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Genos hadern mit neuem Online-Banking – altes läuft weiter

Die Umstellung auf das neue Online- und Mobile-Banking im Genosektor dauert länger als geplant. Dem Vernehmen nach ist eine deutlich dreistellige Zahl an Volks- und Raiffeisenbanken noch nicht wirklich glücklich mit dem neuen Angebot – und lässt daher im Privatkundengeschäft das alte Online-Banking weiterhin parallel laufen. Ursprünglich hatten der BVR und die Atruvia (also der zentrale IT-Dienstleister der Genobanken) geplant, die beiden Systeme lediglich bis Jahresende nebeneinander existieren zu lassen, dann aber das alte Angebot abzuschalten. Vor diesem Schritt schrecken nun aber etliche Primärinstitute vorerst zurück, wohl auch, weil sich viele Endkunden bislang nicht haben überzeugen lassen, auf das neue Online-Banking umzuschwenken.

Eine kleine Graswurzel-Recherche von Finanz-Szene zeigt exemplarisch, wo es noch hakt und teilweise auch, woran:

  • Das Ende der Umstellungsphase “wurde nochmals bis zum 08.03.2022 verlängert”, heißt es etwa auf der Seite der VR Bank Ludwigsburg
  • Die Volksbank Allgäu-Oberschwaben hatte die Abschaltung des alten Online-Bankings ursprünglich zum 5. Januar angekündigt, verschob diese dann erst einmal auf den 31. Januar – und lässt den alten Zugang nun ohne weitere Frist weiter offen. Die Begründung deutet auf Störungen im neuen System hin – denn wörtlich teil das Institut seinen Kunden mit: “Sie müssen zu jeder Zeit Ihren Zahlungsverkehr ausführen können! Deshalb stellen wir Ihnen, in Rücksprache mit unserer Rechenzentrale, den alten Zugang noch etwas länger parallel zur Verfügung.”
  • “Bitte beachten Sie, dass noch nicht alle bekannten Funktionen in der neuen Version verfügbar sind. Daher verlängert sich der Parallelbetrieb über den 15.02.2022 hinaus bis zum 15.03.2022”, heißt es derweil bei der Evangelischen Bank
  • Und die PSD Bank Nord will nunmehr bis 31. März im Parallelbetrieb arbeiten. “Wundern Sie sich bitte nicht: Die Übertragungsgeschwindigkeit ist im neuen PSD OnlineBanking noch nicht immer die beste, und es kann gelegentlich zu technischen Problemen kommen.”

Im roten Bereich – Die Sparkassen-Studie von Finanz-Szene.de

Drei von vier Kunden nutzen das neue Online-Banking

Wie viele Banken genau noch immer im Parallelbetrieb arbeiten, ist angesichts der schieren Zahl von gut 800 Genossenschaftsbanken und über 1000 Atruvia-Kunden nicht zu eruieren. Auf Nachfrage teilt eine Sprecherin der Atruvia mit, aktuell nutzten “76% der Bankkunden bereits das neue OnlineBanking”. Man beobachte einen “permanenten Anstieg in der Nutzung der neuen Lösung. Sobald alle Kunden für das neuen OnlineBanking freigeschaltet sind, werden die alten Zugänge sukzessive aus dem Betrieb genommen.”

Der Verweis auf das “Freischalten” deutet darauf hin, dass möglicherweise auch das Onboarding der Kunden momentan Schwierigkeiten machen könnte – ein Probleme, dass viele Banken und Fintechs kennen, etwa die Neobroker während des großen Trading-Booms, als mehr Kunden onboarden wollten als die entsprechenden Dienstleister wie WebID oder IDnow Kapazitäten hatten.

Die Kundenzufriedenheit hält sich, was bei Relaunches freilich nicht ungewöhnlich ist, bislang in Grenzen. Im Apple-Store kommt die von der Atruvia entwickelte Mobile App – eine der meistgenutzten Finanz-Apps überhaupt – aktuell auf einen Bewertungsschnitt von 3,5 Sternen von 5 möglichen Sternen; vor allem “lange Ladezeiten” werden moniert. Zum Vergleich: Die Apps von Commerzbank, Deutsche Bank und Sparkassen kommen aktuell auf einen Schnitt von je 4,7 Sternen, die ING Diba und N26 auf von je 4,8 Sternen. Das ist auch deshalb wichtig, weil nutzerfreundliche Apps dafür sorgen, dass mehr Menschen ihre Bank mobil statt über den Browser (oder gar die Filiale) ansteuern – der mobile Weg ist für Banken der günstigste.

Auf einen fixen Zeitpunkt, wann der Parallelbetrieb spätestens endet, wollte sich die Atruvia-Sprecherin nicht festlegen. Sie gehe davon aus, dass “die Migration in den nächsten Monaten abgeschlossen ist”. Qualität und das “Mitnehmen der Kunden “gehe vor Zeit. Die teilweise Parallelbetrieb gilt nur für das Privatkundengeschäft. Im Firmenkundengeschäft ist die vollständige Umstellung auf das neue Online- und Mobile-Banking bereits seit längerem komplett vollzogen.

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