Exklusiv

Entlassungen nun auch bei Trade Republic

9. Juni 2022

Von John Hunter und Caspar Schlenk

Trotz der großen Finanzierungsrunde über 250 Mio. Euro gibt es nun auch beim Geldanlage-Startup Trade Republic Einschnitte. Ein noch nicht näher bezifferter Teil der offiziell rund 700 Mitarbeiter muss gehen. Publik geworden waren die Stellenstreichungen bei einem internen „Townhall-Meeting“ am Donnerstagmorgen. In einer Mail an Mitarbeiter, die Finance Forward vorliegt, heißt es: „Wir sind in einem sich verändernden Marktumfeld tätig und entwickeln unsere Strategie weiter, um unsere Mission zu erfüllen.“ Aus diesem Grund passe man die Organisation an, „damit wir unsere ganze Energie auf die Herstellung von Produkten konzentrieren können, die unsere Kunden lieben“.

Für einen Teil der Mitarbeiter heißt das konkret, dass sie gefeuert sind. Eine Sprecherin bestätigte die Kündigungen, wollte aber keine konkrete Zahl nennen. Bei dem Firmenumbau werde Trade Republic auch weiter neue Leute einstellen. An anderen Stelle spare das Unternehmen hingegen, wie zum Beispiel im Data Science-Bereich, heißt es.

Die Unternehmensgröße von rund 700 Mitarbeiter wolle Trade Republic beibehalten, lässt das Unternehmen mitteilen. Dabei gibt es durchaus Indizien, dass das Fintech zuletzt über diese Zahl schon deutlich hinausgewachsen sein könnte. So kommen die Berliner laut dem Linkedin zurzeit auf circa 750 Mitarbeiter – und selbst das sind nur jene, die bei dem Karrierenetzwerk registriert sind. Allein in den zwei Jahren bis April 2022 war die Beschäftigtenzahl um mehr als 500 Prozent gestiegen.

Überraschend kommt der Schritt nicht. Der bei Trade Republic investierte Wagniskapitalgeber Sequoia hat seine Portfolio-Firmen zuletzt auf eine härtere Zeiten eingestimmt, wie aus in einer Präsentation hervorgeht. Tatsächlich soll Sequoia im Hintergrund Druck gemacht haben, dass seine Portfolio-Unternehmen bei den Kosten sparen, heißt es aus dem Markt. Bei Trade Republic hatte Sequoia die Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr angeführt.

Allerdings passen die Streichungen auch zur Marktlage: Durch die Zinswende ist der Aktienkurs vieler Techunternehmen eingebrochen, die Bewertungsverluste schlagen sich nun auch im Startup-Markt nieder. Bei bekannten Fintechs wie Klarna, Paypal, Nuri oder Kontist gab es bereits Kündigungen (siehe hier). Trade Republic ist nach Sumup das zweite deutsche Unicorn, das nun Mitarbeiter entlässt. Viele CEOs in der Szene deuten bereits einen Einstellungsstopp an.

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