Kurz gebloggt

Funding-Schock: Was der „Fall Klarna“ für N26 und Co. bedeutet

Kein anderes europäisches Finanz-Startup wollte derart hoch hinaus wie die „Buy now, pay later“-Revolutionäre von Klarna, siehe vor einem Jahr unsere Hommage -> „Wie Klarna das heißeste Fintech der westlichen Welt wurde“. Was damals niemanden interessierte: Die Schweden nahmen für ihr abenteuerliches Wachstum ebenso abenteuerliche Verluste in Kauf. Was auch insofern bemerkenswert war, als es sich bei Klarna (gegründet 2005, nicht 2015 …) um ein zwischenzeitlich profitables Unternehmen handelte, dem dann allerdings der Zeitgeist einhauchte, ein Player mit einem derartigen Potential dürfe nie und nimmer profitabel sein.

Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt:

Wenn stimmt, was das „Journal“ schreibt, dann ist Klarna (eine Firma, die letzte Jahr zu einer Bewertung von 46 Mrd. Dollar fundete und zu Beginn dieses Jahres angeblich zu einer Bewertung von 60 Mrd. Dollar funden wollte) dermaßen desperat unterwegs, dass investitionswilligen Risikokapitalgebern inzwischen keine Taxierung von 30 Mrd. Dollar mehr offeriert wird (das war angeblich der Stand Mitte Mai), sondern von nur noch 15 Mrd. Dollar!!!

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Klarna heute ein schlechteres Unternehmen wäre als vor einem Jahr. Aber es bedeutet bezogen auf Klarna, dass das „Buy now, pay later“-Modell von der heraufziehenden Wirtschaftskrise besonders hart getroffen werden könnte (der Aktienkurs des börsennotierten US-Konkurrenten Affirm hat sich seit November grob gezehntelt). Und es bedeutet bezogen auf die Fintech-Branche als Ganzes, dass momentan die Fintechs am besten dran sind, die kein Funding benötigen.

Mit Blick auf die deutsche Szene ergeben sich vor diesem Hintergrund vier Anmerkungen:

  1. Gut, dass mit Ausnahme von Raisin praktisch alle großen deutschen Fintechs letztes Jahr in mehr oder weniger beträchtlichem Umfang gefundet haben
  2. Zu beachten ist allerdings, dass einige dieser Akteure (die Solarisbank kaufte für viel Geld den britischen Wettbewerber Contis, während Trade Republic und Scalable Capital ihre Südeuropa-Tournee starteten) mit dem Geld auch gleich ziemlich große Pläne verfolgten
  3. Ausgerechnet N26 (eigentlich ein Cashburn-Fintech schlechthin) hat während der Corona-Krise das Sparen gelernt und dann letztes Jahr zum quasi spätestmöglichen Zeitpunkt (im Herbst) maximal viel Funding (annähernd 1 Mrd. Euro, siehe unseren Scoop über das „Second Closing“ hier) eingesammelt. Womöglich könnte die Berliner Neobank ein relativer Gewinner der gegenwärtigen Krise sein
  4. Nur zur Erinnerung: Das lange Zeit größte deutsche Fintech bekam erst seinen Cashburn nicht in den Griff und starb dann den plötzlichen Funding-Tod. Das heißt nicht, dass es anderen Finanz-Startups genauso gehen muss. Aber es zeigt den Zusammenhang.

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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