Kurz gebloggt

Zwischen Kicken und Kickbacks: Flatex geht so richtig steil

13. Juli 2020

Von Christian Kirchner

Was ist eigentlich in den Frankfurter Online-Broker Flatex gefahren? Die wohlmeinende Lesart lautet: Flatex stößt aktuell in neue Dimensionen vor, und zwar operativ wie auch an der Börse. Die nicht ganz so wohlmeinende: Kann es sein, dass die frühere „Fintech Group“ ein paar leistungsfördernde Stimulanzien genommen hat (und stimmen können freilich beide Lesarten gleichzeitig)? Fassen wir mal zusammen, was genau los ist am Frankfurter Westhafen:

  • Die Flatex-Aktie hat seit Jahresbeginn um bis zu 92% (!) zugelegt und notiert „Year to date“  immer noch 61% im Plus bei 39,50 Euro. Die Gründe? Beim Kauf des Online-Brokers Degiro bewies Flatex gutes Timing. Und: Die Menschen zocken seit Corona wie verrückt (mit der Folge, dass Flatex und Degiro pro forma im ersten Halbjahr deutlich mehr Transaktionen abgewickelt haben als im gesamten Vorjahr) Entsprechend rechnet Flatex (inkl. Degiro) bis Jahresende jetzt mit 50 Mio. Transaktionen und mehr als 1,2 Mio. Kunde. Bislang war der Ausblick: 1,0 Mio. Kunden und 35 Mio. Trades.
  • Zur Sache geht es bei Flatex aber nicht nur bei den Einnahmen, sondern auch bei den Ausgaben. Der Online-Broker wird ab der nächsten Saison Trikot- und Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach (übrigens anstelle der Postbank). Für angebliche 10 Mio. Euro, so die „Rheinischen Post“. Zur Einordnung: Das Ebit von Flatex lag 2019 gerade mal bei 25 Mio. Euro.
  • Vorvergangene Woche gaben die beiden Flatex-Großaktionäre „Gesellschaft für Börsenkommunikation“ (also Bernd Förtsch) und Heliad Equity Partners bekannt, im Rahmen einer Privatplatzierung fast 12% aller ausstehenden Flatex-Aktien zu verkaufen – eine Transaktion, die übrigens auch für den Heliad-und-Fintech-Investor Finlab von Bedeutung ist (zu den etwas komplizierten Besitzverhältnissen hier mehr).
  • Quasi nebenher ließ CEO Frank Niehage auf der PK zum Fußball-Sponsoring laut dem Nebenwerte-Portal „Börsengeflüster“ folgende Information fallen: Flatex sei einer der größten Player im Fußball-Finanzierungsgeschäft überhaupt und schon seit Jahren in Spieler-Transfers und anderen Geschäften rund um den Fußball involviert.Tatsächlich offenbart auch der 2019er-Geschäftsbericht, die Erhöhung der langfristigen Kredite an Kunden sei „im Wesentlichen auf die Ausweitung der ausfallbesicherten Fußballclub-Finanzierungen zurückzuführen“ sei. Insgesamt hat Flatex das entsprechende Exposure zum Vorjahr mehr als verdoppelt, es betrug per 31. Dezember: 147,7 Mio. Euro.
  • Ebenfalls nebenher hat Flatex Anfang Juli eine Anpassung seines Geschäftsmodells vorgenommen, wie zahlreiche Nutzer auf Social-Media-Kanälen dokumentiert habe. Wesentliches Element der Veränderungen: Der Broker streicht seinen Kunden die Zahl der Börsenplätze zusammen: Wo Flatex einen außerbörslichen Handel anbietet, können Kunden nicht länger den klassischen Börsenhandel nutzen. Das gilt z.B. für Frankfurt, Stuttgart und München. Hintergrund: Offenbar will Flatex möglichst viel Geschäft dahin umlenken, wo es für die Broker Rückvergütungen („Kickbacks“) gibt. Die Börse Frankfurter nahm den Schritt zum Anlass, sich in giftigem Ton in eine Diskussion unter Privatanlegern auf Twitter einzuschalten: „Schade, dass die guten Preise vom Frankfurter Parkett nicht mehr allen Anlegern zugänglich sind (…). Wir zahlen aber auch keine Kickbacks so wie andere Plattformen. Wie die wieder rein kommen? Das kann sich jede*r selbst denken.“ (Twitter)
  • Und dann am Freitag auch noch das: Eine Serie von Pflichtveröffentlichungen förderte zu Tage, dass Vorstand und Aufsichtsrat im Zuge eines vor Jahren gewährten Options-Programms insgesamt 267.000 Aktien im Wert von 11,4 Mio. Euro verkauft haben. Auch nicht schlecht.

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