Exklusiv

Exporo: 19 Mio. € Umsatz – aber hohe Verluste und Corona-Knick

5. Februar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Der deutsche Crowdinvesting-Marktführer Exporo gestattet erstmals einen Einblick in seine Geschäftszahlen. Wie Finanz-Szene.de im Bundesanzeiger entdeckt hat, erzielte das Hamburger Fintech (das Kleinanleger an Immobilienprojektierer vermittelt) 2019 einen Umsatz von 19,0 Mio. Euro. Damit dürften die Hanseaten in jedem Jahr zu den zehn, wenn nicht sogar zu den fünf ertragsstärksten hiesigen Finanz-Startups überhaupt gehört haben. Gleichwohl blieb das Umsatzwachstum von 42% hinter den eigenen Erwartungen zurück. Und: Es wurde mit hohen Verlusten erkauft. Und: Für 2020 ging das Fintech sogar von einem signifikanten Umsatzrückgang aus.

Hier unsere Ad-hoc-Analyse:

  • Dem Umsatz von 19,0 Mio. Euro  standen „Aufwendungen für bezogene Leistungen“ in Höhe von 8,5 Mio. Euro gegenüber. Dahinter verbergen sich unter anderem Marketingkosten. Übrig blieb also ein Rohergebnis von 10,5 Mio. Euro
  • Zu den Personalkosten in Höhe von 9,5 Mio. Euro gesellten sich noch „sonstige betriebliche Aufwendungen“ von 9,9 Mio. Euro. Besonders der Anstieg der „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“, um 91% lässt aufhorchen. Der Geschäftsbericht verweist hier „insbesondere auf die Kosten für die Rechts- und Beratungskosten im Zusammen mit der Durchführung der Finanzierungsrunde und Kapitalerhöhung sowie die gestiegenen IT-Kosten und Lizenzkosten“. Waren das also größtenteils einmalige Aufwendungen? Zu wünschen wär’s. Denn wenn die „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ fast das gesamte Rohergebnis aufzehren, spricht das nur bedingt für die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells
  • Das vermittelte Kapital belief sich auf 251,4 Mio. Euro. Wenn man davon ausgeht, dass sich der Umsatz mehr oder weniger komplett aus den Vermittlungen speiste, bleiben somit von jedem vermittelten Euro 7,6 Cent bei Exporo hängen.
  • Oder anders: Je vermitteltem Projekt (insgesamt wurde 119 Projekte über Exporo finanziert) ergab sich für das Hamburger Fintech ein Umsatz von 160.000 Euro
  • Für 2020 ging Exporo laut Prognosebericht von einem Umsatzrückgang auf nur 17,5 Mio. Euro um – und das, obwohl sowohl beim vermittelte Kapital (plus 7,5% auf 270,2 Mio. Euro) als auch bei der Anzahl der Projekte (plus 7,6% auf 128) ein Anstieg erwartet wurde. Offenbar spürte Exporo also einen gewissen Margendruck. Trotz 85% Marktanteil, von denen im Geschäftsbericht die Rede ist.
  • Fairerweise muss man sagen: Zugleich ging Exporo für 2020 von einer deutlichen Eindämmung des Verlusts auf nur noch minus 4,6 Mio. Euro Ebit aus.
  • Wobei man ganz grundsätzlich sagen muss, Zitat aus dem Geschäftsbericht: „Aufgrund der Corona-Krise und mit einhergehender Volatilität im Marktumfeld ist die Prognose für den Geschäftsverlauf mit höherer Unsicherheit behaftet, als zu normalen Zeiten.“
  • Und noch ein Zitat: „Ob […] die zunehmende Verbreitung des Coronavirus tatsächlich zu einer Reduzierung der Nachfrage nach Anlagemöglichkeiten im Immobilienbereich führt, bleibt abzuwarten. Aus Gründen der Vorsicht haben wir uns für eine Reduzierung der ursprünglichen Personalkosten durch geeignete Personalmaßnahmen entschieden, um hier für etwaige Auswirkungen bestmöglich vorbereitet zu sein.“ Täuschen wir uns? Oder klingt „geeignete Personalmaßnahmen“ nicht nur nach „Kurzarbeit“, sondern durchaus auch nach „Jobabbau“?

Fazit? Ach, was wissen wir hier schon. Wir sind ja keine Venture-Capital-Investoren, sondern schnöde Journalisten. Wenn wir uns allerdings diese, schamlos aus dem Geschäftsbericht herüberkopierte Tabelle anschauen …

2017 2018 2019 2020 * 2021 *
Anzahl der Projekte 69 103 119 128 202
Vermitteltes Kapital (Mio.) 88,1 171,4 251,4 270,2 411,8
Umsatz (Mio.) 6,33 13,37 18,99 17,51 23,21
EBIT (Mio.) -3,99 -5,21 -9,18 -4,56 -1,94
Mitarbeiteranzahl (31.12.) 81 108 186 188 191

* = Prognose

… dann fragen wir uns irgendwie: Selbst wenn sich die Prognose für 2020 bestätigt hat und sich die Prognose für 2021 bestätigten sollte und das Ebit dann 2022 wünschenswerterweise ins Plus dreht – so richtig, richtig, richtig geil skalieren tut das Modell (trotz 85% Marktanteil) irgendwie auch nicht, oder?

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