Exklusiv

Deutsche Bank schnappt sich Fintech-Vordenker André Bajorat

22. Januar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Wir haben zwar erst Januar – aber das hier könnte schon die Personalie des Jahres sein: André Bajorat, viele Jahre lang das prominenteste Gesicht der deutschen Fintech-Branche, hat laut Informationen von Finanz-Szene.de bei der Deutschen Bank angeheuert. Dort trägt er dem internen Mitarbeiter-Verzeichnis zufolge den Titel „Managing Director – Head of Function“ und berichtet direkt an Stefan Hoops, den Leiter der Unternehmensbank. Finanz-Szene.de wurde die Personalie gestern sowohl von einem Deutsche-Bank-Sprecher als auch von Bajorat selber bestätigt.

André Bajorat war jahrelang CEO des Hamburger API-Fintechs Figo, das als Dienstleister das Multibanking-Tool der Deutschen Bank mitentwickelt hat. Letzten März wurde dann bekannt (siehe unser damaliger Exklusiv-Bericht), dass Figo beim Startup-Imperium Finleap unterschlüpft; die Berliner bauen um Figo und weitere Fintechs herum nun ein neues B2B-Riesen-Fintech namens „Finleap Connect“ auf. Bajorat selbst schied im Sommer verabredungsgemäß aus der neuen Unternehmung aus. Seither wurde in der Branche gerätselt, wohin es den 48-Jährigen wohl verschlagen würde. Mit einem Wechsel zum größten Geldhaus der Republik hatten allerdings die wenigsten gerechnet.

Als vielleicht einziger deutscher Fintech-Manager ist Bajorat weit über die eigentliche Community hinaus bekannt. Das hat allerdings weniger mit Figo zu tun, als mit seinen übrigen Aktivitäten. Zum einen war der Wahl-Hanseat gerade in der Frühphase des Fintechs-Booms medial extrem präsent. Zudem gründete er schon vor Jahren den „Paymentandbanking“-Blog, in dem diverse Branchen-Insider das Geschehen in der Finanzindustrie kommentieren. Darüber hinaus tritt Bajorat regelmäßig als Host des gleichnamigen „Paymentandbanking“-Podcasts auf. Und: Rund um ihre Blogger- und Podcast-Aktivitäten haben die „Paymentandbanking“-Macher zudem ein ernstzunehmendes Konferenz-Geschäft etabliert. Dazu gehören die diese Woche in Berlin stattfindende Payment-Messe „PEX“, das Banking-Event „BEX“ und inzwischen noch eine dritte Veranstaltung namens „Transactions“.

Laut Informationen von Finanz-Szene.de wird sogar noch ein weiterer „Paymentandbanking“-Blogger bei der Deutschen Bank anheuern, nämlich Rafael Otero. Der ist zwar nicht ganz so bekannt wie Bajorat, genießt allerdings speziell in der Payment-Branche einen exzellenten Ruf. Otero gehörte 2012 zu den Gründern des Berliner Samwer-Fintechs Payleven, das nach dem Vorbild des US-Startups Square Mini-Kartenterminals für Kleinhändler betrieb. 2016 fusionierte Payleven mit dem größeren Wettbewerber Sumup, der mittlerweile als führendes hiesiges Fintech neben N26 gilt. Otero schied nach dem Zusammenschluss bei Sumup/Payleven aus. Danach gründete er eine eigene Beratungsfirma namens „Voice First“ mit Schwerpunkt auf Sprach-Assistenzsysteme unter anderem für die Finanzbranche. Genau wie Bajorat wird auch Otero in der „Corporate Bank“ arbeiten. Auch er trägt den Titel „Managing Director“ und auch er berichtet unmittelbar an Stefan Hoops.

Als wir uns gestern ein bisschen in der Branche umhörten, wie die Bajorat-Personalie denn einzuordnen sei, stieß nicht nur der Wechsel als solcher auf Erstaunen – sondern fast mehr noch, dass der ausgewiesene Retail-Spezialist ausgerechnet in der Unternehmensbank aufschlägt (statt in der Privatkunden-Digitaleinheit von Markus Pertlwieser und Michael Koch).

In Finanzkreisen indes wird darauf verwiesen, dass die Deutsche Bank im B2B-Zahlungsverkehr ein ungleich größeres Rad drehe als im Retail-Payment. Insofern mache nicht nur die Verpflichtung Bajorats und Oteros Sinn, sondern auch deren Zuordnung zur „Corporate Bank“.  Hoops, so heißt es, verspreche sich von dem Duo eine Stärkung des Produktangebots für Fintechs und eine klarere Ausrichtung auf die ausgerufene „Plattform-Strategie“. Zudem gehe es bei den beiden Personalien ganz allgemein darum, „frischen Wind in die Corporate Bank zu bringen“ (Übrigens: streng genommen sind es sogar drei Personalien, denn neben Bajorat und Otero hat die Deutsche Bank noch einen weiteren Payments-Spezialisten verpflichtet: den früheren Zalando- und Sixt-Manager Fabian Mansfeld, der allerdings nicht direkt an Hoops berichtet, sondern an Ole Matthiessen, den Leiter des Cash Managements innerhalb der Unternehmensbank).

Offiziell wollte sich die Deutsche Bank gestern zum genauen Tätigkeitsprofil Bajorats, Oteros und Mansfelds nicht äußern. Auch Bajorat gab sich diesbezüglich wortkarg. Er betonte allerdings, dass sowohl sein Kompagnonen Otero als auch er selber weiterhin ihren Nebentätigkeiten nachgehen werden: „Alles, was mit ‚Paymentandbanking‘ zusammenhängt, wird so weitergehen wie bislang auch.“

Interessanterweise sind Bajorat und Otero nicht die einzigen „PAB“-Macher, die gewissermaßen aus ihrer Blogger-Tätigkeit heraus bei einem Dax-Konzern andocken. Dasselbe gilt für Kilian Thalhammer, der seit Anfang letzten Jahres das globale Produktmanagement bei Wirecard verantwortet. Seine zuvor hauptberuflich betriebene Beratertätigkeit gab Thalhammer zugunsten des Postens auf – er bloggt und podcastet aber weiterhin.

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