Kurz gebloggt

Warum die ING ihr Privatkunden-Geschäft in Österreich einstellt

2. März 2021

Von Christian Kirchner

So eine Überraschung: Die ING will kein Geschäft mehr mit Privatkunden in Österreich betreiben und stellt diese Aktivitäten spätestens bis Ende des Jahres ein. Knapp zwei Jahrzehnte war sie damit vor Ort – Aus, vorbei, teilte das Institut gestern mit. Betroffen sind rund 550.000 Kunden (Stand Ende 2020). Nur mit Firmenkunden will die ING in Österreich weiter Geschäfte machen (Wholesale Banking). Bleibt die Frage: Womit haben die Österreicher das verdient?

Zunächst die Fakten: Die österreichische Dependance der ING wird traditionell auch in der Finanzberichterstattung der ING Deutschland erfasst. Die 550.000 Privatkunden aus Österreich sind in deren 9,5 Millionen Kunden enthalten (und werden dort natürlich künftig fehlen). Konkret ist die ING Deutschland GmbH die Mutter der Konzerntöchter ING DiBa AG, Interhyp sowie weiterer Gesellschaften. Hauptsitz der ING-Diba ist Frankfurt am Main, die ING-Diba Austria agiert nur als Zweigniederlassung mit Sitz in Wien. Per Ende 2019 zählte die österreichische Dependance 318 Mitarbeiter, deutlich mehr als ein Jahr zuvor (als es noch 236 waren).

Wahrscheinlich war das Geschäft „too little & too late“: Als die ING 2003 in Österreich startete, bestand ihr Angebot zunächst nur aus Sparen, Krediten und Direkt-Depots mit Fonds. Erst 2016 wurde es um Girokonten erweitert. Dies kam spät, offenbar zu spät, um für mehr Masse zu sorgen. Und dann folgte kürzlich auch noch der strategische Schwenk der ING: Statt immer mehr neue Kunden zu gewinnen will die Bank künftig die Beziehung mit den Bestandskunden ausbauen und profitabler gestalten (siehe bzw. höre auch unser Podcast mit Nick Jue). Man stoße „als relativ kleiner Akteur in einem gesättigten Markt an Wachstumsgrenzen“, sagte Barbaros Uygun, CEO der ING in Österreich, gestern zur Entscheidung.

Nur jeder zehnte österreichische Kunde ist „Hausbankkunde“

Von den 550.000 Kunden zählt die ING nur 50.000 als „Hausbankkunden“. Das sind jene Kunden, die neben dem Girokonto mit regelmäßigem Geldeingang mindestens ein weiteres Produkt der Bank nutzen und damit tendenziell Erträge und Gewinn stärken. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Zahl der Hausbankkunden nach Angaben der Bank 2,1 Millionen. Mithin zählt knapp jeder vierte der rund 9 Millionen Kunden in Deutschland als „Hausbankkunde“, in Österreich ist es hingegen nur jede zehnte.

Im Retail-Produktangebot der ING Austria (Ratenkredite, Dispositionskredit des Girokontos, Baufinanzierungen) erzielte man 2019 laut dem damaligen Geschäftsbericht denn auch nur ein Geschäftsvolumen von 472 Mio. Euro, das sind gerade einmal 0,26 Prozent der Bilanzsumme der ING Deutschland insgesamt. Unterm Strich einfach zu wenig.

In einem ersten Schritt will die ING sich von reinen Sparkunden trennen. Für die übrigen Kunden sucht das Haus noch nach Alternativen zu einer simplen Schließung. Eine Möglichkeit: der Verkauf des österreichischen Privatkundengeschäfts.

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