"Produkt & Kunde"-Ticker

Sämtliche „Produkt & Kunde“-News aus dem November 2023

In unserem „Produkt und Kunde“-Ticker beschreiben wir, was sich bei Banken und Fintechs an der Schnittstelle zum Kunden so alles tut. 

Hier unser Ticker für November 2023:

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Wenn beim Smartbroker jeder dritte Kunde eine Karteileiche ist – wie sieht’s dann anderswo aus?

Zugegeben, gemessen an seiner wirtschaftlichen Relevanz nimmt der Smartbroker eine deutlich zu prominente Rolle in unserer Berichterstattung ein (siehe neulich erst –> Das Problem, wenn die eigenen Kunden nicht wirklich die eigenen Kunden sind). Die überproportionale Präsenz kommt allerdings nicht von ungefähr. Schließlich legt der Berliner Retailbroker als börsennotiertes Unternehmen eine Transparenz an den Tag, von der man bei größeren Wettbewerbern wie Trade Republic oder Scalable Capital nicht einmal zu träumen wagt. Heißt: Wer etwas über die Fintech-Branche als Ganzes lernen will – der schaut am besten auf den kleinen Smartbroker: FS Premium

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Kurz getickert

  • Das „Investment as a Service“-Fintech Upvest untermauert seine Stellung als führender Infrastruktur-Anbieter für Challenger-Banken, die ins Brokerage vordringen wollen. Nachdem die Berliner zuletzt bereits Revolut sowie die Raisin Bank als Kunden präsentierten, will nun auch N26 sein lange erwartetes Trading-Produkt mithilfe von Upvest lancieren – und zwar erklärtermaßen im ersten Halbjahr 2024. Mit dem neuen Angebot wollen man das Aktivitäts-Level der Kunden steigern, sagte N26-Chef Valentin Stalf gestern (der Hintergrund, siehe unser heutiger Aufmacher: Mit Konto und Karte allein wächst N26 nur noch leidlich). Entsprechend würden die Gebühren „günstiger als bei anderen Anbietern“ ausfallen.

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Nach dem Boom: Wie Leasing-Anbieter ihr Angebot erweitern und automatisieren

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ING Diba holt den 170-Euro-Neukunden-Hammer raus

Die ING Diba setzt weiterhin auf aggressive Neukunden-Akquise – wechselt nach den diversen Lockzins-Aktionen in der ersten Jahreshälfte aber nunmehr die Strategie. Konkret bietet die größte deutsche Onlinebank seit dieser Woche für die Eröffnung eines Girokontos eine zeitlich limitierte „Kunden werben Kunden“-Prämie in Höhe von insgesamt 170 Euro. Einen Bonus in dieser Größenordnung hat es hierzulande schon seit Jahren nicht mehr gegeben (der letzte prominente Fall, der uns einfällt, war 2016 die Commerzbank mit damals 200 Euro). Die branchenweite Schallmauer lag zuletzt bei um die 50 Euro.

Warum die ING Diba gleich derart aggressiv zu Werke geht, erschließt sich auf den ersten Blick nicht so ganz. Möglich, dass die Oranje-Bank das Tempo hochhalten will, nachdem sie sich ja schon zu Beginn der Zinswende als „First Mover“ etabliert hat. Mag aber auch sein, dass die Frankfurter einfach nur die Muskeln spielen lassen – leisten kann man’s sich ja angesichts einer Cost-Income-Ratio von zuletzt 36%. Zumal: In der aktuellen Zinslage rentieren sich neue Kundenbeziehungen tendenziell schneller als noch während der Niedrigzinsphase. Ein letztes denkbares Motiv: Vielleicht befürchtet die ING Diba auch einfach nur, ohne spektakuläre Marketing-Aktionen das zwischendurch eingemottete, zuletzt aber wieder hervorgeholte 10-Mio.-Kunden-Ziel ein weiteres Mal zu verpassen.

