Exklusiv

Der „Deep Dive“ zu Finleap: 330 Mio. € Bewertung – aber auch 3 Flops

25. Februar 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Caspar Schlenk

Dass bei Finleap zuletzt einiges los war, hatten wir Ihnen kürzlich ja lang und breit geschildert, liebe Leserinnen und Leser. Heute nun? Knöpfen wir uns den früheren Inkubator (aus dem einst Ventures wie die Solarisbank oder Clark hervorgegangen waren und der heute Anteile an mehr als einem Dutzend Fintechs hält) gleich nochmal vor. Denn: Seit dieser Woche ist Finleaps 2019er-Geschäftsbericht öffentlich – und der erlaubt (auch weil er teilweise sogar das Folgejahr abbildet) viele spannende, neue Einblicke. Voilà:

1.) Was ist die spannendste News?

Die Bewertung. Denn um die hat Finleap bislang ein großes Geheimnis gemacht. Was man wusste: Der addierte Wert aller über die Jahre von Finleap aufgesetzten oder teilweise auch übernommenen Ventures soll bei mehr als 1 Mrd. Euro liegen, wie Finleap-CEO Ramin Niroumand neulich verraten hatte. Wie viel indes ist Finleap selber wert? Auf Basis des 2019er Abschlusses (der teilweise auch auf Ereignisse des Folgejahres eingeht) lässt sich diese Frage nun erstmals beantworten: So investierte die Deutsche Börse im Frühjahr 2020 insgesamt 10 Mio. Euro in Finleap, und zwar zu einer Bewertung von grob 330 Mio. Euro. Damit spielte Finleap zum damaligen Zeitpunkt ungefähr in einer Liga mit seinem wichtigsten Venture, nämlich mit der Solarisbank. Dieser hatten Investoren Mitte 2020 eine Post-Money-Bewertung von rund 320 Mio. Euro zugebilligt.

2.) Was verrät der Geschäftsbericht über die Ventures?

  • Die konkreteste Aussage ist, dass Finleap zwei seiner Ventures für das Geschäftsjahr 2019 „Umsatzerlöse in zweistelliger Millionenhöhe“ attestierte, nämlich der Solarisbank und Clark. Im Falle des „Banking as a Service“-Spezialisten Solaris war das bekannt, im Falle des Online-Versicherungsmaklers Clark allerdings nicht. Die Angabe könnte erklären, warum Clark bei seiner 69-Mio.-Euro-Runde in diesem Januar zu einem der zehn höchstbewerteten deutschen Fintechs aufgestiegen ist
  • Neben der Solarisbank und Clark werden noch fünf weitere (damalige) Ventures als „reif und wachstumsstark“ bezeichnet, nämlich Pair Finance, FinanceAds, Billfront, Deutsche Fintech Solutions und Scaling Spaces. Dieses Quintett sei „in 2019 entweder schon profitabel“ gewesen oder habe „den Break-Even unterjährig erreicht“
  • Interessant auch, dass Element und Elinvar in der Kategorie „reif und wachstumsstark“ nicht auftauchen. Über sie heißt es stattdessen: „Die Bafin-regulierten Plattform-Unternehmen Elinvar und Element konnten weitere große Kunden gewinnen und hatten weiterhin starken Fokus auf zusätzliches Wachstum und Investitionen in Team und Produkt.“
  • Der Geschäftsbericht erinnert daran, dass bei Finleap eines (und zwar bis heute) fehlt – nämlich ein richtiger Exit. „Erste Beteiligungsverkäufe mit substanziellem positivem Einfluss“ seien 2019 noch nicht eingetreten und wurden für 2020 auch nicht erwartet

3.) Was waren die Flops im Finleap-Universum?

Insgesamt musste Finleap außerplanmäßige Abschreibungen in Höhe von 13,6 Mio. Euro vornehmen.

  • Die größte Wertberichtigung erfolgte bei Perseus. Das Cyber-Security-Startup wurde für gerade mal 1 Mio. Euro an die HDI-Versicherung weitergereicht, was eine Abschreibung in Höhe von 6,8 Mio. Euro erforderlich machte
  • 5,7 Mio. Euro wurden auf Infinitec Solutions abgeschrieben (das war jenes Venture, das in Finleap Connect hineingeschoben wurde – also in das neue B2B-Groß-Fintech, das aus der Fusion von Figo und Finreach hervorgegangen war)
  • Dann gab es noch eine kleinere Abschreibung auf ein Schweizer Unternehmen, das zum Dunstkreis des übernommenen Business-Banking-Fintechs Penta gehörte

Und nicht zu vergessen: 6,8 Mio. Euro investierte Finleap im Geschäftsjahr 2019 bei Joonko, dem Check24-Herausforderer, der im Herbst 2020 aufgeben musste. Weitere Abschreibungen waren also programmiert.

4.) Wo hat Finleap im Geschäftsjahr 2019 wie viel investiert?

  • Elinvar: 1,8 Mio. Euro
  • Penta: 4,6 Mio. Euro
  • Element; 3,0 Mio. Euro
  • Crosslend: Knapp 1 Mio. Euro
  • Finleap Connect: 3 Mio. Euro als Wandeldarlehen

5.) Weitere wichtige Zahlen aus dem Report­

  • Mit seinem Beratungsgeschäft setzte Finleap 9,2 Mio. Euro um, ein Plus von gut 40%
  • Finleap sammelte 27 Mio. Euro von Investoren ein, nämlich 10 Mio. Euro aus dem zweiten Teil der großen Finanzierungsrunde mit der chinesischen Versicherung Ping An, und 17 Mio. Euro von der Versicherungskammer Bayern
  • Das schon erwähnte 10-Mio.-Euro-Engagement der Deutschen Börse in 2020 unterteilte sich ungefähr hälftig in eine Cash- und eine Sachkomponente. Die Sachkapitalerhöhung ergab sich daraus, dass die Deutsche Börse im Gegenzug für Anteile an Finleap ihre (noch aus Figo-Zeiten herrührenden) Anteile an Finleap Connect abtrat
  • Der Jahresfehlbetrag lag bei 16,4 Mio. Euro und setzte sich zum großen Teil (siehe oben) aus den Abschreibungen zusammen. Der Rest? Operative Verluste in überschaubarer Höhe. Nämlich: Minus 3,2 Mio. Euro Ebitda.

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