Exklusiv

Die ersten 2019er-Zahlen eines deutschen Fintech-Startups

15. Juli 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Zu den bestgehüteten Geheimnissen der meisten deutschen Fintechs gehört immer noch: Wie viel Umsatz macht Ihr eigentlich? Schließlich sind viele Finanz-Startups 1.) immer noch so klein, dass sie keine Gewinn- und Verlustrechnung (sondern lediglich eine Bilanz) veröffentlichen müssen. Und 2.) kommt noch hinzu: Gibt dann doch mal Fintech via Bundesanzeiger einen Einblick in seine Zahlen – dann sind die gern mal so alt, dass die Aussagekraft überschaubar bleibt.

Indes: Manchmal kommen durch eine Fügung (un-)glücklicher Umstände dann doch ein paar Zahlen raus. Wie diesmal im Falle des Münchner Schnittstellen-Fintechs finAPI.  Das wurde nämlich 1.) Anfang 2019 mehrheitlich von der Schufa genommen, 2.) sah sich die Schufa daraufhin veranlasst, erstmals einen Konzernabschluss zu erstellen, 3.) war die Schufa so freundlich, in ebendiesem Konzernabschluss die Abweichungen zum Einzelabschluss zu quantifizieren, und weil 4.) diese Abweichungen = finAPI sind und 5.) die Schufa dieser Tage ihren Konzernabschluss offengelegt hat, kommen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, also heute Morgen allen Ernstes mit den ersten testierten 2019er-Zahlen eines deutschen Fintechs. Und die übrigens sind, so weit wir das beurteilen können, erstaunlich gut.

Voilà:

1.) Was genau macht finAPI eigentlich?

FinAPI ist ein Schnittstellen-Fintech, verknüpft also beispielsweise Drittdienstleister, die im Auftrag des Endkunden auf Kontodaten zugreifen wollen, mit den entsprechenden Banken. Als größter Kunde des Münchner Startups gilt die Datev. Zur hiesigen Peer-Group von finAPI gehören FintecSystems, BANKSapi und die frühere, mittlerweile zu Finleap Connect gehörende Hamburger Figo.

Im Schufa-Abschluss heißt es hierzu: „Das im Januar 2019 mehrheitlich erworbene Tochterunternehmen finAPI GmbH, München, bietet einem inzwischen breiten Kundenkreis flexible Lösungen im Access to Account (XS2A)-Bereich an und ermöglicht ihren Kunden durch die Bereitstellung einer Programmierschnittstelle (API) Kontodaten von Endnutzern abzurufen und weiterzuverarbeiten, ohne sich mit der Komplexität der verschiedenen Bankschnittstellen auseinander setzen zu müssen“

Genauso wie die meisten Wettbewerber verfügt finAPI über Bafin-Lizenzen für den Betrieb von Kontoinformationsdiensten (KID) bzw. Zahlungsauslösediensten (ZAD). Siehe auch unsere nicht mehr ganz aktuelle Übersicht „Hier kommen die inzwischen 25 Fintechs mit PSD2-Lizenz“.

2.) Was ist denn jetzt mit dem Umsatz?

Im Schufa-Abschluss heißt es: „Der Konzernumsatz liegt um 3.755 TEUR über dem Umsatz des Einzelabschlusses, im Wesentlichen beeinflusst durch den Umsatz der finAPI GmbH.“ Und an anderer Stelle: „Nach Konsolidierungseffekten hat die finAPI GmbH mit 3.770 TEUR den wesentlichen Anteil an dem übersteigenden Umsatz.“

Kurz gesagt hat finAPI im vergangenen Jahr also 3,8 Mio. Euro umgesetzt.

3.) Wie ist diese Zahl einzuordnen?

Die meisten B2B-Fintech da draußen dürften mittlerweile auf jährliche Erlöse irgendwo im einstelligen Millionenbereich kommen; insofern kommt die Zahl zunächst mal wenig überraschend. Was allerdings bemerkenswert ist: Der (Ex)-Konkurrent Figo, der im Zuge seiner Verschmelzung mit der Finleap-Tochter Finreach (daraus wurde dann besagte Finleap Connect …) vor einigen Monaten vollständige Geschäftszahlen für 2018 enthüllt, kam in jenem Jahr – also 2018 – auf 1,75 Mio. Euro Umsatz. Nun haben wir für finAPI keine 2018er-Zahlen und für Figo keine 2019er-Zahlen. Und doch lässt sich festhalten: Um 2019 auf finAPI-Niveau gewesen zu sein, hätte Figo mit mehr als 100% wachsen müssen, was eine eher unrealistische Annahme ist.

Will heißen: FinAPI ist/war offensichtlich merklich umsatzstärker als die eigenlich als größer oder zumindest als prominenter geltende Figo. Und: Auch im Vergleich zu den öffentlich bekannten 2018er-Umsatzzahlen anderer Dienstleistungs-Fintechs (Finreach: 2,1 Mio. Euro; Elinvar: 1,2 Mio. Euro) können sich die Zahlen von finAPI sehen lassen. Und noch zwei Werte zur Einordnung: Die weitaus größere und ambitioniertere Solarisbank kam 2018 auf Provisionserträge von 4,4 Mio. Euro plus Sign-on-Fees in Höhe von 2,5 Mio. Euro.

Von N26 bis Finleap: Diese 18 Fintech-Startups zeigen ihren Umsatz

4.) Was machen die anderen Zahlen?

Kurz zur Klarstellung: Der Schufa-Konzernabschluss enthält keine vollständige GuV der finAPI GmbH, sondern lediglich Hinweise auf einzelne Kennzahlen, darunter auch die Kosten. Also:  Der Personalaufwand dürfte den Ausführungen bei 1,2-1,3 Mio. Euro gelegen haben, der „sonstige betriebliche Aufwand“ wird mit exakt 1,5 Mio. Euro angegeben. Das macht in Summe also ungefähr Kosten in Höhe von 2,75 Mio. Euro, was im Vergleich zu den gerade eben unter „Punkt 3“ aufgeführten B2B-Fintechs extrem bescheiden ist und unterm Strich zu einem Jahresüberschuss von knapp 400.000 Euro führte – auch das bekanntlich keine Selbstverständlichkeit.

5.) Was hat die Schufa denn für finAPI bezahlt?

Laut Konzernabschluss misst die Schufa dem 75%igen finAPI-Anteil einen Buchwert von 19,5 Mio. Euro zu. Nun ist das zwar nicht der Kaufpreis. Aber vermutlich eine ganz gute Annäherung an ebendiesen. Und damit kann man sich auch einer Bewertung annähern. Die nämlich dürfte dann ganz, ganz grob geschätzt bei 25 Mio. Euro gelegen haben. In Relation zum 2019er-Umsatz mutet auch das (jedenfalls vergleichen mit den Bewertungen anderen B2B-Fintechs) durchaus bescheiden an. Wobei möglicherweise ja auch andersrum ein Schuh draus wird: Vielleicht waren die 2018er-Umsätze von finAPI ja noch deutlich bescheidener; und vielleicht kam die richtige Traction ja dann erst unter dem Dach der Schufa (nicht unbedingt, weil die Schufa ein so wahnsinniger „Wir machen Fintechs erst so richtig gut“-Player da draußen ist, sondern weil es womöglich kein schlechtes Vertriebsargument ist, die Schufa überm Kopf zu haben … Kann aber auch sein, dass die These Quatsch ist und wir uns hier gerade ein bisschen verrennen).

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