Exklusiv

Die wundersame Fünf-Sterne-Flut für Exporo bei Google

19. August 2021

Von Christian Kirchner

Bei einer rein digital vertriebenen Geldanlage ist die digitale Reputation (fast) alles. Jeder Interessierte wird erst einmal googeln, was es mit einem Anbieter so auf sich hat, bevor er Geld dorthin schiebt. Da trifft es sich für den Schwarmfinanzierer Exporo natürlich bestens, dass es für sein erst Mitte Juli offiziell gestartetes Portal „Propvest.de“ auf der Bewertungsseite „Trustnet“ Anfang August bereits 32 ausschließlich positive, ja begeisterte Rezensionen gab. Und dass Trustnet, wenn einer nach Propvest suchte, direkt der zweite Treffer überhaupt war, den Google auswarf – nach der Startseite des Portals selbst (das sich als Plattform für Sparpläne in Exporo-Bestandsprojekte versteht).

Etwas merkwürdig ist allerdings, dass eben jene 32 Rezensentinnen und Rezensenten ja eigentlich noch gar keine große Erfahrung mit dem erst kürzlich – die Pressemitteilung kam am 14. Juli – offiziell gelaunchten Portal gemacht haben konnten. Außer, sie fanden schon die Website und den Onboarding-Prozess rezensionswürdig. Und etwas merkwürdig ist auch, dass kein Rezensent, keine Rezensentin anbieterübergreifend mehr als vier Urteile abgegeben hatte – die meisten sogar nur genau eines. Aber na gut.

Exporo sagt dazu: „Für uns ist es wichtig, frühzeitig authentische Erfahrungsberichte und Feedbacks von Nutzern zu sammeln, sowohl für uns als auch für potenzielle Neukunden. Daher animieren wir sowohl im Einzelkontakt als auch in unseren Mailings schon seit einigen Monaten aktiv unsere neue Plattform zu testen auch unsere bestehenden Nutzer bei Exporo, sich Propvest anzusehen und ihre Erfahrungen zu teilen.“

Tolle Auswahl, hohe Zinsen – alles tutti bei Exporo

Aber warum überhaupt mit einem Krümel wie Trustnet beschäftigen, wenn es doch den Kuchen gibt? In der digitalen Reputation ist der dicke, fette Kuchen natürlich: Google selbst. Und dort, die Rezensionen, die Nutzer über ein ganzes Unternehmen an dessen Sitz verfassen.

Das kann eine digitale Klagemauer sein. So ist es beispielsweise bei Onvista, der Marke von Commerzbank/Comdirect, an deren Sitz (Schnitt bei Google: 1,7 von 5 Sternen) oder beim Online-Broker Flatex (Schnitt bei Google: 1,5 von 5 Sternen). Wir bei Finanz-Szene.de kommen am Hamburger Standort auf 3,7 von 5 Sternen.

Bei Exporo indes, dem Marktführer für Immobilien-Crowdfinanzierungen, steht der Zähler bei einem sehr positiven Schnitt von 4,2 von 5 Sternen. Das liegt beispielsweise an Fünf-Sterne-Deluxe Rezensionen wie…

  • … jener kürzlich veröffentlichten von Nutzer „Stefan Schmidt“: „Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Projekte bei Exporo zur Auswahl stehen, wenn ich mir die Liste der Immobilien ansehe. (….) Alles lief bisher bestens.“
  • … der von „Gedeon Cadow“, der sich freut: „6,1% Zinsen auf mein erstes Investment wurden wie geplant an mich ausgezahlt. (…) Die Zinssätze sind auf jeden Fall wirklich interessant (…) Kenne ad hoc keine andere Anlagemöglichkeit, die bei solch kurzen Anlagedauern ähnliche Zinsen auszahlt.“
  • … der von „Hubert Schmidt“. Er schreibt: „Der Betrag inkl. Zinsen wurde pünktlich überwiesen, was will man mehr.“
  • … der von „Dieter Esser“, der berichtet: „Ein Freund von mir hat mir Exporo empfohlen (…) Werde das Crowdinvesting in Immobilien daher aller Voraussicht nach als festen Bestandteil in meine Anlagestrategie aufnehmen.“
  • … oder der von „Joachim Basedow“, bei dem alles wirklich tutti ist: „Weil ich keine Lust habe mich mit technischen Dingen auseinanderzusetzen, hat mir mein Enkel bei der Einrichtung des Depots geholfen. (….) Bisher hat bei mir immer alles reibungslos funktioniert und die Überweisung des Geldes fand immer zum vereinbarten Zeitpunkt statt“).

Tolle Auswahl. Hohe Zinsen. Reibungslose Abwicklung – in den vergangenen Monaten hagelt es Top-Noten und dezidiertes Lob von Menschen, die sich offenbar sehr genau mit ihrer Anlage bei Exporo auseinander gesetzt haben.

„Joachim Basedow“ sieht jung aus, hat aber einen Enkel

Wer sich aber beispielsweise mal genauer mit „Joachim Basedow“ auseinandersetzt, stellt fest, dass der Exporo-Fan, dem laut „Google“ der Enkel bei der Einrichtung des Depots geholfen hat, in seinem Profilbild eher wie ein Endzwanziger bis Mittdreißiger aussieht. Und dass er in einer weiteren seiner überschaubaren Rezensionen – vier sind es an der Zahl – den Immobilienmakler Engel & Völkers in Mainz euphorisch lobt („Mein Mann und ich haben endlich den Schritt gewagt unsere Immobilie zu verkaufen und wir wurden ehrlich und professionell beraten und begleitet!“).

