Kurz gebloggt

Fintechs in der Corona-Krise: „90% arbeiten im Home-Office“

16. März 2020

Von Christian Kirchner

Wie gehen Deutschlands große Fintechs mit der Corona-Krise um? Wir haben bei N26, Hypoport, Deposit Solutions und der Solarisbank nachgefragt:

Hypoport

„Es ist ein Drahtseilakt, die Herausforderung ernst zu nehmen, aber auch nicht in Panik zu verfallen. Was uns aktuell stark entgegen kommt, ist, dass wir aufgrund eines für Mai geplanten Umzugs ohnehin in großem Stil auf Home-Office-Optionen umgestellt haben. Wir haben vergangenen Spätsommer anonymisiert ausgewertet, dass etwa bei unserer B2B-Baugeld-Vermittlungs-Plattform Europace im Schnitt weniger als 60% der Mitarbeiter phyisch im Büro präsent sind, selbst im Maximum waren es nur zwei Drittel. Der Rest ist unterwegs oder arbeitet von zu Hause. Auf diese Bedürfnisse haben wir auch die Arbeitsplätze abgestimmt.

Der Großteil unserer Mitarbeiter im Plattform-Geschäft ist zunächst bis 13. April im Home-Office. Dasselbe gilt für unsere Smart InsurTech AG. Die ist über neun Standorte in Deutschland verteilt, sodass Meetings per WebEx und MS Teams ohnehin an der Tagesordnung sind, das heißt, die technischen Voraussetzungen sind vorhanden und die Nutzung bereits etabliert.

Operative Einbrüche verzeichnen wir keine. Bei uns geht es um Baufinanzierungen, das ist nichts, was man binnen Tagen entscheidet, dahinter stehen ja meist mehrmonatige Prozesse. Sehr interessant ist, dass in unseren Dr. Klein-Niederlassungen – also im Endkunden-Geschäft – der Bedarf nach Videoberatung extrem groß ist. Wir halten es gut für möglich, dass dieser Beratungsweg einen Schub bekommt.“

N26

„Wir haben eine klare Regelung: Wer nicht in wirklich businesskritischen Bereichen arbeitet, kann und soll von zu Hause aus arbeiten. Im Kundenservice haben wir schon vor zwei Wochen begonnen, in ‚Split Teams‘ zu arbeiten, in anderen Bereichen haben wir zusätzlich die Dienstreisen drastisch reduziert. Insgesamt verläuft das alles reibungslos, weil wir uns seit Ende Februar auf die Situation vorzubereiten und Home Office bereits erprobte Praxis in vielen Bereichen ist.

Die operative Entwicklung ist eher unauffällig, es gibt keinen besonderen Anstieg der Bezahlvorgänge wegen Hamsterkäufern oder so. Was allerdings spannend ist: Der Umsatz setzt sich nun anders zusammen. Wir konnten das zuletzt etwa daran erkennen, dass die Top-Umsätze nicht mehr aus Bahn- oder Flugtickets kamen, sondern zum Beispiel die iTunes-Umsätze in die Top 5 vorgestoßen sind. Die Menschen passen da offenbar ihr Ausgabeverhalten der Situation an.“

Deposit Solutions

„Wir haben bereits vor zwei Wochen als Standardmaßnahme ‚Split Teams‘ in kritischen Bereichen wie IT, Customer Operations und Kundenservice eingeführt. Zudem haben wir eine freie Büroetage komplett desinfiziert und versiegelt, um im Falle einer Erkrankung sofort einen Ausweichplatz zur Verfügung zu haben. Wir lassen generell jeden im Home-Office arbeiten und empfehlen dies auch jedem – außer es gibt Anwesenheitspflicht, weil sich die Aufgaben aus Compliance-Gründen nicht verlagern lassen. Insgesamt dürfte die Home-Office-Quote bei rund 90% liegen.

Operativ können wir keine Veränderung feststellen. Es gibt keine ungewöhnlichen Ausschläge oder Zurückhaltung. Die Stimmung insgesamt ist von Ruhe und Unaufgeregtheit geprägt, nicht von der Panik, die einen teils medial überrollt.“

Solarisbank

„Wir sind hier wie viele andere Institute auch in den ‚Split Operations‘-Betrieb gegangen, das heißt, haben kritische Teams aufgeteilt und voneinander getrennt. Was uns zugutekommt: Als relativ junges Institut mussten wir schon in der jüngeren Vergangenheit zum Marktstart zahlreiche Tests durchführen und Business-Continuity-Pläne prüfen. Das erlaubt uns nun den Rückgriff auf diese Erfahrungen.

Heute haben rund 85-90% der Belegschaft im Home-Office gearbeitet. Dabei folgen wir der einer klaren ‚Split Operations‘-Regelung, sodass mindestens 50% pro Team von zu Hause aus arbeiten müssen. Den weiteren 50% steht es frei, ins Büro zu kommen oder von zu Hause aus zu arbeiten. Aufgrund eines über Jahre hinweg etablierten „Remote Working“-Set-Ups funktioniert die aktuelle Situation sowohl von den Routinen her als auch von der technischen Infrastruktur her ohne Probleme. Jeder Mitarbeiter hat ohnehin das Recht auf einen Tag Home-Office pro Woche. Auch mit vielen Freelancern arbeiten wir auch generell schon mit Videokonferenzen. Das ist auf der Tech-Seite so üblich. Insgesamt schätzen wir, dass rund drei Viertel der Mitarbeiter im Home-Office arbeiten.“

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