Exklusiv

FintecSystems verkauft sich an Open-Banking-Riesen Tink

18. Mai 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Spektakulärer Exit in der deutschen Fintech-Branche: Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de verkauft sich der Münchner API-Spezialist FintecSystems an den hochgefundeten schwedischen Open-Banking-Riesen Tink. Der hatte seit Januar letzten Jahres in diversen Finanzierungs-Runden insgesamt rund 180 Mio. Euro eingesammelt – genügend Mittel, um damit jetzt auf Einkaufstour zu gehen. Wie viel von dem Geld nun an die FintecSystems-Eigner fließt, ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Als realistisch dürfte eine Bewertung zumindest mal im gehobenen zweistelligen Millionenbereich gelten.

So lukrativ der Exit aus Sicht der Eigentümer sein mag – aus Sicht der deutschen Fintech-Szene bedeutet er, dass von den vier bzw. fünf seit 2010 gegründeten deutschen API-Startups nun drei ihre Eigenständigkeit verloren haben: Ende 2o18 hatte sich zunächst finAPI (wie FintecSystems in München ansässig) an die Schufa verkauft, also an die im Besitz der deutschen Banken befindliche Wiesbadener Wirtschaftsauskunftei. Wenige Monate später ging Figo (also das Hamburger API-Fintech, das vor allem wegen seines CEOs André Bajorat bekannt war) in der Berliner Finleap-Gruppe auf. Und nun: der FintecSystems/Tink-Deal.

Damit bleibt (sieht man mal von Ndgit ab, die einen etwas anderen Ansatz verfolgen) von den reinen Schnittstellen-Spezialisten nur noch BANKSapi übrig, also das API-Startup des Münchner Selfmade-Unternehmers Reinhard Tahedl. Das allerdings findet seine Kunden bislang eher unter Versicherern und Vermögensverwaltern als unter klassischen Banken.

Die Hoffnung, dass von Deutschland aus die großen europäischen Open-Banking-Player geschmiedet werden (eine Hoffnung, die unter anderem darauf beruhte, dass es hierzulande dank der HBCI- bzw. FinTS-Standards so etwas wie eine Open-Banking-Historie gibt …), droht damit zu schwinden. Denn: Nicht nur am Beispiel Tinks ist zu beobachten, dass die großen Fundings seit geraumer Zeit eher im skandinavischen sowie im angelsächsischen Raum injiziert werden. So verkündete der britische Open-Banking-Spezialist Truelayer jüngst eine Finanzierungsrunde über 70 Mio. Dollar – und will mithilfe dieses Fundings nun nach Deutschland expandieren. Ein weiterer britischer API-Player, der auf den hiesigen Markt strebt, ist Yapily.

Im globalen Kontext wiederum gilt das US-Fintech Plaid momentan als Maß aller Dinge im Open-Banking-Bereich. Aktuelle Bewertung, angeblich: 13,4 Mrd. Dollar (Disclaimer: Worin sich die Geschäftsmodelle der diversen in diesem Artikel aufgeführten API-Fintechs nun im Detail unterscheiden, das können wir – um ehrlich zu sein – so genau auch nicht beurteilen).

Umgekehrt wirft der Umstand, dass Tink für FintecSystems einen mutmaßlich zumindest mal achtstelligen Millionenbetrag auf den Tisch legt, allerdings die Frage auf, inwieweit sich der deutsche Markt für ausländische Player organisch erobern lässt. Denn: Versucht hat Tink dies durchaus. Vor ziemlich exakt einem Jahr eröffneten die Schweden in Düsseldorf eine hiesige Dependance. Ob dieser Schritt zur Gewinnung namhafter hiesiger Kunden führte, ist indes unklar. Wir haben gestern Abend auf die Schnelle Dutzende Blogposts (naja, zumindest Überschriften und Teaser) auf der Tink-Website sowie Dutzende Social-Media-Posts des Tink-Deutschland-Chefs aus den vergangenen Monaten überflogen. Darin zumindest fanden sich (es sei denn, wir haben etwas übersehen) keine Hinweise auf Akquisitionserfolge.

An der Marktposition von FintecSystems im Heimatmarkt gibt es hingegen wenig Zweifel. 2019 verdoppelten die Münchner ihre Erträge auf 3 Mio. Euro, im zurückliegenden Jahr dürften es nach Einschätzung von Marktkennern bereits mehr als 5 Mio. Euro gewesen sein. Zu den Kunden gehören laut Website zum Beispiel N26, die DKB, Check24, die Solarisbank oder Unzer; zuletzt betonten die Münchner zudem in diversen Pressemitteilungen ihre offenbar nicht ganz so schlechte Stellung im österreichischen Markt.

Ausweislich des aktuellsten im Handelsregister einsehbaren Gesellschafterliste halten die beiden FintecSystems-Gründer Stefan Krautkrämer und Dirk Rudolf noch 22% bzw. 20% der Anteile; knapp 30% entfallen auf den französischen VC Ventech, knapp 25% auf das deutsche Family Office Reimann Investors (nicht zu verwechseln mit der noch berühmteren, lose verwandten Reimann-Familie). Erwähnenswert: Krautkrämer und Rudolf gehörten auch zum frühen Team von Sofortüberweisung, dem Münchner Payment-Spezialisten, der 2014 ebenfalls nach Schweden verkauft wurde. Genauer: an Klarna.

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