Exklusiv

22 Mio. Euro und neue Investoren für Finleap Connect

17. Juni 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Caspar Schlenk

Lange Zeit war es ruhig um Finleap Connect – nun allerdings setzt das ambitionierte Berliner B2B-Fintech ein Ausrufezeichen: Laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de und Finance Forward hat der 2019 aus dem Zusammenschluss von Figo und Finreach hervorgegangene Open-Banking-Spezialist bei Investoren sehr ordentliche 22 Mio. Euro eingesammelt. Das ist das dritthöchste Funding für ein deutsches B2B-Fintech in diesem Jahr, deutlich hinter Mambu (110 Mio. Euro), knapp hinter Elinvar (25 Mio. Euro).

Fast noch wichtiger als die Summe: Seit der Fusion war Finleap Connect komplett vom Mutterunternehmen Finleap finanziert worden. Nun indes beteiligen sich erstmals auch wieder externe Investoren an der Firma, nämlich der Softbank-Ableger SBI Investments und der aufstrebende VC Ilavska Vuillermoz Capital. Wäre es anders gewesen, hätte irgendwann der Eindruck aufkommen können, Finleap Connect sei in erster Linie ein Anhängsel von Finleap und wecke bei anderen Investoren keine hinreichende Fantasie. Diesem Verdacht brauchen sich die Berliner nun nicht mehr auszusetzen.

Die Bewertung liegt offiziellen Angaben zufolge im „dreistelligen Millionenbereich“ – wobei man plausiblerweise von einer Taxierung irgendwo zwischen 100 Mio. und 150 Mio. Euro ausgehen sollte. Würden die Investoren das Unternehmen deutlich höher veranschlagen, dann wäre unter normalen Umständen auch das Funding umfangreicher ausgefallen. Gleichwohl: Lässt man den Anfang des Jahres zum Unicorn aufgestiegenen Kernbank-Spezialisten Mambu und die zuletzt mit rund 320 Mio. Euro taxierte Solarisbank außen vor, dann gehört Finleap Connect durch die Finanzierungsrunde nun zu den höchstbewerteten reinen B2B-Fintechs.

In einer grob vergleichbaren Liga dürften ansonsten nur der API-Spezialist Fintecsystems (jüngst für mutmaßlich rund 120 Mio. Euro verkauft), Elinvar (beim jüngsten Funding mutmaßlich im hohen zweistelligen Millionenbereich bewertet) sowie die KYC-Spezialisten IDnow und WebID spielen. Wobei: Irgendwen haben wir jetzt bestimmt wieder vergessen. Täte uns leid!

So viel Umsatz (und Verlust) macht Finleap Connect

Finleap Connect beschäftigt gut 150 Mitarbeiter, zählt nach eigenen Angaben mehr als 350 Kunden und bezeichnet sich selbst als „Full Stack“-Plattform für Open-Banking-Dienstleistungen. Der Kern der Produktpalette leitet sich aus der alten Figo (einem API-Spezialisten) und der alten Finreach (im Kern ein Kontowechsel-Spezialis) ab – also jener beiden Unternehmen, die zu Finleap Connect verschmolzen waren.

Im Gegensatz zu anderen hiesigen B2B-Fintechs hatte sich die heutige Finleap Connect frühzeitig ins europäische Ausland gewagt. Konkret: Die Berliner sind mit jeweils eigenen General Managern in Frankreich, Italien und Spanien aktiv. Laut dem kürzlich im Bundesanzeiger veröffentlichten 2019er-Geschäftsbericht kamen seinerzeit allerdings noch 91% der Provisionserträge aus dem Inland.

Alles in allem summierten sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 auf 4,9 Mio. Euro (zum Vergleich: Fintecsystems kam im gleichen Jahr mit allerdings kleinerer Produktpalette und weniger Mitarbeitern auf 3,2 Mio. Euro, der zur Schufa gehörende API-Spezialist Finapi auf 3,8 Mio. Euro). Für 2020 ging Finleap Connect dem 2019er-Abschluss zufolge von einem „wesentlich gesteigerten Umsatzwachstum“ aus; zu Erträgen im zweistelligen Millionenbereich hat es dem Vernehmen nach allerdings noch nicht gereicht. Der Jahresfehlbetrag lag 2019 bei 8,1 Mio. Euro und dürfte 2020 zumindest nicht viel niedriger gewesen sein; auch vor diesem Hintergrund dürften die nun eingeworbenen 22 Mio. Euro gelegen kommen.

Mithilfe der frischen Mittel will Finleap Connect die internationale Expansion vorantreiben und die Produktpalette verbreitern. Wichtigster Konkurrent in den kontinentaleuropäischen Märkten dürften die deutliche höher finanzierten Schweden von Tink sein (das sind die, die jüngst Fintecsystems übernommen hatten); weitere namhafte nicht-deutsche Wettbewerber sind Plaid, Yapily und Truelayer. Die letztgenannten sind allerdings stärker im Payment-Bereich verankert sind, während der Fokus von Finleap Connect eher auf bankennahen „Value-added Services“ liegt. Sprich: auf Themen wie Kredit-Scoring, Kontowechsel, KYC und so weiter.

FintecSystems verkauft sich an Open-Banking-Riesen Tink

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing