also solches bringt nicht viel, aus München kommt nur das handelsübliche „Kein Kommentar“. Wir müssen also nachforschen. Was insofern kein hoffnungsloses Unterfangen ist, als die C24 Bank ausschließlich app-basiert arbeitet – es sich also empfiehlt, einfach mal im Google Store bzw. im Apple Store vorbeischauen.

Haben wir gemacht:

  • Im Apple-Store hat die C24-Banking-App 141 Bewertungen (Schnitt: 4,4 von 5 möglichen Sternen), im Google App-Store sind es 135 Bewertungen (Schnitt: 3,8/5). Weniger als die qualitative Aussage (also die 4,4 Sterne bzw. die 3,8 Sterne) interessiert uns hierbei die qualitative Aussage: Sind addiert 276 Bewertungen nicht ein bisschen dünn, selbst nach zwei Monaten?
  • Dieser maue Eindruck verstärkt sich sogar noch, wenn man sich die Download-Statistiken im Apple Store anschaut (nochmal: Apps sind der einzige Schlüssel zum Eröffnen und Führen eines Kontos bei der C24 Bank …). Am Wochenende tauchte die App gar nicht unter den Top-200 bei den deutschen Finanz-Apps auf, am Montag reichte es gerade mal zu Platz 177, hinter Normalo-Fintechs wie Givve, Lumi, Bonify, Bitwala oder Getsafe. Am gestrigen Dienstag dann: Rang 199, heute (Mittwoch) ist sie wieder nicht mehr in den Top 200.
  • Tatsächlich scheint es so zu sein, dass die Download-Zahlen nicht erst in den letzten Tagen, sondern auch schon vorher von überschaubarer Höhe waren. Darauf deuten zumindest uns freundlicherweise von einer Quelle zur Verfügung gestellte Daten der App-Analysetools „SensorTower“ hin. Die Software registriert einen kleinen Peak zum Launch von rund 300 Downloads Mitte Oktober im Google-Store und knapp 200 Downloads im Apple-Store. Seitdem verzeichnet die C24-App je rund 60 bis 90 Downloads pro Tag sowohl im Apple Store wie auch im Google Store – bei  eher abnehmender Tendenz. Zuletzt waren es (nicht verifizierte, sondern vom Tool geschätzte) rund 50 Downloads pro Tag.

Setzen wir nun im Schnitt (recht großzügig) 80 Downloads pro Tag und Betriebssystem seit dem Launch an, so kommen wir bei 65 Tagen auf rund 10.400 Downloads. Allerdings dürfte natürlich nicht jeder Download in eine Kontoeröffnung gemündet haben. Manche Kunden wollen nur mal gucken und nichts anfassen, andere brechen den Prozess ab oder scheitern an an der Videoidentifizierung, wieder andere Kunden an der Selektion durch die Bank (worauf bereits einigte erregte Rezensionen in den Stores hindeuten), manche laden die App erneut herunter.

Wenn jedenfalls die geschätzten Download-Zahlen aus der „SensorTower“-Zählung plausibel sind (und für uns sind sie das), dann lautet der Schluss: Die tatsächliche Neukundenzahl der C24 Bank ohne vorab bereits geonboardete „Friends- and Family“-Mitglieder dürfte sich aktuell eher im mittleren vierstelligen Bereich bewegen. Mithin wäre die Check24-Tochter vom Massengeschäft noch sehr weit entfernt. Denn nur mal zur Einordnung: Die DKB beispielsweise gewinnt in „normalen“ Monaten rund 20.000 bis 25.000 Neukunden. Netto.

In keinem Businessplan dürften die ersten beiden Monate entscheidend sein. Aber ein bisschen mehr Power hätte man der Bank von Check24 doch zugetraut.

Oder liegt das alles schlicht daran, dass die C24 Bank einfach noch nicht die Marketing-Maschine angeschmissen hat, sondern mal schauen wollte, wie viele Kunden denn so ohne Akquisekosten kommen und wie die mit der Technik klarkommen? Quasi eine erweiterte „Family & Friends“-Phase? Auch möglich. Und sogar plausibel, denn haben Sie schon irgend eine Werbung  oder Marketingaktion für die C24 Bank gesehen? Aber auch dann wäre der Start ein bisschen arg tröpfelnd verlaufen bisher.

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