Exklusiv

Deposit Solutions: Herber Umsatz-Knick vor Fusion mit Raisin

7. März 2022

Von Heinz-Roger Dohms und Caspar Schlenk

Dem Zusammenschluss von Raisin (“Weltsparen”) und Deposit Solutions (“Zinspilot”) im vergangenen Sommer ist ein herber Umsatzknick beim etwas kleineren der beiden Fintechs, nämlich bei Deposit, vorausgegangen. Wie aus dem erst dieser Tage veröffentlichten 2020er-Geschäftsbericht hervorgeht, sanken die Erlöse des hochgewetteten Hamburger Einlagen-Brokers in jenem Jahr um 9% auf nur noch 16,9 Mio. Euro.

Eine solche Entwicklung ist für ein junges Wachstumsunternehmen höchst ungewöhnlich – zumal Deposit zu jener Zeit als eines der kraftvollsten deutschen Fintechs überhaupt galt und 2019 beim Einstieg der Deutschen Bank angeblich mit mehr als 1 Mrd. Euro bewertet worden war (siehe -> Ist Deposit Solutions nun ein Unicorn oder nicht? sowie -> Eigener Investor versagt Deposit Solutions den Unicorn-Status)

Zu Begründung für den Umsatzrückgang heißt es in dem Geschäftsbericht:

„Die größte Produktbank der Gesellschaft, welche zu Spitzenzeiten ~ 60 % der von der Gesellschaft verwalteten Einlagen auf sich versammelte, setzte nach ihrer Übernahme und der anschließenden strategischen Neuausrichtung das Einlagenvolumen auf Null herab.“

Wer die “Produktbank” ist, verrät der Abschluss nicht, ein Sprecher des fusionierten Nachfolge-Unternehmens Raisin DS (das “DS” steht für Deposit Solutions”) wollte sich dazu am Wochenende nicht äußern.

Plausibel wäre jedoch, dass es sich bei der „Produktbank“ (das sind die Banken, bei denen die über die Deposit-Plattform vermittelten Einlagen landen) um die heutige Hamburg Commercial Bank (HCOB) handelte – also um die frühere HSH Nordbank. Diese hatte sich ab Ende 2017 eine Zeitlang stark über Retail-Einlagen refinanziert und Kunden mit hohen Zinsen sowohl für Tages- als auch für Festgelder angelockt. Partner hierbei war Deposit Solutions, das Hamburger Fintech kassierte entsprechend auch die Vermittlungsprovisionen. Später allerdings stellte die HCOB/HSH ihr Funding um, refinanzierte sich wieder stärker über Wholesale-Kanäle sowie über die TLTRO-Programme der EZB. In der Folge sank der Einlagenbestand (auch, weil parallel die Bilanzsumme reduziert wurde) zwischen Ende 2019 und Ende 2020 von 13,6 Mrd. Euro auf nur noch 9,1 Mrd. Euro.

Neben dem Verlust der wichtigsten “Produktbank” hatte Deposit laut Geschäftsbericht 2020 auch mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. So habe sich durch die Corona-Krise die Nachfrage bei bestehenden Partnern reduziert, bei neuen Partner sei es zu „Launch-Verzögerungen“ gekommen. Eine Folge der Probleme: Der Einlagen-Broker musste sein Team offenbar merklich verkleinern. 2019 hatte das Fintech noch 239 Mitarbeiter beschäftigt, ein Jahr später waren es ausweislich des Geschäftsberichts rund 50 weniger. Raisin DS wollte die Umstände des Jobabbaus nicht kommentieren.

Die Fusion zwischen Raisin und Deposit Solutions im Sommer 2021 gilt als der bislang größte Zusammenschluss zweier Fintechs hierzulande. Einer der wichtigsten Investoren des fusionierten Unternehmens, nämlich der skandinavische Risikopitalgeber Kinnevik, hatte Raisin DS unmittelbar nach dem Merger mit 1,3 Mrd. Euro bewertet. Gut möglich, dass der Umsatzrückgang bei Deposit Solutions die Verhandlungen mit Raisin beschleunigt hat (vielleicht haben ja auch die Investoren diesbezüglich Druck gemacht).

Zumal: Der Blick in alte Geschäftsberichte zeigt, dass auch Raisin nicht von Rückschlägen verschont geblieben ist. Die jüngsten veröffentlichten Zahlen des Berliner Fintechs stammen aus 2018. In jenem Jahr setzte Raisin zwar stattliche 17,0 Mio. Euro um, also etwa so viel wie Deposit Solutions zwei Jahre später. Gleichwohl blieben die Berliner damit 27% hinter den eigenen Planzahlen zurück.

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