Exklusiv

Corona: Erstes hiesiges Fintech entlässt in größerem Stil Leute

8. Juli 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Erstmals wird der Fall eines deutschen Fintechs bekannt, das unter explizitem Verweis auf die Corona-Krise Kündigungen in größerem Stil ausspricht. Konkret geht es um das hochgewettete Hamburger Kreditvergleichsportal Finanzcheck, das auf Anfrage von Finanz-Szene.de gestern die Trennung von rund 20 Mitarbeitern bestätigte. „Deutschland befindet sich durch die Corona-Krise in einer gesamtwirtschaftlichen Rezension. Auch an Finanzcheck sind diese Entwicklungen leider nicht spurlos vorbeigegangen. Wir vermitteln Kredite, da machte sich das gebremste Konsumverhalten der Deutschen im zweiten Quartal bemerkbar“, heißt es in der Stellungnahme. Drei Quellen hatten zuvor gegenüber Finanz-Szene.de sogar von rund 30 Kündigungen gesprochen. Diese Größenordnung wies das Unternehmen allerdings zurück.

Ein Blick in die Daten der Bundesbank dokumentiert, dass es tatsächlich im eigentlich wachstums- und margenstarken Geschäft mit Konsumentenkrediten privater Haushalte im April einen Einbruch im Neugeschäft um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr gegeben hat.

Finanzcheck – gestartet 2012 – gehört gemeinsam mit Smava und dem Marktführer Check24 (zwischen den beiden Unternehmen bestehen jenseits der Namensverwandschaft keinerlei Verbindungen) zu den großen Vergleichs-Akteuren von Ratenkrediten hierzulande. Mitte 2018 hatten die Gründer das Unternehmen für annähernd 300 Mio. Euro an die Münchner Scout24-Gruppe veräußert, bis heute der größte Exit eines deutschen Fintechs überhaupt. Aus einer damaligen Investoren-Präsentation ging hervor, dass Finanzcheck bis 2017 krass gewachsen war und in jenem Jahr auf ein vermitteltes Kreditvolumen von 1,06 Mrd. Euro kam.

Im Zuge des Verkaufs scheint das Wachstum indes schon 2018 zunächst nachgelassen zu haben (wobei die damaligen Zahlen mit den Vorjahreszahlen nicht 1:1 vergleichbar waren). Aktuellere Zahlen sind unseres Wissens nach nicht verfügbar. Hintergrund: Bilanziell gesehen ging Finanzcheck zunächst in der börsennotierten Scout24-Gruppe auf – bevor Ende letzten Jahres verkündet wurde, dass Scout24 die Hamburger Tochter mit anderen Assets an den US-Finanzinvestor Hellman & Friedman veräußert.

Die Kündigungen bei Finanzcheck unterstreichen, dass es vor allem die Kredit-Fintechs sind, die unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Am 12. März hatte der britische Marketplace-Lender Funding Circle seinen faktischen Rückzug vom deutschen Markt verkündet – wobei allerdings unklar blieb, ob der Schritt in Zusammenhang mit der anbrechenden Krise steht. Kurz darauf teilte das Berliner Factoring-Fintech Finiata mit, sich fortan auf den polnischen Markt zu konzentrieren und hierzulande kein Neugeschäft mehr anzunehmen. Eine weitere ernüchternde News kam Anfang Mai, als der Frankfurter KMU-Kreditmarktplatz Creditshelf fürs erste Quartal einen Einbruch des Geschäfts um 31% eingestehen musste. Schließlich: Auch unter jenen deutschen Fintechs, die im Frühjahr Kurzarbeit anmeldeten, waren diverse Kredit-Spezialisten, darunter Auxmoney.

 

Auch bei Finanzcheck soll es – sagen jedenfalls unsere Quellen – Kurzarbeit gegeben haben, bevor es schließlich zu den Kündigungen kam. In der Stellungnahme uns gegenüber ging das Fintech auf diesen Punkte nicht ein. Stattdessen heißt es: „Die Freistellungen passierten im Rahmen einer Anpassung an die neuen Marktgegebenheiten und eine vermutlich länger anhaltende Rezession mit dem klaren Ziel, dass wir nun im neuen Set-up gestärkt aus der Krise hervorgehen. So können wir mittelfristig nachhaltig und profitabel wachsen.“ Zudem betonte Finanzcheck, dass die rund 20 betroffenen Mitarbeiter gerade mal etwa 6% der Belegschaften ausmachten.

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