Kurz gebloggt

Bitwala verschickt Steuer-Bescheinigung über 823 Mio. Euro

15. April 2021

Von Christian Kirchner

Mit dem Eingang der Jahressteuer-Bescheinigungen ist das für Anleger so eine Sache. Spaß macht es keinen, sich durch die seitenlangen Dokumente zu wühlen. Einerseits. Andererseits kann man froh sein, überhaupt eine entsprechende Bescheinigung zu bekommen. Denn viele Banken schludern dabei gerne mal. Dass heißt: Statt zu Beginn des neuen Jahres schicken sie diese erst viele Monate später. Oder sie haben schlicht falsche Angaben darin. Schlimmstenfalls beides.

Auch für einen Finanz-Szene.de-Leser und Kunden der Krypto-Bank Bitwala war die Zustellung der Jahressteuer-Bescheinigung vergangene Woche ein, nun ja, spezielles Erlebnis. „Sämtliche steuerpflichtige Einkünfte“ des Kunden – so jedenfalls stellte es das Berliner Fintech dar – beliefen sich nämlich addiert auf: 823.397.882 Euro und 91 Cent.  „Einzutragen in Anlage SO – Zeile 8“, wie es in dem Schreiben heißt.

Und weil Usability und Convenience bei Fintechs nun mal Trumpf sind, gab es für den Kunden nicht nur eine Übersicht und eine Ausfüllhilfe, sondern gleich die vorgefertigte „Anlage SO“ im typischen maschinenlesbaren Steuererklärungs-Style zum Ausdrucken dazu. Dort fehlten zwar noch Name und Steuernummer. Aber die steuerpflichtigen Leistungen, die angeblich aus dem „Verleih von Kryptowährungen“ stammten, waren vorausgefüllt. Also die gut 800 Mio. Euro. Einigen anderen Kunden übrigens soll es dem Vernehmen nach ähnlich gegangen sein.

Nun sind Fehlerchen in den Steuerbescheinigung nichts besonderes. Aber 823 Mio. Euro, die offenbar jeden Prüfsummen- oder sonstigen Check überstehen? Und das bei einem  0-8-15-Kunden, der vielleicht mal für 1.000 oder 2.000 Euro Bitcoins kauft und irgendwann wieder verkauft? Das ist dann doch ein erstaunlicher Vorgang, der (bei Krypto-Anlegern freilich vorauszusetzendes) starke Nerven erfordert. Zumal die Zahl nicht aus der Luft gegriffen wirkt, sondern ihr in den „Einzeltransaktions-Aufstellungen“ auch ganz konkrete Transaktionen zugrunden lagen. Etwa der Kauf einer mittleren fünfstelligen Bitcoin-Zahl über verschiedene Termine im Dezember hinweg.

Wie so etwas möglich ist? Das haben wir natürlich auch die Sprecherin von Bitwala gefragt. Antwort: Es sei „in einigen wenigen Fällen“ zu einem Fehler dergestalt gekommen, dass die Beträge von Ertragszahlungen aus dem Bitcoin-Ertragskonto in „Satoshi-Einheiten statt in Bitcoin“ angezeigt worden seien.

Nun muss man dazu wissen, dass „Satoshi“ eine – und zwar die kleinste – Untereinheit des Bitcoin ist, benannt nach dem Erfinder des Bitcoins, Satoshi Nakamoto. Ein „Satoshi“ entspricht 0,00000001 Bitcoin. Solche Untereinheiten sind psychologisch clever. „Ich besitze 1,9 Millionen Satoshi“ klingt vermögender und wertvoller als „Ich besitze 0,019 Bitcoin“, obwohl beides dem identischen Gegenwert von aktuell rund 1.000 Euro entspricht.

Mithin wäre also der richtige Betrag, den unser Leser hätte angeben müssen in der Anlage SO, Zeile 8, nicht 823.397.882,91 Euro gewesen. Sondern 8,23 Euro, was auch eher zu den 1.000 Euro passt, den der Finanz-Szene.de-Leser nach eigenen Angaben gelegentlich auf sein Bitcoin-Konto bei Bitwala schiebt.

Wegen des Fehlers sei es „möglich, dass ein Kunde einen Kapitalgewinnwert in der Größenordnung von Hunderten von Millionen gesehen hat“, so die Sprecherin. Dies sei aber nunmehr behoben, man habe „betroffene Kunden kontaktiert und entsprechend informiert“. Korrigierte Bescheide stünden nunmehr zum Download zur Verfügung.

Wie sagte Deutschbänker Stefan Hoops kürzlich in einem Social-Media-Post? „Liebe Fintechs, Ihr fahrt nicht länger ein leichtes und flinkes BMX-Rad, sondern einen starken Sportwagen – und müsst Verantwortung für Euer Handeln übernahmen“ – in dem Fall auch für den Puls der Kunden.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing

Tags