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Kurz getickert

  • Bei der Commerzbank sollen die Mobile-App-Kunden in Zukunft von einem „KI-Avatar“ bedient werden. Dabei handele es sich um einen „virtuellen Assistenten in Form einer digitalisierten Person, die mit den Kunden in natürlicher Sprache interagiert“, wie die Frankfurter mitteilen. Entwickelt werden soll der Avatar mithilfe von Microsoft.
  • Passend zur „Avatar“-News der Commerzbank-Pressestelle hat sich die bekannte Kolumnistin Silke Burmester in ihrem Newsletter  „über die Teufelserfindung des automatisierten Kundentelefons am Beispiel der Commerzbank AG“ ausgelassen – demnach gelang der Kontakt zu einem lebendigen Service-Mitarbeiter erst durch den Satz „Ich möchte eine große Summe Geld anlegen!“ (siehe ihren Linkedin-Post hier)
  • Als unseres Wissens nach zweite hiesige Bank nach N26 baut die DKB das Angebot des britischen Geldtransfer-Fintechs „Wise“ in ihre Produktpalette ein. Anders als bei N26 ist die Funktion bei der BayernLB-Tochter allerdings nicht wirklich in den Online- bzw. Mobile-Kanal integriert. Sondern: Die Kunden werden über einen Affiliate-Link weitergeleitet.
  • Als eine der letzten (oder sogar als die letzte?) kundenstarke deutsche Retailbank hat nun auch die Mönchengladbacher Santander Consumer Bank ihr Produkt-Portfolio um Apple Pay ergänzt. Zur Erinnerung: Zuletzt hatte sich die Postbank ja nach jahrelangem Zögern zu demselben Schritt durchgerungen.
  • Auch die gefühlt letzten Fintechs aus dem Banking und/oder Investment-Bereich führen jetzt irgendwelche Zinsprodukte ein. Zwei Beispiele aus den letzten Wochen: Das „Interest-Rate-Pocket“ genannte neue Unterkonto der Berliner Neobank Vivid Money sowie das neue „Anleihen-Portfolio“ des digitalen Vermögensverwalters Solidvest.
  • Die DWP Bank setzt ihre – zuletzt von mäßigem Erfolg gekennzeichnete – Produktoffensive fort. So will der Wertpapier-Abwickler der beiden Verbünde mithilfe zweier Fintech-Dienstleister (Investify, Dericon) eine „Vermögensverwalter-Plattform“ aufbauen. Ziel: Semi-affluente Endkunden (bis zu 250.000 Euro) von Sparkassen und Volksbanken sollen über den Marktplatz ihre persönliche VV-Lösung finden.
  • Der Genosektor teilt sich in Sachen B2C-Kryptohandel (den die DZ Bank ja künftig offerieren will): Laut einer Umfrage des Genossenschaftsverbands wollen sich 54% der befragten VR-Banken auf Sicht der nächsten zwei Jahre oder sogar eher damit befassen (vor allem die größeren Institute), während 42% angeben, dass das Thema vorerst gar keine Rolle spiele. 4% wollen gar keine Beurteilung abgeben.

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Kontenraub bei der Commerzbank +++ Bank-Verlag im Fokus +++ Riesiger Schaden?

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Dürfen Banken ihre Preise bald wieder nach Gutdünken erhöhen?

In Berlin deutet sich ein Lobby-Erfolg für die Kreditwirtschaft an. Wie das „Handelsblatt“ (Paywall) berichtet, will Justizminister Marco Buschmann (FDP) es Banken und Sparkassen erlauben, ihre Gebühren künftig wieder nach eigenem Ermessen anzuheben – also ohne explizite Zustimmung des Kunden (siehe auch unser Stück –> Zustimmungsfiktion – jetzt soll’s die Politik richten). Der Regelungs-Vorschlag des Ministeriums sieht vor, dass Preiserhöhungen automatisch in Kraft treten, wenn die Verbraucher nicht innerhalb einer bestimmten Frist widersprechen. Das spektakuläre BGH-Gebührenurteil aus dem April 2021 würde damit faktisch ausgehebelt. Wie sich die beiden anderen Regierungsparteien, also SPD und Grüne, zu der Idee verhalten, bleibt freilich abzuwarten. 

