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Decentralized Finance: Nur ein Hype – oder gekommen, um zu bleiben?

4. Februar 2021

Von Till Oberhummer*

Nach einem recht ruhigen 2019 haben Krypto-Währungen im vergangenen Jahr wieder verstärkt Aufmerksamkeit erhalten – bis hin zu einem regelrechten Run in den jüngsten Wochen. Während man sich immer noch uneinig ist, ob Krypto-Währungen die Zukunft sind oder doch eher verteufelt gehören, haben sich viele weitere Möglichkeiten herauskristallisiert, die Blockchain-Technologie anzuwenden. Eine dieser Möglichkeiten ist die so genannte „Decentralized Finance“, kurz DeFi.

Die Idee hinter DeFi steckt schon im Namen: Es soll möglich sein, sich dezentral Geld auszuleihen, ohne dafür einen Intermediär wie zum Beispiel eine Bank zu benötigen. Das Investment wird über sogenannte „Smart Contracts“ gesteuert, die wiederum in den meisten Fällen auf der Ethereum-Blockchain-Technologie basieren. Der Kreditnehmer hinterlegt ein Asset und darf sich einen gewissen Prozentsatz des Werts, den dieses Asset hat, ausborgen.

Ein Krypto-Asset dient als Absicherung

Wenn man etwa einen Bitcoin besitzt, kann man diesen als Sicherheit hinterlegen und belehnen – zu folgenden, beispielhaften Rahmenbedingungen: Bis zu 50% des aktuellen Werts sind belehnbar, der Kredit muss innerhalb eines Monats zurückgeführt werden, und die Verzinsung für diesen Zeitraum beträgt 0,5%. Man überweist also diesen Bitcoin an einen Smart Contract, der genaue diese Bedingungen abbildet. Daraufhin werden, abhängig von der jeweiligen Plattform, Token erstellt, die den Wert von 50% eines Bitcoins repräsentieren. Über diese neuen Token kann man dann frei verfügen, man kann sie veranlagen, eintauschen etc.. Nach einem Monat führt man sie wieder (inklusive Zinsen) dem Smart Contract zu. Der Smart Contract gibt den hinterlegten Bitcoin daraufhin wieder frei und zerstört die Token. Das stellt sicher, dass immer nur Token im Umlauf sind, die durch ein anderes Asset wertgesichert sind.

Risiko Wertschwankung

Die persönliche Erfahrung zeigt: Das Prinzip funktioniert tatsächlich. Es bestehen jedoch, wie bei jedem Investment, auch hier Risiken. Das offensichtlichste ist die starke Wertschwankung von Krypto-Assets – was bedeutet, dass der Wert der geleisteten Sicherheit auch schwankt. Wie bereits erwähnt, sollte für jeden Token mindestens sein aktueller Wert in Form einer Sicherheitsleistung hinterlegt worden sein.

Verschlechtert sich der Wert dieser Sicherheitsleistung, verschlechtert sich auch der Wert des Tokens. Um das zu verhindern, wird zum einen der Belehnungsgrad eingeschränkt. Zum anderen prüft der Smart Contract laufend die Werthaltigkeit des hinterlegten Assets. In den Parametern des Smart Contracts ist auch vorgegeben, wann die Vereinbarung vorzeitig aufgelöst und der Verlust aus der Sicherheitsleistung abgedeckt wird.

Ein Smart Contract wiederum ist ein Programm, welches nachträglich unveränderbar ist und den einmal vorgegebenen Parametern stets folgt. Die Folge: Während man mit einem klassischen Intermediär (der Bank) in unvorhersehbaren Fällen – siehe Covid-19 – Lösungen suchen und finden kann, lässt ein Smart Contract nicht mit sich handeln. Er folgt stur seinen Vorgaben. Das kann zu einer deutlichen Schlechterstellung führen.

Risiko Code

Ein weiteres Problem, das in der Vergangenheit schon aufgetreten ist, sind Fehler in diesen Smart Contracts. Womöglich wurden  bei ihrer Programmierung Eventualitäten nicht berücksichtigt oder es gibt Fehler im Code, die ausgenützt werden können. Das kann es Dritten erlauben, diese Fehler zu ihrem Vorteil zu nützen und/oder dazu führen, dass es nicht mehr möglich ist, auf die Sicherheitsleistung zuzugreifen.

Weiter gibt es auch noch keinen wirklichen Standard. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von DeFi-Plattformen, die auf unterschiedlichen Blockchains basieren (ETH bzw. BTC) und auf unterschiedliche Standards zur Validierung setzen (Proof of Work, Proof of Stake, etc.).

Fazit: Eine Neuerung mit großem Potenzial

Trotz solch offener Fragen ist DeFi eine großartige Ergänzung existierender Finanzinstrumente. Es hat das Potenzial, in einigen Bereichen den Intermediär zu ersetzen. Es nützt alle Vorteile, welche die Blockchain-Technologie bietet, birgt allerdings auch genau deren Schwierigkeiten. Wann immer Informationen von außen kommen, ist das Risiko einer Fehlinformation gegeben. Auch findet das initiale Geschäft im Ökosystem der jeweiligen DeFi-Plattform statt, deshalb wird es auch zuerst in Token bedient und nicht in Fiatwährung. Zudem erlauben nicht alle Plattformen einen direkten Tausch der Token in Fiat, meist muss man stattdessen einen Umweg zum Beispiel über Bitcoin oder Ethereum gehen. Neben generellen Kursverlusten oder -gewinnen und der Tatsache, dass man Konvertierungskosten und Transaktionskosten hat, kann das auch steuerlich relevant werden. Jeder Tausch des Assets kann einen Gewinn oder Verlust darstellen, der berücksichtigt werden müsste. Je nachdem in welchem Land man ansässig ist, sind unterschiedliche Aspekte zu beachten.

Decentralized Finance ist definitiv gekommen, um zu bleiben – und die immer stärker wachsende Community dahinter arbeitet laufend daran, die Möglichkeiten zu vereinfachen und zu verbessern.


*Till Oberhummer arbeitet als Head of Sales and Business Development Central Europe & Ireland für Western Union Business Solutions. Dieser Artikel gibt seine persönliche Meinung wieder, der Inhalt wird nicht unbedingt von Western Union Business Solutions geteilt und sollte nicht als solcher angesehen werden.

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