Exklusiv

SWK Bank positioniert sich mithilfe von Mambu als Solarisbank-Alternative

Man muss schon zwischen den Zeilen lesen, will man die Bedeutung der gestern von der SWK Bank versandten Presse-Statements verstehen: Der Kreditspezialist aus Bingen am Rhein (nicht gerade das Epizentrum der deutschen Banking- und Fintech-Szene) teilte auf den ersten Blick nämlich nur mit, eine Kooperation mit dem Berliner Unicorn Mambu einzugehen. Eigentlich nicht außergewöhnlich, zumal Mambu als Cloud-Anbieter von Kernbankensystemen zuletzt in bemerkenswertem Tempo neue Kunden gewann (siehe unser Stück -> Hier sind die Zahlen des zweitgrößten deutschen Fintechs).

Dann aber kommt in der Mitteilung eine Formulierung, die aufhorchen lässt: Mit den jeweiligen Leistungsangeboten im “Banking as a Service”-Bereich (SWK-Bank) bzw. “Software as a Service”-Bereich (Mambu) wolle man “ein neues gemeinsames Produkt- und Serviceangebot für B2B-Kunden” schaffen.

Heißt im Klartext: Die SWK Bank dringt in jenen Geschäftsbereich, in dem sich zuletzt eine gewisse Solarisbank eine Beinahe-Monopol erarbeitet hatte (auch weil sich andere Anbieter wie die Fintech Group a.k.a. Flatex zurückzogen oder wie die Wirecard Bank untergingen). Bestätigen will man diese Interpretation in Bingen zwar noch nicht. Dementieren allerdings auch nicht. Zumal im Markt schon seit Monaten getuschelt wurde: Die SWK Bank, bislang vor allem für ihre Konsumentenkredite bekannt (etwa als Whitelabel-Bank hinter den Kreditangeboten von Check24) will in Zukunft die ganze Palette an “Banking as Service”-Dienstleistungen anzubieten – bis hin zu Konten und dem “Issuing” von Karten, wenngleich zunächst eher Module aus dem Einlage- und Kreditgeschäft und weniger das kartenbasierte Modell klassischer Neobanken im Mittelpunkt stehen sollen.

“Banking-as-a-Service” ist nicht mehr scharf auf Neobank-Kunden

Der Schritt ist insofern interessant, als der “Banking as a Service”-Markt im Moment mächtig in Bewegung geraten ist. Bis vor ein paar Monaten lautete die Rollenverteilung in dem Segment: Die Trade Republics, Tomorrows, Vivid Moneys oder Pentas fokussieren sich auf das Frontend – und kauften bei den BaaS-Anbietern (also vor allem bei der Solarisbank) die Backend-Prozesse, das Kernbanksystem sowie die Geschäftsteile, für die eine Banklizenz oder mindestens mal eine E-Geld-Lizenz benötigt werden.

Doch nun ist die Zeit der inflationären Gründungen von Neobanken vorbei. Stattdessen konsolidiert die Branche über Übernahmen (wie Penta und Kontist) oder gar Pleiten (wie Nuri) – und wer eigenständig bleibt, sucht zunehmend Wege in die Unabhängigkeit über eigene Lizenzen (siehe erst dieser Tage unsere Stücke -> Der stille Pivot von Vivid Money sowie -> Kreditkarten-Startup Moss bekommt Bafin-Lizenz).

Zugleich ist bei den “Banking as a Service”-Apologeten eine gewisse Ernüchterung in Bezug auf die klassische Neobank als Kernklientel festzustellen. Motto: Erst müssen die Pentas und Tomorrows und wie sie alle heißen über Jahre hochgepeppelt werden – und entweder haben sie dann immer noch keine kritische Größe erreicht – oder sie entwinden sich, weil sie zu erfolgreich sind und lieber eigene Systeme bauen und/oder Lizenzen beantragen.

Was wiederum auch den jüngsten strategischen Strategieschwenk der Solarisbank erklären könnte, bei der die Losung nun (siehe unsere große Analyse hier) “Weniger Konto, mehr Karte” lautet. Die Erträge sollen stärker aus Transaktionsgeschäft denn aus den Konten kleiner Frontend-Banken kommen. Passend dazu versuchen sich die Berliner mit der Übernahme des ADAC-Kreditkarten-Portfolios ja jetzt an einem völlig neuen Geschäftsfeld – und lassen die hergebrachte Fintech-Klientel spüren, dass diese künftig nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit genießen dürfte.

