Rückblick (#3)

Was während unserer Pause im „Digital Banking“ passiert ist

4. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Im dritten Teil unseres Sommerpausen-Rückblicks fassen wir heute die Ereignisse aus unserer Rubrik „Digital Banking“ zusammen. Inhaltsverzeichnis: Das IT-Debakel der Commerzbank +++ Die IT-Panne der Comdirect +++ Das zumindest klanglich an „TEO“ gemahnende „Pia“-Projekt der PSD Banken +++ Einmal „Buba/Machine Learning“ und einmal „Buba/IT-Mängel“ +++ Zweimal ING Diba +++ Und je einmal Baader und Hypoport

Auf geht’s:

Die Commerzbank hat sich bei einem ihrer wichtigsten IT-Großprojekte blamiert. Nach zahlreichen Pannen gab die Frankfurter Großbank im Juli bekannt, die geplante Auslagerung der Wertpapierabwicklung an die britische Großbank HSBC abzublasen. Kostenpunkt: rund 200 Mio. Euro, die nun in einer Sonderabschreibung das Q2-Ergebnis belasten werden. IT-Vorstand Jörg Hessenmüller, der zumindest mittelbar für das Projekt verantwortlich zeichnete, darf seinen Posten erst einmal behalten, muss fürderhin allerdings als angeschlagen gelten.

Bleiben wir bei der Coba, wechseln allerdings zur Direktbank-Einheit nach Quickborn. Bei der Comdirect hat es nämlich Mitte Juli (genauer: es handelte sich um den 12. des Monats) eine veritable IT-Panne. Nach einem offenbar missglückten Release-Update blieb Kunden der der Zugriff auf ihre Konto- und Depotübersicht versagt. Und noch schlimmer: In einzelnen Fällen konnten Kunden die Kontodaten anderer Kunden einsehen. Tssssss.

Die PSD Banken (nicht zu verwechseln mit den Sparda-Banken) haben auf ihrer Sommer-PK das neue Feature „Pia“ (nicht zu mit der Sparda-App „TEO“) vorgestellt. Die Abkürzung steht für „Persönliche Immobilien-Assistentin“, und wenn wir es richtig verstehen, soll „Pia“ zu einer digitalen Plattform werden, über die die PSD-Kunden mit Expertise rund um die private Immobilie versorgt werden. Schau’n mer mal, ob das was wird.

Die ING hat ihr bislang von der deutschen Direktbank-Tochter betreutes Österreich-Geschäft an die dortige Post (bzw. an die Bank99, das ist eine Tochter der Österreichischen Post …) veräußert. Damit verschwinden – kleiner Nebeneffekt – gut 500.000 Kunden aus der Kundenstatistik der ING Deutschland (siehe unsere damalige Analyse hier).

Und wo wir schon mal in Österreich sind: Die Bawag hat der BNP Paribas deren austriakischen Onlinebroker „Hello Bank“ abgekauft. Kunden? Rund 80.000. Assets? Rund 8 Mrd. Euro.

Und wo wir schon mal bei der ING Diba waren: Die größte deutsche Direktbank hat die Marke von einer Million aktiven Wertpapier-Sparplänen geknackt – eine Verdopplung binnen zwölf Monaten.

Bafin und Bundesbank haben im Juli ein gemeinsames Konsultationspapier vorgelegt, in dem es um den konkreten Einsatz von maschinellem Lernen  in Risikomodellen der Säulen I und II der Regelwerke für Banken und Versicherer. Den ein oder anderen von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dürfte das interessieren. Hier finden sich alle wichtigen Infos: Bundesbank-Website 

Und das nächste „Apropos“: Wie wir der „Börsen-Zeitung“ (Paywall) entnehmen, hat die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht auf IT-Mängel bei ihren bankgeschäftlichen Prüfungen hingewiesen. Bei mehr als 2.000 Inspektionen seit 2010 habe „fast jede zweite Prüfung wesentliche Mängel im Risikomanagement“ ergeben – davon 15 % bei IT-Themen, vor allem im Management von Informationsrisiken, im Auslagerungsmanagement sowie in der Informationssicherheit.

Und noch die Q2-Zahlen der Berliner Kreditplattform Hypoport: Umsatz um 18 % rauf auf 105 Mio. Euro, das Ebit um 49 % rauf 10 Mio. Euro.

Und der Brokerage-Dienstleister Baader? Erträge im ersten Halbjahr um 21% rauf auf 136 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern um 80% rauf auf 44 Mio. Euro.

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