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Warum sich der Trading-Boom 2021 sogar noch verstärken könnte

18. Januar 2021

Von Hakan Özal*

Das Thema Wertpapierhandel hat während der Pandemie bekanntlich eine Renaissance erlebt – und das nicht nur in Deutschland. Wir werden Zeugen eines globalen Aktien-Booms (oder vielleicht auch eher: Hypes), der das Sparverhalten auch vieler Deutschen nachhaltig verändern könnte, siehe den Google-Trends-Chart weiter unten.

Laut gleichlautenden Aussagen der Consorsbank und von Flatex lag das Trading-Aufkommen in den vergangenen Monaten mehr als doppelt so hoch wie im langfristigen Durchschnitt. Auch die Handelsaktivität pro Kunde hat stark zugelegt. Beispielsweise nennt Consorsbank hier folgende Werte: Anstieg 7,2 Trades pro Kunde in 2019 versus 13,5 in 2020.

Während im vergangenen Frühjahr zum Teil noch die Annahme vorherrschte, es handele sich um ein vorübergehendes Phänomen (infolge der seinerzeit extrem hohen Marktvolatilität), haben sich die extrem hohen Handelsumsätze mittlerweile verstetigt. Und immer klarer wird: Hinter dem vermeintlichen Corona-Boom stecken tiefergehende Entwicklungen.

Alles begann mit den Neobrokern, vor allem Robinhood aus den USA. Laut jüngsten Zahlen kommt das Fintech auf 13 Mio. Kunden, verwaltet rund 20 Mrd. US-Dollar Anlagevolumen und wird von den eigenen Investoren mit über 11 Mrd. US-Dollar bewertet. Vor allem aber: Robinhood hat es mit seinem „Comission free“-Ansatz geschafft, die etablierten Broker derart unter Druck zu setzen, dass bereits Ende 2019 alle großen Player in den USA ihre Handelsgebühren auf null Dollar gesetzt hatten.

Auch in Deutschland kommen nun die Neobroker, natürlich Trade Republic, aber auch andere Anbieter wie Smartbroker, Justtrade, Gratisbroker oder der Scalable-Broker. Den Mittelpunkt des Geschäftsmodells bildet der gebührenfreie oder zumindest -reduzierte Wertpapierhandel im Fokus. Die Orders der Kunden werden dabei hauptsächlich über Direkthandelsplätze wie Tradegate, Lang & Schwarz oder Gettex geleitet. So haben diese Handelsplätze eine wahre Revolution erlebt, ähnlich wie ihre eigenen Aktienkurse.

Doch wird dieser Trend anhalten? Hier meine Prognosen für 2021:

1.) Es wird zu signifikanten Gebührenreduktionen auch bei etablierten Brokern kommen

In Deutschland liegt die durchschnittliche Ordergebühr bei den etablierten, großen Online-Brokern über eine reguläre Börse seit Jahren grob bei ca. 15 Euro je 5.000 Euro Volumen-Order (bei Filialbanken übrigens sind es eher 30 Euro). Hier greifen nun die Neobroker mit bis zu null Euro pro Order an – ein Vorgehen, das den gesamten Markt von Grund auf verändert. Auch bei etablierten Banken wird es früher oder später zu signifikanten Gebührenreduktionen kommen.

2.) Tradegate wird Xetra weitere Marktanteile abjagen

Eine weitere Folge des Trading-Booms: Die vielleicht größten Profiteure sind die Marktplätze hinter den Neobrokern. Schon jetzt werden bei manchen ausländischen Aktien wie Apple oft mehr Stücke über Tradegate als über Xetra gehandelt (wie Finanz-Szene.de jüngst nachwies). Kaum etwas spricht dagegen, dass sich dieser Trend in diesem Jahr umkehren könnte. Im Gegenteil.

3.) Der Trading-Boom wird nicht abflauen, sondern zunehmen

Vorbei die Zeiten, in denen sich Privatkunden bei Fintechs eher zurückgehalten haben. Die Neobroker kommen zu einer Zeit, in der die „Brand“ nicht mehr wichtiger ist als der Preis, wie wir an der Akzeptanz der neuen Anbieter sehen. Die Neobroker erreichen weit höhere Neukundenzahlen und vor allem auch Conversion Rates als ihre etablierten Gegenspieler. Zudem fällt der (mittlerweile vollautomatisierte) Wechsel des Brokers vielen Kunden leichter als der Wechsel des Girokontos.

2019 lag die Zahl der in Deutschland verwalteten Wertpapierdepots bei rund 24 Millionen. Die Tendenz war eher fallend. 2020 hat sich das Blatt gewendet, die Nachfrage nach Online-Wertpapierdepots steigt und steigt – so verzeichneten wir in unserem financeAds-Netzwerk im Jahresvergleich ein Plus von mehr als 100%. In den vergangenen Wochen hat sich diese Entwicklung sogar noch einmal beschleunigt, wir haben um den Jahreswechsel herum und auch jetzt eine weiter steigende Nachfrage nach Depot-Eröffnungen beobachtet – ein Trend, der durch diverse unserer Brokerage-Partner bestätigt wird.

Blickt man auch einmal auf eine ganz simple Metrik wie dem Google-Trend nach dem Suchbegriff „Aktien“, zeigt sich: Das Interesse an Aktien ist aktuell größer selbst als auf dem Höhepunkt der Marktturbulenzen im vergangenen Frühjahr und auf einem Mehrjahreshoch.

 

4.) Nicht ausgeschlossen, dass in diesem Jahr brutto 3 Mio (!) neue Wertpapier-Depots eröffnet werden

Laut „Handelsblatt“ wurden letztes Jahr 1,5 Mio. neue Wertpapierdepots bei Online-Brokern und Neobrokern eröffnet. Sollte sich die Entwicklung tatsächlich weiter beschleunigen (und genau das zeichnet sich ab, wie wir an aktuellen Zahlen in unserem Afiliate-Netzwerk sehen), dann könnten in diesem Jahr weit über 3 Mio. neue Online-Wertpapierdepots in Deutschland eröffnet werden – und das Sparverhalten in Aktien & ETFs entsprechend signifikant ansteigen.

Die Gründe für das steigende Interesse an Wertpapieren sind leicht zusammengetragen:

  • Weiter fallende Zinsen auf risikolose Geldanlagen wie Tages- & Festgeld
  • Strafzinsen auf Bankguthaben und das mittlerweile ab dem ersten Euro bei einigen Banken
  • Das passende Umfeld, sich mit dem Thema Börse zu beschäftigen (Lockdown, volatile Aktienkurse, etc.)
  • Steigende Attraktivität von ETFs & Wertpapier-Sparplänen
  • Social Media und die Empfehlungen der Finanz-Influencer auf YouTube & Co.
  • Der leichtere & kostengünstige Zugang dank Neo- & Online-Brokern

Das alles setzt natürlich voraus, dass die Aktienmärkte weiterhin boomen – denn ein Crash könnte alles verändern. Meine persönliche Prognose für das Börsenjahr übrigens lautet (wenn ich das im Stil eine Aktien-Analysten einfach mal so sagen darf …): DAX auf über 16.000 Punkten.


* Hakan Özal ist Geschäftsführer von financeAds, dem führenden Premium Affiliate Netzwerk für Banken, Versicherungen und Fintechs in Europa.

financeAds gehört zu den „Premium-Partnern“ von Finanz-Szene.de. Mehr zum Partner-Modell erfahren Sie hier.

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