Wenn es nun aber die klassischen Whitelabel-Banken wie die Wirecard Bank oder den Fintech-Group/Flatex-Vorgänger biw Bank nicht mehr gibt und sich selbst die Solarisbank nach neuen Geschäften umsieht – dann könnte doch wieder Platz für “Baas”-Nischenanbieter frei werden. Etwa für die SWK Bank, die anders als die Solarisbank über ein profitables, klassisches Kerngeschäft verfügt. Abgesehen vom Kerngeschäft mit Konsumentenkrediten sammelt das Bingener Institut auch lebhaft Einlagen ein und betreibt Absatzfinanzierung samt zugehörigem Risikomanagement, alles mit starkem Fokus auf digitale Vertriebswege und B2B-Geschäft. So hat sich die Bilanzsumme der SWK Bank – die übrigens zum Silberwaren-Imperium Fissler gehört – binnen fünf Jahren verdoppelt und wuchs auch 2021 wieder um erstaunliche 44% auf zuletzt 2,2 Mrd. Euro. Dabei blieb trotz hoher Investitionen in das geplante B2B-Geschäft ein Überschuss von 3 Mio. Euro übrig nach 6,6 Mio. Euro im Vorjahr.

Was die neuen Player sich von dem Markt versprechen

Konkurrenz in der “Baas”-Nische gibt es zwar durchaus, siehe diese Tabelle hier …

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Überblick der “Banking-as-a-Service”-Anbieter auf dem deutschen Markt

Anbieter Hauptsitz in… Lizenz Kernbanksystem
Aion Bank Belgien Vollbank Vodeno
Dock Financial Deutschland E-Geld Mambu
Raisin Bank Deutschland Vollbank Mambu
Solarisbank Deutschland Vollbank Eigenes System
Sutor Bank Deutschland Vollbank Pass
Swan Frankreich E-Geld Eigenes System
SWK Bank Deutschland Vollbank Mambu
Treezor Frankreich E-Geld Eigenes System

Quelle: Eigene Recherche aus Unternehmensangaben

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… aber eben außer der Solarisbank keine übermäßig große. Da sind zum Beispiel heimische Player wie die Raisin Bank (siehe -> Raisin bläst mit neuem Core Banking (Mambu) zum Angriff auf Solarisbank) und das einst als Crosscard bekannt gewordene Payment-Fintech Dock Financial (siehe dieser Tage erst -> Dock Financial beteiligt sich an Compeon – und will an dessen Kunden).

Und dann drängt allmählich auch ein bisschen ausländische Konkurrenz nach Deutschland, etwa die französischen Anbieter Swan (siehe hier) und Treezor sowie die hierzulande weitgehend unterm Radar operierende belgische Aion, die aber immerhin die Metro Financial Services zu ihren Kunden zählt (und hinter der sich übrigens das 2019 von Warburg Pincus übernommene Belgien-Geschäft der italienischen Bank Monte dei Paschi verbirgt).

Diese neuen Player wittern das große “BaaS”-Geschäft allerdings nicht mehr bei den jungen Fintechs, sondern in den sogenannten integrierten Finanzdienstleistungen (“Embedded Finance”). Sprich: Sie stellen Zahlungs- und Banking-Dienste für Unternehmen, die eigentlich in ganz anderen Branchen angesiedelt sind – etwa im Handel, in der Telekommunikation oder im Mobility-Bereich. Die SWK Bank sieht ihre Marktchance offenbar zum einen bei anderen Finanzdienstleistern, die aber nicht unbedingt einen Banking-Fokus haben, sowie auch im Handel, der etwa “Buy now, pay later” oder Ratenkäufe anbieten will. Karten und Konto soll es perspektivisch schon auch geben – aber auf Fintechs als Kunden hat man es auch hier offensichtlich nicht abgesehen.

Wichtig, damit die neuen Anbieter mit ihrem neuen Kundenfokus auch tatsächlich einen Vorteil haben, ist nach unserem Verständnis die “Modularität” ihrer Produkte: Da die Kunden aus unterschiedlichen Branchen kommen und nur bestimmte Finanzdienstleistungen brauchen, sollen sie die Kunden die Dienstleistungen nach einer Art Baukasten-Prinzip rauspicken, am besten ohne aufwendige Testphasen und hohe Setup-Gebühren. Das erfordert offenbar wiederum andere Kernbankensysteme – womit sich wiederum für Mambu, bislang eher auf Südamerika, Asien oder Afrika fokussiert, allmählich auch im deutschen Heimatmarkt Chancen auftun. Denn auch das hier sei betont: Soweit wir sehen ist die SKW Bank die erste herkömmliche Bank hierzulande, die auf Mambu setzt.

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