In einer weiteren Rezension lobt Herr Basedow „Truu“, einen Pforzheimer Hersteller von Trinkwasserveredelungsanlagen: „Bester Service und bestes Wasser (…) Sie werden keine bessere Gesellschaft finden!“

Der Mann kommt offenbar rum.

Auch super ist: ein Kammerjäger in Kaiserslautern

Erstaunlicherweise ist „Dieter Esser“, der Herr, dem ein Freund Exporo empfohlen hatte, ebenfalls hochzufrieden mit den Trinkwasserveredelungsanlagen von Truu („Ich trinke bereits seit Jahren das köstliche Wasser und möchte es nicht mehr missen!“). Und – jetzt wird es etwas unübersichtlich, aber Sie müssen sich keine Details merken – Esser ist auch begeisterter Rezensent des Kaiserlauterer „AS Kammerjägers“ sowie des im niederbayerischen Kösching ansässigen Hula-Hoop-Reifen-Portals „Hula-hoop-shop.eu“.

Das Hula-Hoop-Portal wiederum loben auch die Exporo-Fans „Hubert Schmidt“, „Stefan Schmidt“ und „Johann Müller“ in höchsten Tönen. Und, potztausend: Müller und die beiden Schmidts sind ja auch Fans des „AS Kammerjägers“! Was haben wir da für eine buntes Völkchen.

Ja, Mensch, Zufälle gibt’s!

Es geht aber noch weiter. Die beiden Schmidts und der Herr Müller, so will es der Zufall, haben zwar alle drei auch weniger als zehn Rezensionen, fanden aber darin lobende Worte für das „Covid Testcenter am Airport Bremen“. Und die beiden Schmidts sind – vielleicht ahnen Sie es schon – in ihren überschaubaren Rezensionen ebenfalls maximal zufrieden mit dem Immobilienmakler Engel & Völkers, diesmal dem in Wiesbaden, also auf der anderen Rheinseite von Mainz, wo Herr Basedow so zufrieden war. In den Google-Bewertungen für Wiesbaden tummeln sich – teils unter expliziter Nennung von bei Transaktionen behilflichen Mitarbeitern – wiederum weitere Fans von Truu, dem Hula-Hoop-Portal und der Corona-Teststation in Bremen.

Nun wollen wir hier nicht mit Verdachtsjournalismus anfangen, Gott bewahre! Vielleicht tun wir den Herren Schmidt, Basedow, Müller, Esser, Carow fürchterlich unrecht, und der ganz blanke Zufall will es einfach, dass mehrere von ihnen die Begeisterung für Exporo-Immobilien-Engagements, einen niederbayerischen Hula-Hoop-Reifen-Shop, einen Pfälzer Kammerjäger, eine Bremer Corona-Teststation und einen Mainzer bzw. Wiesbadener Luxus-Immobilien-Makler teilen – und sie diese auch in einer mit Text versehenen Google-Rezension würdigen.

Möglicherweise ist das alles aber auch kein Zufall, es gibt die Herren gar nicht und es lässt sich schlicht besichtigen, wie es ausschaut, wenn sich jemand mit Google-Rezensionen um die heutzutage alles entscheidende digitale Reputation von Unternehmen kümmert, ob mit Kenntnis dieser Unternehmen oder nicht. Und das Ganze mit den Namen von Mitarbeitern oder der Verzinsung einzelner Projekte, jedenfalls mit Detailwissen, das weit über „Ich kaufe mir ein paar Clicks und Bewertungen“ hinausgeht.

Mit den Vorgängen konfrontiert, erklärt ein Sprecher von Exporo: „Für unser Community Management haben wir eine Agentur beauftragt, welche für uns lediglich auf unterschiedlichen Plattformen Monitoring betreibt und bei Bedarf Handlungsempfehlungen wie Melden, Kommentieren abgibt.“ Und weiter zu den konkreten Fällen: „Die genannten Rezensionen bei Google können wir mit diesen Klarnamen (zumindest mit dieser Vor- und Nachnamen Kombination) keinen echten Exporo-Kunden zuordnen. Es wirkt auf uns so, dass hier unser Exporo Profil genutzt wird, um authentisch wirkende Bewertungen für andere Unternehmen zu erstellen.“ Die Bewertungen habe man Google zur Überprüfung gemeldet.

Die Engel & Völkers AG wiederum erklärt, bei den genannten Maklern handele es sich um Lizenznehmer. Es sei „denkbar (…)  dass dieser unabgestimmt mit einem externen Partner zusammengearbeitet hat.“ Man „gehe von einem Einzelfall aus und habe dies unterbunden“.

Und tatsächlich: dass jemand, der Fake-Bewertungen erstellt, zur Maskierung seines eigentlichen Ziels noch ein paar andere Rezensionen dazu erstellt, damit es nicht so auffällig ist, ist gelebte Praxis im Netz.

Das Portal war noch nicht am Start, aber schon top

Zumal man nicht einmal sagen kann, dass etwa Exporo mit verdeckten Karten spielen würde. Die allererste Trustnet-Rezension für Propvest kam schon zu einem Zeitpunkt, da gab es das neue Portal laut Mitteilung noch gar nicht. „Der Immobiliensparplan von Propvest ermöglicht mir eine einfache Anlagemöglichkeit in professionell verwaltete Immobilien – die Registrierung aber auch der Anlageprozess sind sehr einfach und übersichtlich gehalten, sodass ich mit wenigen Klicks im Produkt bin“, schrieb Rezensent  „Leonard Unger“ Mitte April.

Der Head of Growth & Strategy von Propvest jedenfalls heißt, Sie ahnen es, ja, genau: Leonard Unger.

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