Fintech-Schock: Kreditvolumen von Creditshelf crasht um 31%

7. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die am Donnerstag veröffentlichten Q1-Zahlen de Frankfurter KMU-Kreditplattform Creditshelf schüren Zweifel an der Schlagkraft der Kredit-Fintechs hierzulande. So wurden von Januar bis März lediglich Darlehen in Höhe von 11,6 Mio. Euro über die Creditshelf-Plattform arrangiert. Das bedeutete einen Rückgang um 31% zum Vorjahresquartal und sogar einen regelrechten Crash von fast 70% verglichen mit dem vorangegangenen Quartal (also Oktober bis Dezember 2019). Frappierend ist die enorme Diskrepanz zwischen dem angefragtem Kreditvolumen und den tatsächlich ausgereichten Geldern. So stiegen die Anfragen im Vergleich zum ersten Quartal 2019 um 60% auf 500 Mio. Euro. Daran gemessen bedeuteten die 11,6 Mio. Euro eine Quote vergebener Kredite von nur noch 2,3%.

Finanzchef Fabian Brügmann führte die Entwicklung im Gespräch mit Finanz-Szene.de auf „eine ganze Reihe von Gründen“ zurück. So hätten nach dem sehr erfolgreichen Schlussquartal die Pipeline zu Jahresbeginn erst einmal neu befüllt werden müssen. „Damit sind wir im Januar und Februar eigentlich gut vorangekommen – bis dann die Corona-Krise einschlug.“ Die Nachfrage nach Krediten habe darunter zwar nicht gelitten. Wohl aber der Investitionshunger der Investoren, die über die Creditshelf-Plattform in die Kredite investieren, also etwa Pensionskassen, Family Offices oder spezielle Kreditfonds. „Dass der Engpass nicht von der Kreditnehmer-, sondern von der Kreditgeberseite kommt, das war eine neue Situation für uns“, sagte Brügmann.

Als Konsequenz hieraus beschloss Creditshelf, den ohnehin geplanten Launch eines neuen Finanzierungsvehikels zu forcieren. Dabei handelt es sich um einen Kreditfonds, der zunächst mit 30 Mio. Euro aus dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) sowie mit weiteren gut 30 Mio. Euro „aus dem Akionärsumfeld von Creditshelf“ gefüllt wird (die Formulierung lässt vermuten, dass ein nicht kleiner Teil des Geldes vom Großaktionär, Aufsichtsratschef und Ex-Staranalysten Rolf Elgeti kommt). „Ziel ist es, dass über dieses Vehikel dann auch weitere Investoren wieder in die Kredite auf der Plattform investieren“, sagte Brügmann.

Übrigens: Auch das Management selbst investiert in den Kreditfonds. Wie aus Ad-Hoc-Mitteilungen von gestern Abend hervorgeht, haben sich CEO Thabe und Vorstand Daniel Bartsch am 5. Mai von Creditshelf-Aktien im Wert von je einer Millionen Euro außerbörslich getrennt – laut Creditshelf, um den Erlös in die Kreditfonds zu stecken. Käufer der Aktien: Die Obotritia Capital – also das Vehikel von Großaktionär Elgeti, die nunmehr 46,5% nach zuvor 42,1% an Creditshelf hält, wie aus einer entsprechenden Mitteilung hervor geht. 

Da die meisten Kredit-Fintechs hierzulande nicht an der Börse notiert sind, ist es schwierig bis unmöglich, an vergleichbar detaillierte und aktuelle Zahlen anderer Anbieter zur Kreditvergabe zu kommen. Was allerdings bekannt ist: Der jahrelang wichtigste Creditshelf-Rivale hierzulande, nämlich Funding Circle Deutschland, hatte seine Plattform unmittelbar nach Beginn der Corona-Krise eingestellt – und das als unumstrittener Marktführer im KMU-Segment. Kurz darauf hatte ein weiteres Finanzierungs-Fintech, nämlich der auf Factoring spezialisierte Berliner Anbieter Finiata, sein Deutschland-Geschäft dichtgemacht. Von zwei weiteren namhaften Finanzierungs-Startups weiß Finanz-Szene.de zudem, dass sie Mitarbeiter relativ früh nach Beginn der Corona-Krise in Kurzarbeit geschickt hatten.

Denkbar, dass auch bei anderen Finanzierungs-Fintechs die Probleme in den letzten Wochen von der Refi-Seite herrührten – und nicht von der Nachfrageseite her.

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