Exklusiv

Das Geheimnis hinter dem wundersam stabilen Creditshelf-Kurs

25. November 2019

Von Christian Kirchner

„Klein unser Häuflein, wild unser Blut.“ Dieser Satz ziert die Startseite der Obotritia Capital KGaA, eines Investmentvehikels von Tausendsassa Rolf Elgeti. Das Zitat klingt nicht nur martialisch, es ist es auch. Die Zeile stammt aus einem „Fallschirmjägerlied“, in dem es einige Verse vorher heißt: „Werft an die Motoren, schiebt Vollgas hinein, startet los, flieget ab, heute geht es zum Feind, an die Maschinen, an die Maschinen Kamerad, da gibt es kein zurück.“

Nun denn. Vollgas hineingeflogen ist Elgeti jedenfalls vor einigen Jahren in Creditshelf, ein Frankfurter Fintech, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kreditvergabe an KMUs zu disruptieren. Geschäftsmodell: Finanzierungs-Plattform statt Bankendarlehen. Als das Startup Mitte 2018 an die Börse ging, blieb Elgeti dem Unternehmen nicht nur als Aufsichtsratschef, sondern auch als wichtigster Anteilseigner verbunden. Über die Hevella Capital AG – der Muttergesellschaft von Obotritia – hält der frühere Chef des Immobilienkonzerns TAG immer noch 39% der Aktien. Marktwert per gestern Abend: rund 25 Mio. Euro.

Die Aktien waren freilich schon mal deutlich mehr wert. Denn bei Creditshelf lief es zuletzt nicht wirklich rund. Seit dem IPO ist der Kurs um mehr als ein Drittel abgeschmiert. Und dann vermeldete Finanz-Szene.de am vergangenen Donnerstag unter Verweis auf eine Ad-hoc des Unternehmens auch noch: „Creditshelf kürzt seine Jahresprognose drastisch“.

Für so etwas gibt es an der Börse üblicherweise heftige Abschläge. An der Creditshelf-Aktie indes ging die negative Schlagzeile scheinbar spurlos vorbei. An Deutschlands liquidester Börse – sprich: Xetra – endete der Donnerstag (also der 21. November) genau da, wo auch schon der Mittwoch geendet hatte. Nämlich bei 53 Euro (zur Orientierung: Der Schlusskurs des 21. Novembers ist der Ausschlag, der optisch in den „22. 11.“ hineinzuragen scheint).

Quelle: Comdirect

Die Null-Prozent-Veränderung erstaunte umso mehr, als dass es bei der  Creditshelf-Aktie am Donnerstag endlich mal richtig Umsatz gab – was in der jüngeren Vergangenheit oft genug nicht der Fall war. Im Schnitt gingen in den vergangenen zwölf Monaten nur rund 600 Papiere pro Tag auf Xetra um. Manchmal auch (wie zum Beispiel am 20. November) kein einziges.

Am Donnerstag waren es dann allerdings 6.801 Stücke, also das gut Zehnfache des sonstigen Volumens. Zu sehen ist das in der Grafik oben an den roten und grünen Linien unter dem Kurschart – die nämlich schlugen wild aus.

Wer am Donnerstag verkauft hat zu Kursen knapp 40% unter Emissionspreis? Ist unbekannt.

Dafür weiß man aufgrund einer gestern pflichtgemäß veröffentlichten Ad-hoc-Meldung, wer am Donnerstag gekauft hat. Und das nicht zu knapp, sondern in 22 Einzeltransaktionen genau 4.250 Creditshelf-Aktien im Wert von rund 211.000 Euro zu Kursen zwischen 48,40 (dem Tagestief) und 53 Euro (dem Tageshoch) …

Kurs Volumen in Euro Stückzahl
50 12500 250
48,4 14520 300
49,2 2460 50
48,4 14520 300
49 4900 100
49,4 988 20
48,6 5734,8 118
48,8 14640 300
49 2450 50
49,4 1482 30
49,6 9920 200
50 14100 282
48,6 14580 300
48,4 435,6 9
48,6 11566,8 238
48,8 14640 300
49 7497 153
49 6811 139
50 3050 61
50 10000 200
49,2 4920 100
53 39750 750
Summe 4250

… es war: die Obotritia Capital KGAA.

Rolf Elgeti stand als Aufsichtsratschef und Großaktionär also hinter nicht weniger als 62% der Käufe bzw. Transaktionen, die am 21. November über Xetra in Creditshelf-Aktien stattfanden.

Natürlich ist das nicht illegal – wohlmeinend könnte es sogar als Zeichen des Vertrauens ins Unternehmen gewertet werden. Eine Frage drängt sich gleichwohl auf: Wo stünde der Kurs ohne Elgetis Stützungskäufe?

Darauf lieferte allerdings auch der Freitag noch keine definitive Antwort. Denn am 22. November gingen erneut 44% aller Creditshelf-Transaktionen über Xetra auf das Konto der Obotritia Capital KGaA. Zwar fiel der Kurs auf 46,40 Euro. Gestern allerdings erholte er sich bei dünnen Umsätzen wieder um 5,6% auf 49 Euro. Ob’s wieder die Obotritia war? Wird sich heute zeigen.

Wie sagte Elgeti 2016 in einem Interview mit dem Handelsblatt? Klein unser Häuflein, wild unser Blut – das Motto aus dem Fallschirmlied passe ganz gut. „Wir schwimmen nicht mit dem Strom, sondern machen gerne etwas andere Dinge, manchmal auch eher unorthodox“, so Elgeti.

Unorthodox? So kann man’s natürlich auch nennen.

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