Exklusiv

Coya mit Funding-Kraftakt. Bestandsinvestoren schießen nach

10. Juni 2021

Von Caspar Schlenk und Heinz-Roger Dohms

Vor einigen Tagen ging den Werbepartnern des Berliner Insurtechs Coya ein ungewöhnliches Schreiben zu: „Aufgrund bestimmter interner Geschäftsentscheidungen haben wir erhebliche Budgetbeschränkungen für all unsere Marketingaktivitäten erhalten“, hieß es. Konsequenz: Die sogenannten Affiliate-Programme, bei denen Websitebetreiber dafür bezahlt werden, Coya-Policen zu empfehlen, wurden „auf unbestimmte Zeit“ gestoppt. Dazu passte, dass die Werbung des Startups auch bei Facebook verschwand. Und: Selbst bei Check24 war Coya zuletzt teilweise nicht mehr gelistet.

Was ist da los?

Coya galt einmal als eines der spannenden Fintechs hierzulande. Mit einem digitalen Basis-Angebot (Hausrat plus Haftpflicht) wollte man Lemonade nacheifern, dem milliardenschweren Versicherungs-Startup aus den USA. Gleich zum Start im Jahr 2017 warb Coya-Gründer Andrew Shaw stolze 10 Mio. Dollar ein, zu den Geldgebern zählte Peter Thiels Valar Ventures. Ein Jahr später gab es sogar 30 Mio. Dollar. Coya wurde nun in einem Atemzug mit Wefox genannt, dem auch damals schon schillernden deutsch-schweizerischen Groß-Insurtech. Die Sache allerdings ist: Heute, vier Jahre später, zählt Wefox zu den höchstbewerteten Fintechs überhaupt in Europa, wird von Investoren mit mittlerweile 3 Mrd. Euro taxiert. Dagegen Coya?

Dass die Berliner trotz der hohen initialen Fundings noch keine wirkliche Traktion entwickelt haben, zeigt sich bereits vor einigen Wochen bei der Veröffentlichung der 2020er-Zahlen; auf gerade mal 2 Mio. Euro beliefen sich die Prämieneinnahmen. Dennoch sendeten Gründer Shaw gegenüber Finance Forward damals positive Signale aus. Das Wachstum habe sich stark beschleunigt, allein im ersten Quartal seien 17.000 neue Kunden hinzugekommen. „Die Zahlen haben sich gut entwickelt“, heißt es auch jetzt wieder aus dem Unternehmensumfeld. Doch wie passt da zu den runtergedimmten Marketingmaßnahmen? Und dazu, dass die Eigentümer ihr Unternehmen zuletzt im Markt angeboten haben sollen, wie Insider berichten?

Tatsächlich tat sich Coya laut Recherchen von Finance Forward und Finanz-Szene monatelang schwer, neue Investorengelder einzuwerben. Schon im vergangenen Jahr hatte sich das Startup demnach auf die Suche nach neuen Geldgebern begeben – vergeblich, weil die Zahlen nicht überzeugt hätten, heißt es im Markt. Auch bei Konkurrenten wurde wegen eines möglichen  Zusammenschlusses vorgefühlt, ein Deal kam allerdings nicht zustande. Coya will die Information nicht kommentieren. Stattdessen wird im Umfeld des Unternehmens darauf verwiesen, dass die Wende auch aus eigener Kraft gelingen könnte. So sollen sich die Prämieneinnahmen in diesem Jahr grob verdreifachen.

Das Problem von Coya, sagen Branchenkenner, bestehe darin, dass das Gründerteam zu sehr auf die digitale Karte gesetzt habe – im Gegensatz zu Wefox oder Clark, die durch Kooperationen mit oder sogar Übernahmen von klassischen Maklern die Umsätze steigerten. Trotzdem wollen die Bestandsinvestoren das Fintech nicht fallen lassen. Nach Informationen von Finance Forward haben die wesentlichen Gesellschafter, nachdem sich kein externes Geld hatte auftreiben lassen, nun doch noch einmal rund 5 Mio. Dollar investiert. Parallel kehrte der frühere Coya-Manager Max Bachem nach einem mehrjährigen Intermezzo beim Großversicherer Axa zu den Berlinern zurück. Er firmiert nun als Co-CEO neben Gründer Shaw und überprüfe zurzeit die Marketingkanäle; deswegen würden die Kanäle momentan „pausieren“. Über das jüngste Funding sagt Bachem: „Alle unseren großen Geldgeber sind mitgezogen.“ Namen nennt der Manager keine. Zu den wichtigen Investoren gehören aber Valar Ventures, Headline (früher Eventures), La Famiglia, die Beratung Roland Berger und die Uniqa Versicherung dazu. Bachem bestätigt weder die Namen noch die Summe.

Glaubt man Informationen aus der Branche, dann könnte es sich bei dem 5-Mio.-Dollar-Funding aber ohnehin nur um einen Zwischenschritt handeln. Dahinter soll angeblich ein weiterer Plan stehen, nämlich ein möglicher Zusammenschluss mit dem französischen Versicherungs-Startup Luko. Dort haben Geldgeber wie Accel und Founders Fund insgesamt mehr als 70 Mio. Euro investiert. Bachem will die Informationen nicht kommentieren, der Luko-Gründer dementiert sogar, mit Coya verhandelt zu haben. Was insofern erstaunt, als andere Quellen sogar schon ein etwaigen Deal skizzieren: Demnach könnten die Coya-Gesellschafter Anteile an Luko erhalten. Für Coya wäre das ein eleganter Ausweg aus der Sackgasse, in die die Berliner zuletzt geraten waren. Aber wie gesagt: Angeblich hat Luko mit Coya ja nicht einmal verhandelt …

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