Kurz gebloggt

Wie der Gewinn von Tradegate regelrecht explodierte

15. September 2020

Von Christian Kirchner

Die heftigen Trading-Aktivitäten von Privatanlegern während der Corona-Pandemie und der Boom der sogenannten Gratis-Broker haben der Wertpapierhandelsbank Tradegate einen massiven Gewinnschub beschert. Sowohl das operative Ergebnis als auch der Jahresüberschuss haben sich gegenüber dem ersten Halbjahr mehr als versechsfacht. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Halbjahresbericht hervor.

Die Tradegate AG ist ein Gemeinschaftsunternehmen in Händen der Berliner Effektengesellschaft (56% Anteil), BNP Paribas (20%) sowie der Deutschen Börse (20%) und betreibt den in Deutschland führenden elektronischen Handelsplatz Tradegate, der für diverse Neobroker, aber auch klassische Banken und Online-Broker den außerbörslichen Handel mit Aktien, Anleihen, ETFs und Fonds anbietet.

Hier die Entwicklung der vergangenen fünf Halbjahre im Überblick:

Die Entwicklung ist auch insofern bemerkenswert, als die Ergebnisse zuletzt eher gen null tendiert hatten – siehe obige Grafik. Dafür hatte Tradegate noch im Geschäftsbericht 2019 in ungewöhnlich scharfem Ton die Wettbewerbssituation verantwortlich gemacht und auf die Rivalen geschossen:

„Es herrscht nach wie vor ein hoher Wettbewerbsdruck unter den verbliebenen Wertpapierhandelsfirmen und Handelsplattformen bzw. Börsen um insgesamt zu wenige Geschäfte. Der Wettbewerbsdruck hat (…)  wieder zu einem Rückgang der erzielbaren Brutto- bzw. Nettomargen geführt. Die dringend benötigte weitere Marktbereinigung, die den letztlich verbleibenden Gesellschaften auch langfristig einen profitablen Geschäftsbetrieb ermöglichen würde, ist im letzten Jahr wiederum nicht eingetreten. Tatsächlich wird das (…) Geschäftsmodell (….) auch von drei anderen Wettbewerbsbörsen weitgehend imitiert und versucht, verloren gegangene Marktanteile zurückzugewinnen, ohne dass diese neuen Wettbewerbsplattformen bislang signifikante Umsätze vermelden konnten.“

Wen Tradegate damit meint: die konkurrierenden elektronischen Handelsplattformen Gettex, L&S Exchange sowie Quotrix, die allesamt ebenfalls Geschäftsbeziehungen zu klassischen Brokern wie der ING oder Comdirect, aber auch zu Neobrokern wie Trade Republic und Gratisbroker unterhalten und dabei um die Weiterleitung von Endkundenorder buhlen. Nach eigenen Angaben kommt Tradegate bei Aktien auf rund 80% aller außerbörslichen Umsätze in Deutschland, bei ETFs auf rund 70% (siehe Seite 11 hier).

Doch auch diese Sachlage hat sich durch die Corona-bedingte Explosion der Handelsvolumina geändert: „Die enormen Umsatzanstiege im Aktienhandel sind natürlich auch allen Wettbewerbern der Gesellschaft zu Gute gekommen und erlaubt nun mehreren Börsen, Handelsplattformen und Finanzdienstleistern einen profitablen Geschäftsbetrieb, sodass mittelfristig keine weitere Marktkonsolidierung zu erwarten ist“, heißt es im Halbjahresbericht.

Dass bei der Tradegate AG als Marktführer der Gewinn (nach allen Aufwendungen) explodiert ist, ist auch ein starkes Indiz, dass bei den Neobrokern im ersten Halbjahr massive Rückvergütungen eingegangen sein dürften – was auch das damals überraschend hohe Funding von Trade Republic im Nachhinein plausibel macht.

Die sieben Lehren aus dem Mega-Funding für Trade Republic

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