Ehemals größtes deutsches Fintech stellt Insolvenzantrag

9. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die deutsche Fintech-Branche hat ihren bislang prominentesten Pleitefall zu verkraften: Wie am Dienstag bekannt wurde, hat der  Kreditspezialist Monedo (besser bekannt unter seinem früheren Namen Kreditech) Anfang dieser Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind insgesamt 300 Mitarbeiter, ein Drittel davon am Hamburger Stammsitz. Der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen und Geschäftsführer David Chan informierten die – größtenteil im Home-Office befindliche – Belegschaft am Dienstagmorgen per Videokonferenz. Der Betrieb soll weitergeführt werden, die Arbeitsagentur die Zahlung der Gehälter für September, Oktober und November übernehmen.

Auch wenn Kreditech mal das größte deutsche Fintech war: Wirklich überraschend kommt die Monedo-Insolvenz nicht. Schon vor zwei Jahren stand die damalige Kreditech vor dem Aus, konnte allerdings durch eine zunächst rund 15 Mio. Euro dicke Finanzspritze (in Kombination mit einer brutalen Verwässerung der Altinvestoren) gerettet werden. Es folgten weitere, allerdings eher kleine Kapitalmaßnahmen und eine durchaus beachtliche Restrukturierung, die zu einer signifikanten Reduzierung der Kosten führte – während die Erträge zugleich einigermaßen stabil blieben.

Dann allerdings kam die Corona-Krise, die  Monedo so hart traf wie kaum ein anderes Fintech. Hintergrund: Die Hanseaten vergeben hochverzinste Verbraucherkredite an eine eher bonitätsschwache Klientel unter anderem in Polen und Spanien. „Eigentlich war bei diesem Geschäftsmodell klar, dass die Corona-Krise zu einem markanten Anstieg der Kreditausfälle führen würde“, sagt ein Insider. „Die Kunden von Monedo sind schlicht die, die in den letzten Monaten als erste ihre Schulden nicht mehr bedienen konnten.“

Im Umfeld von Monedo herrschte gestern dennoch Optimismus, den Betrieb nicht nur fortzuführen, sondern aus der Insolvenz heraus einen weiteren Neustart hinlegen zu können. Tatsächlich hatte die Monedo-Geschäftsführung offenbar bis zuletzt versucht, die Pleite durch die Gewinnung neuer Geldgeber noch abzuwehren. Insolvenzverwalter Morgen sprach von einem „nach Angaben des Managements aussichtsreichen Investorenprozess“, den er nun „zu einem erfolgreichen Abschluss“ bringen wolle.

Wie Kreditech fast 200 Mio. Euro verbrannt hat

Pivot plus 100 Mio. €: Wie sich Kreditech heimlich neu erfand

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing