Exklusiv

Frankfurter Fintech Traxpay vollzieht Management-Buy-Out

7. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Beim Frankfurter Trade-Finance-Fintech Traxpay hat es einen Management-Buy-Out gegeben – mit der Folge, dass prominente Investoren wie die Commerzbank, die Software AG oder Earlybird nicht mehr mit an Bord sind. Stattdessen hält Gründer und CEO Markus Rupprecht laut Handelsregister jetzt 24,5% der Anteile. Seine C-Level-Kollegen Sven Weissmann (das ist der frühere Accenture-Geschäftsführer), Jochen Siegert (das ist der bekannte Fintech-Blogger) und Thomas Fuhrmann kommen auf 17,2% bzw. 12,0% bzw. 3,5%. Finanziert wurde der Deal mithilfe von drei Family Offices, die auch schon die jüngsten Kapitalmaßnahmen bei Traxpay gestemmt hatten.

Beispiele für Management-Buy-Outs gibt es in der deutschen Fintech-Branche bislang kaum (zumindest fiel der Finanz-Szene.de-Redaktion gestern Nachmittag trotz angestrengten Nachdenkens keins ein). Im Falle von Traxpay macht der Schritt allerdings zweifellos Sinn: Durch die lange, von diversen Funding-Runden geprägte Historie des Unternehmens war der Gesellschafterkreis stark zerklüftet. Earlybird zum Beispiel hatte schon 2012 in Traxpay investiert, die Commerzbank 2014. An den jüngsten Runden hatten diese beiden und andere Investoren sich aber nicht mehr beteiligt. Darum dürften ihre Anteile ohnehin nicht mehr allzu groß gewesen sein. „Uns ging es darum, nach der erfolgreichen Neuausrichtung des Geschäftsmodells auch auf der Gesellschafterseite einen Re-Start zu vollziehen“, sagte uns Traxpay-Manager Jochen Siegert gestern.

Tatsächlich wurde Traxpay schon 2009 gegründet, schaffte aber erst zehn Jahre später den Durchbruch – eine verrückte Geschichte, die wir vor rund einem Jahr mal für Sie aufgeschrieben hatten (siehe: „Das Fintech, das zehn Jahre auf den Durchbruch warten musste“). Jedenfalls: Seit dem Pivot vor drei Jahren konzentriert sich Traxpay auf die sogenannten „Supply Chain Finance“, also auf die Finanzierung von Lieferanten bzw. Lieferketten. Größter Kunde ist der Lebensmittelriese Edeka, der seit Ende 2018 seine Zulieferer über die Traxpay-Plattform finanziert. Zu Geschäftszahlen sagt das Frankfurter Fintech offiziell nichts. In Finanzkreisen allerdings ist zu hören, in der zweiten Jahreshälfte 2019 seien Finanzierungen im Umfang von 300 Mio. Euro über die Traxpay-Plattform abgewickelt worden. Das wäre im Konkurrenzvergleich ziemlich viel – klingt vor dem Hintergrund des Großpartners Edeka allerdings nicht unplausibel.

Ein Dank gilt dem Leser P., der uns auf die ganze Sache überhaupt erst gestoßen hat. Er hatte nämlich jüngst in einer Präsentation des Main Incubators (also des VC-Investors der Commerzbank) einen „Exit“-Button über dem Traxpay-Logo entdeckt. Und in der Tat: Vollzogen wurden der Management-Buy-Out laut Handelsregister-Dokumenten bereits im Herbst. Konkret wurden dabei die Assets der alten „Traxpay AG“ auf die neu gegründete „Traxpay GmbH“ übertragen und die kleineren Gesellschafter der AG offenbar abgefunden. Der Mutmaßung, die Altaktionäre könnten vielleicht hinausgedrängt worden sein, widersprach Siegert deutlich: „Der Management-Buy-Out verlief komplett partnerschaftlich. Auch den früheren Gesellschaftern war daran gelegen, uns den Neustart zu ermöglichen.“

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!