Exklusiv

Vanguard steht vor Launch eines deutschen Robo-Angebots

27. Januar 2022

Von Caspar Schlenk

Der Robo-Advisor-Markt boomt zwar nicht – doch dafür ist immer was los. Am Mittwoch sorgte die UBS mit der Übernahme des US-Anbieters Wealthfront (27 Mrd. Dollar AuM) für Aufsehen. Und hierzulande? Steht ein großer Name in den Startlöchern. Denn: Laut Recherchen von Finance Forward und Finanz-Szene.de bereitet der US-Riese Vanguard den Launch eines deutschen Robo-Angebots vor. Die Testphase läuft bereits, bis Ende März soll’s spätestens losgehen. Vanguard ist mit 8.500 Mrd. Dollar nach Blackrock der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt. In den USA kommt allein der eigene Robo auf rund 200 Mrd. Dollar.

Was hat Vanguard nun in Deutschland vor?

Bereits im Sommer 2020 hatte Finance Forward die Deutschland-Pläne von Vanguard enthüllt. Zusammen mit den Beratern von BCG Digital Ventures arbeitete seitdem ein Team an dem neuen Fintech-Projekt. Nun, rund eineinhalb Jahre später, steht der Start kurz bevor. Auf der Website de.vanguard finden sich erste Informationen und die Möglichkeit zur Newsletter-Anmeldung. Außerdem läuft zurzeit eine Pilotphase, in der Vanguard mit ausgewählten Testkunden sein Angebot prüft. Ein Sprecher bestätigt die Informationen, will aber kein konkretes Startdatum nennen. „Wir gehen davon aus, dass der Start im ersten Quartal erfolgen wird“, teilt er mit.

Auch wenn Vanguard nie offen über ein Startdatum gesprochen hat, heißt es von Brancheninsidern, intern sei ein deutlich früherer Termin anvisiert gewesen. Sogar von der ersten Jahreshälfte 2021 war einst die Rede gewesen. Der anvisierte Start verzögerte sich demnach. Man habe sich bewusst Zeit gelassen, um mit einem umfassenden Produkt zu starten, heißt es aus dem Firmenumfeld.

Die anderen Robo-Advisor beobachten genau, was der mächtige Konkurrent macht. Die Hoffnung besteht, dass Vanguard den Markt öffnet, also massentauglicher macht – auch für hiesige Player. Das Kalkül: Die enorme Marketing-Power von Vanguard könnte den Fokus auf vergleichbare Produkte lenken.

Wie das Produkt konkret aussieht, ist bislang unklar. In der Kommunikation nach außen verzichtet Vanguard explizit auf den Begriff Robo Advisor. Es ist von einem „Direct-to-Consumer“-Angebot oder Anlagelösungen die Rede. Möglicherweise können sich die künftigen Vanguard-Kunden ihr ETF-Porfolio stärker selbst zusammenstellen und werden dabei beraten – eine Mischung aus ETF-Sparplan und Robo mithin. Die ING Diba verfolgt beispielsweise einen ähnlichen Ansatz.

Für seine Robo-Pläne hat Vanguard eine umfangreiche Wertpapierhandelsbank-Lizenz beantragt, die von der Bafin bereits im vergangenen Sommer genehmigt wurden. Namhafte Manager wechselten von Ratepay, Solarisbank und Scalable Capital zu dem Projekt. Die Erwartungen an den Vanguard-Robo sind entsprechend hoch.

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