Exklusiv

Der 100-Millionen-Euro-Deal des Fintechs Clark

12. Mai 2022

Von Caspar Schlenk

Ende des vergangenen Jahres gab das Frankfurter Fintech Clark einen Zukauf bekannt: Das Unternehmen hinter der Versicherungsapp verkündete, die Finanzen Group zu übernehmen. Die Allianz-Tochter hatte sich mit ihrer Website Finanzen.de auf das Geschäft mit den Kontakten von potenziellen Versicherungskunden spezialisiert – sogenannte Leads. Clark erklärte sich nach dem Deal “zum Unicorn und einem der größten Insurtechs der Welt”, sei demnach durch seine Geldgeber mit mehr als 1 Mrd. Euro bewertet (siehe hierzu -> Wie sich Clark zum Fintech-Unicorn rechnet – oder auch nicht). 

Wie die Firma auf diese Bewertung kam? Dazu schwieg das Unternehmen vergangenes Jahr eisern. Auch weiterhin dringen keine Details nach außen, von der Firma heißt es noch immer: kein Kommentar. Doch durch Protokolle der Gesellschafterversammlungen lassen sich nun erstmals ein paar spannende Rückschlüsse über den Zukauf ziehen:

Wie sich aus den Unterlagen ablesen lässt, besteht der Deal aus zwei Schritten, die durchaus üblich sind. Um die Übernahme zu stemmen, hat Clark noch einmal Geld von seinen Gesellschaftern eingesammelt. Die größte Tranche kam demnach von dem Bestandsinvestor Tencent. Die Direktbank ING, die sich im Zuge einer Kooperation mal bei Clark beteiligt hatte, zog bei der Finanzierungsrunde ebenfalls mit – obwohl die Kooperation wieder beendet wurde. Weitere Geldgeber beteiligten sich.

Noch einmal 100. Mio. Euro in bar

In einem zweiten Schritt übernahm Clark die Anteile der „Mercato Leadmanagement Investments Holdings GmbH“, dabei handelt es sich um Finanzen.de. Im Gegenzug erhält die Allianz zum einen Anteile von Clark – und das nicht zu knapp. Nach dem Deal gehören dem Unternehmen rund 24 Prozent. Zum anderen heißt es in dem Dokument: „Die Gesellschaft leistet an ASI (eine Allianz-Gesellschaft; Anm. d. Red.) eine Zahlung in Höhe von EUR 100.000.000,00, durch die ein Teil des den Gesamtbetrag der neuen Aktien übersteigenden Werts der Sacheinlage vergütet wird.“ Demnach fließen noch einmal 100 Mio. Euro zusätzlich in bar. Es ist damit sicherlich einer der größten Fintech-Deals in Deutschland.

Einen Teil des Geldes wird sicherlich aus der Finanzierungsrunde stammen. „Es ist gut möglich, dass Clark zusätzlich Kredite für den Deal eingenommen hat“, sagt ein Branchenkenner. Bei der Finanzierungsrunde ist Kreos beteiligt, die auch Kreditfinanzierungen anbieten. Dies sei bei solchen Deals durchaus üblich.

Die Investoren dürften trotzdem einen hohen Betrag in die Firma gesteckt haben. Sollte die Angabe einer Milliarden-Bewertung stimmen – und daran gab es durchaus Zweifel – hätte Clark mindestens 75 Mio. Euro eingesammelt haben müssen. Es könnte aber auch mehr sein.

In diesem Szenario läge der Wert des Zukaufs dann bei 340 Mio. (=240 Mio. Euro für die Clark-Anteile + 100 Mio. in bar). Damit wäre es Clark gelungen, die eigene Firmenbewertung im Laufe eines Jahres grob zu verdreifachen. Dies scheint weiterhin ambitioniert.

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