Exklusiv

Fintech-Schmiede Finleap kapert Berliner Identity-Startup

19. März 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Ungeachtet der Corona-Krise tätigt die Fintech-Schmiede Finleap die dritte Übernahme innerhalb von zwölf Monaten. Wie Finanz-Szene.de vorab erfuhr, hat sich der Berliner Company-Builder die Mehrheit an einem ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Identity-Startup namens „The Ego Company“ gesichert. Über den Kaufpreis macht Finleap-Vorstand Florian Resatsch im Gespräch mit uns keine Angaben. Realistisch erscheint, dass der Einstieg zu einer Bewertung irgendwo im niedrigen einstelligen Millionenbereich erfolgte.

Anders als bei den meisten anderen Finleap-Ventures (zu denen beispielsweise die Solarisbank, Clark oder Penta zählen) gibt es bei „The Ego Company“ keine unmittelbare Verbindung zur Banken- oder Versicherungsbranche. Stattdessen hat das Ende 2018 gegründete Startup einen digitalen Safe entwickelt, in den der Nutzer seine wichtigsten persönlichen Daten hineinladen kann – also zum Beispiel die Identifikationsmerkmale des Personalausweises, der Krankenkarte oder der Kreditkarte. Auf Blockchain-Basis werden diese Daten dann verschlüsselt und können einer Drittpartei bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden. „Durch den Einsatz der Blockchain-Technologie wird gewährleistet, dass die Daten nicht manipulierbar sind und somit zur digitalen Identifikation genutzt werden können“, sagte Resatsch.

Die möglichen Use-Cases reichten von einer vereinfachten Bonitätsprüfung bei der Wohnungssuche bis hin zur digitalen Identifikation etwa beim Arzt oder bei einem Notar, so der Manager. In späteren Entwicklungsstufen sei auch eine Verknüpfung des Datenspeichers mit dem Bankkonto denkbar – wodurch sich wiederum neue Anwendungen etwa beim Leasing eines Fahrzeugs ergeben könnten. „Der große Vorteil der neuen Lösung liegt darin, dass der Endkunde den Know-Your-Customer-Prozess (KYC) nur einmal durchführen muss, und diesen dann zur Identifikation für spätere Transaktionen nutzen kann. Resatsch betonte gleichwohl, dass momentan noch keine der denkbaren Anwendungen am Markt sei. Tatsächlich befindet sich „The Ego Company“ noch in der Frühphase. Chefin des neunköpfigen Unternehmens ist die Seriengründerin Tanja Ludwig, die bislang vorwiegend im Forderungsmanagement tätig war – und unter anderem auch als Geschäftsführerin der DI Direkt Inkasso GmbH firmiert.

Im Falle des Berliner KMU-Konto-App-Anbieter Penta hatte Finleap zuletzt gute Erfahrungen mit der Methode gemacht, junge Startups zu übernehmen und dann weiterzuentwickeln, statt sie selbst zu gründen. Für kleines Geld übernommen, soll Penta nach diversen Finanzierungsrunden inzwischen auf eine Bewertung in signifikanter zweistelliger Millionenhöhe kommen. Die bislang prominenteste Finleap-Akquisition war die des Hamburger API-Spezialisten Figo ebenfalls im vergangenen Jahr. Um Figo herum hat Finleap inzwischen einen ambitionierten neuen B2B-Player namens „Finleap Connect“ aufgebaut.

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