Apobank: Verpatzte IT-Migration wird Ergebnis schwer belasten

27. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Bei der Apobank wird die völlig verpatzte IT-Migration das Ergebnis in diesem Jahr schwer belasten. Das geht aus dem heute Vormittag veröffentlichten Sechsmonats-Bericht des größten deutschen Genossenschaftsinstituts hervor. „IT-Umstellungskosten prägen bis Jahresende den Sachaufwand. Dieser wird deutlich spürbar steigen“, heißt es im Ausblick auf die Ertragslage. In der Folge sei  „temporär von einer deutlich höheren Cost-Income-Ratio auszugehen“. Die Konsequenz: „Per saldo erwarten wir für 2020 ein operatives Ergebnis […], das aufgrund der Sonderbelastung aus IT-Umstellung und Prozessanpassungen deutlich unter dem Niveau von 2019 liegen wird.“

Aus dem Halbjahresbericht geht zudem hervor, dass die Apobank das Ausmaß der Probleme, die aus dem mutmaßlich mehr als 500 Mio. Euro teuren Wechsel des Kernbanken-Anbieters (siehe auch hier) herrühren, immer noch nicht abschließend einschätzen kann. So heißt es an einer Stelle: „Unmittelbar nach der Umstellung auf das neue IT-System gab es unvorhersehbare Probleme, und nicht alle Funktionen des neuen Systems liefen fehlerfrei. Dies hatte eine Vielzahl von Kundennachfragen und -beschwerden im Vertrieb zur Folge. Auch wenn zwischenzeitlich die Einschränkungen im Wesentlichen behoben wurden, können wir nicht vollumfänglich einschätzen, welche Folgen das für die Gewinn- und Verlustrechnung des Gesamtjahres haben wird. Die Migration auf das neue IT-System ist darüber hinaus mit außerplanmäßigen Kostenrisiken für das laufende Geschäftsjahr verbunden, die bei einem derartigen Großprojekt immanent sind.“

In den Halbjahres-Zahlen selber zeigen sich die Folgen der IT-Umstellung dem ersten Anschein nach nur begrenzt. So schreibt die Apobank selbst in ihrer Pressemitteilung zu dem Ergebnis: „Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat im ersten Halbjahr 2020 einen stabilen Jahresüberschuss in Höhe von 32,7 Mio. Euro erwirtschaftet (30.06.2019: 31,9 Mio. Euro). In einem anspruchsvollen Umfeld gelang es der Bank, ihre operativen Erträge zu steigern. Nach wie erwartet höheren Aufwendungen infolge der IT-Migration sowie Vorsorgebildung betrug das Betriebsergebnis vor Steuern 55,6 Mio. Euro (30.06.2019: 60,3 Mio. Euro).“

Zur Erinnerung: Die Apobank hatte im Frühjahr ihren langjährigen IT-Anbieter (nämlich die ebenfalls genossenschaftliche Fiducia & GAD) verlassen und ihre IT-Systeme auf das Kernbanken-System des Schweizer Anbieters Avaloq migriert. Die Folgen der missglückten Umstellung hatte Finanz-Szene.de damals auf Basis einer groß angelegten Recherche nachgezeichnet:

Chronik eines „Projekts“: Wie die Apobank ins Chaos stürzte

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