Exklusiv

Wo die Asset-Explosion beim Geno-Robo wirklich herkommt

20. Juni 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Jüngst hatten wir Ihnen ja erzählt, dass beim Volksbanken-Robo Visualvest das betreute Anlagevermögen geradezu explodiert, zuletzt von 1 Mrd. Euro auf 2 Mrd. Euro binnen nur dreieinhalb Monaten. Etwas schwammig blieb dagegen: Wo genau kommen die Gelder her, wie ist die Explosion zu erklären? Zumal es den Geno-Robo ja in verschiedenen Ausprägungen gibt …

  • Einmal als Direktprodukt unter eigenem Namen
  • Dann bei vielen Volks- und Raiffeisenbanken als Whitelabel-Produkt vor allem unter dem Namen „MeinInvest“
  • Und schließlich auch in einer bei den meisten Genobanken „VermögenPlus“ genannten Variante, die zwar technisch auf der Robo-Plattform basiert, bei der man aber darüber streiten kann, ob es sich wirklich um ein Robo-Advisory-Produkt handelt …

… jedenfalls: Wie das Leben manchmal so spielt, sind uns dieser Tage (auch für uns selber überraschend) interne Zahlen aus dem Umfeld der Union Investment zugespielt worden. Also aus dem Umfeld des genossenschaftlichen Fondsdienstleisters, der auch hinter der Visualvest GmbH steht.

Diese Zahlen besagen nun, dass per Ende März allein auf die „VermögenPlus“-Variante satte 1,6 Mrd. Euro entfallen sind.* Berücksichtigt man die Wachstumsdynamik der vergangenen Monate, dann dürften die „VermögenPlus“-Assets per Mitte/Ende April (als die Visualvest-Assets insgesamt die 2-Mrd.-Euro-Marke knackten) bei etwa 1,75 Mrd. bis 1,80 Mrd. Euro gelegen haben. Das wiederum passt gut zu den Zahlen, die uns wiederum zum „MeinInvest“ (also zur zweiten der drei Spielarten) vorliegen. Da nämlich sollen es per Ende März rund 160 Mio. Euro gewesen sein. Nimmt man nun noch die Zahlen hinzu, die zum eigentlichen Direktprodukt „Visualvest“ kursieren (in einer Fondsconsult-Erhebung war jüngst von „schätzungsweise 50 Mio. Euro“ die Rede), dann ergibt sich ein ziemlich stimmiges Bild, was die Zusammensetzung der Mitte/Ende April erreichten 2 Mrd. Euro angeht:

  • Visualvest: 50-75 Mio. Euro
  • MeinInvest: ≤175 Mio. Euro
  • VermögenPlus: ≥1,750 Mio. Euro

Leute, die sich im Fondsgeschäft auskennen, argumentieren nun: Auch wenn „VermögenPlus“ auf der technischen Plattform von Visualvest basiert, so handele es sich dennoch nicht um ein Robo-Advisor-Produkt. Sondern: um eine zwar technologiebasierte, ansonsten aber klassische Fondsvermögensverwaltung, die übrigens auch nicht digital, sondern rein stationär vertrieben werde. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Beschreibung, die wir auf der Website einer der vertreibenden Volks- und Raiffeisenbanken gefunden haben:

„VermögenPlus basiert auf der gleichen Plattform wie MeinInvest, ist aber kein Robo-Advisory-Produkt, sondern eine klassische Vermögensverwaltung in Investmentfonds und vorerst ausschließlich stationär bei der Genossenschaftsbank vor Ort abzuschließen.“

Dabei scheint es so zu sein, dass sich die „VermögenPlus“-Variante nicht nur dem Wesen nach, sondern auch dem Geist nach von einem Robo Advisor deutlich unterscheidet. Denn: Ein Robo Advisor ist ja der Idee oder wenigstens dem Klischee zufolge ein günstiges, auf ETFs basierendes Angebot. Der „VermögenPlus-„Variante hingegen (so jedenfalls geht es aus einer Produktbeschreibung hervor) besteht je nach Risikoneigung des Anlegers zu 25% oder gar 35% aus einem klassischen Union-Investment-Fonds, nämlich dem sogenannten „UniMultiAsset Exklusiv“ …

… Ohne das alles jetzt bis in den allerhintersten Winkel ausleuchten zu wollen, Sie merken ja, worauf es hinauszulaufen scheint, liebe Leserinnen und Leser:

„VermögenPlus“ dürfte letzten Endes eine Variante sein, die sich gebührentechnisch so gestalten lässt, dass am Ende sowohl für die Union Investment als auch für die vertreibende Bank deutlich mehr herauskommt, also das bei einem reinen Robo-Produkt der Fall ist (so ähnlich war das ja auch, siehe nochmal unseren Artikel von Anfang Mai, bei der sehr speziellen GLS-Bank-Variante des Visualvest-Robos …).

Wobei das alles den 2-Mrd.-Euro-Coup ja nicht unbedingt entwertet. Im Gegenteil: Aus Anbietersicht macht es die Assets fast noch wertvoller.


*Anm. Montag, 7.43 Uhr: In der ursprünglichen Fassung befand sich an dieser Stelle noch eine falsche, von uns aber versehentlich vor der Veröffentlichhung nicht mehr eliminierte Schätzung, auf wie viele Depots sich die 1,6 Mrd. Euro verteilen könnten. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Beim Volksbank-Robo Visualvest explodieren die Assets

 

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