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Kurz getickert

  • Von dem großen Datenklau beim Kontowechsel-Dienstleister Majorel waren überwiegend Kunden der Postbank betroffen, berichtet das „Handelsblatt“ (Paywall). Insgesamt hätten die Täter rund 144.000 Datensätze entwendet – wovon etwa 60.000 auf die Postbank entfallen seien. Rechnet man die betroffenen Deutsche-Bank-Kunden (rund 13.000 Datensätze) und Norisbank-Kunden (rund 5.000 Datensätze) hinzu, entfiel sogar mehr als jeder zweite Datenverlust auf den Deutsche-Bank-Konzern. Daneben waren von den hiesigen Banken noch die ING Diba (gut 17.000), die Sparda-Banken und die OLB (jeweils knapp 10.000) sowie die Comdirect und die GLS Bank (jeweils knapp 2.000) involviert.

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Hat Qonto mit der Penta-Übernahme bloß einen Konkurrenten ausgeschaltet?

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Kurz getickert

  • N26 unternimmt einen neuen Anlauf beim Tagesgeld: Nachdem die Berliner ihr gemeinsam mit Raisin lanciertes Zinsprodukt „Easyflex Savings“ Ende 2022 mangels Kundschaft eingestampft hatten (siehe hier), versuchen sie sich nun wieder an einem entsprechenden Angebot. Von den Kampfzinsen anderer Fintech-Player ist die Neobank indes noch weit entfernt – für Neu- und Premiumkunden gilt ein Höchstsatz von 2,6% p.a., Bestandskunden in günstigeren Kontomodellen erhalten zwischen 1,26% und 2,26%.

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Exklusiv: Scalable-„Urteil“ lässt deutsche Banken (ein wenig) aufatmen

Stimmt schon. In der jüngsten Datenaffäre der deutschen Kreditwirtschaft stehen weniger die involvierten Banken im Fokus – konkret: Deutsche Bank, Commerzbank und ING Diba. Sondern ihr gemeinsamer Dienstleister, die Bertelsmann-Tochter Majorel („Kontowechsel24“). Denn, nur nochmal zur Erinnerung: Die sensiblen Kundendaten (Vorname, Nachname, IBAN), die später teilweise im Darknet auftauchten, wurden bei Majorel entwendet. Nicht bei den Banken. Weshalb die Deutsche Bank inzwischen sogar einen Wirtschaftsprüfer beauftragt hat, die Vorfälle bei Majorel in ihrem Namen zu untersuchen. Gleichwohl gilt (und damit kommen wir so langsam zu unserem heutigen Thema): Die betroffenen Endkunden waren zweifellos Kunden der Deutschen Bank, der Commerzbank oder der ING Diba. Und nicht die Kunden von Majorel. Weshalb aus laienjuristischer Sicht das gilt, was auf den berühmten „Betreten der Baustelle verboten“-Schildern meist auch steht: Eltern haften für ihre Kinder. Das würde hier heißen: Banken haften für ihre Dienstleister. Heißt weiter: Sollten sich Kunden durch das Datenleck dermaßen geschädigt fühlen, dass sie meinen, ihnen stehe eine finanzielle Entschädigung zu, dann werden sie ihre Ansprüche im Zweifel nicht an Majorel stellen – sondern an ihre jeweilige Bank. Und das kann für die Institute potenziell teuer werden. Zumal in diesem Fall mit einer angeblich sechsstelligen Zahl betroffener Kunden. Womit wir nun endgültig bei unserem heutigen Thema sind. Denn das, was wir im Fall der drei Banken bis hierhin theoretisch durchdekliniert haben, hat der Münchener Neobroker Scalable Capital nach seinem schweren Datenraub vor drei Jahren am eigenen Leibe erlebt. Und darum dürfte der dieser Tage ergangene Schlussantrag des EuGH-Generalanwalts in der „Causa Scalable“ die deutsche Finanzwirtschaft (ein wenig) aufatmen lassen. Hier die Details – und welche Unsicherheiten bleiben: FS Premium

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Sämtliche „Produkt & Kunde“-News aus dem Oktober 2023

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