Kurz gebloggt

Fundings für deutsche Neobanken: Wer wird das nächste N26?

20. November 2019

Von Heinz-Roger Dohms

In der Hamburger Smartphone-Bank „Tomorrow“ (Geschäftsmodell: eine Mischung aus N26 und GLS Bank) konnte man bislang vielleicht ein „Fintech der Herzen“ sehen – aber noch nicht unbedingt einen ernstzunehmenden  Player am Markt. Mit dem gestrigen Tag dürfte sich die Wahrnehmung allerdings ändern.

Da nämlich verkündete die 2018 gestartete Öko-Neobank eine sehr ordentliche Serie-A-Runde (8,5 Mio. Euro) zu einer zumindest einigermaßen ordentlichen Bewertung (30,1 Mio. Euro nach Berechnungen von Finanz-Szene.de und „Startup-Detector“). Was dabei auffällt: Neben Tomorrow haben zuletzt auch andere N26-Klone gefundet, darunter Penta (Status: N26 für KMUs) und Bitwala (Status: N26 für Krypto).

Ist in Deutschland tatsächlich genug Platz für so viele Challenger-Banken? Hier ein Überblick über die wichtigsten Player, ihre USPs, ihre Bewertungen – und wie viele Kunden sie schon haben:

Tomorrow

Macht was? Dasselbe wie N26, nur mit ökologischem Anstrich

Hat eine Banklizenz? Nö (von Tomorrow kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Hamburg

Gibt’s seit wann? 2018

Kann was vorweisen? 16.000 Kunden (definiert als Kontoinhaber)

Hat wie viel Geld erhalten?  8,5 Mio. Euro (im November 2019)

Von wem? In der Pressemitteilung ist hochtrabend von „Impact Investoren“ die Rede. Schaut man sich im Handelsregister die Namen an, scheint es sich mehrheitlich um Geldgeber zu handeln, die man früher als „Business Angels“ und „semi-institutionell Investoren“ bezeichnet hätte. Keine Namen, die man kennen muss.

Wird jetzt wie hoch bewertet? Mit 30,1 Mio. Euro

Penta

Macht was? Dasselbe wie N26, allerdings für KMUs

Hat eine Banklizenz? Nö (von Penta kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Berlin

Gibt’s seit wann? 2017

Kann was vorweisen? Mehr als 12.000 Kunden (definiert als „aktive Kontonutzer“)

Hat wie viel Geld erhalten? 8 Mio. Euro (im August 2019)

Von wem? Unter anderem von Holtzbrinck Ventures (wobei der Mehrheitseigner von Penta die Berliner Fintech-Schmiede Finleap ist)

Wird jetzt wie hoch bewertet? Nach eigenen Angaben mit „über 30 Mio. Euro“ (was sich anhand von Registerauszügen allerdings noch nicht nachvollziehen lässt).

Bitwala

Macht was? So was Ähnliches wie N26, allerdings mit starkem Fokus auf Krypto

Hat eine Banklizenz? Nö. (von Bitwala kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Berlin

Gibt’s seit wann? 2015

Kann was vorweisen? „Assets under Management“ in Höhe von 5 Mio. Euro.

Hat wie viel Geld erhalten? 13 Mio. Euro (im Juli 2019)

Von wem? Unter anderem von Earlybird.

Wird jetzt wie hoch bewertet? Mit 30,0 Mio. Euro

Kontist

Macht was? Dasselbe wie Penta, aber für Freiberufler, Selbständige etc. pp.

Hat eine Banklizenz? Nö (von Kontist kommt nur das Frontend, die Konten liegen bei der Solarisbank)

Sitzt wo? In Berlin

Gibt’s seit wann? 2016

Kann was vorweisen? Veröffentlicht keine Kundenzahlen.

Hat wie viel Geld erhalten?  Nach eigenen Angaben im Oktober 2018 „deutlich über 5 Mio. Euro“. Wie Finanz-Szene.de gestern (einigermaßen überrascht) festgestellt hat, ist das Geld aber gar nicht die direkt in die Kontist GmbH geflossen. Stattdessen hieß es auf Nachfrage, das Geld sei „in ein Mutterunternehmen“ investiert worden. Nun denn.

Von wem? Von der Haufe Gruppe („Lexware“)

Wird jetzt wie hoch bewertet? Keine Ahnung.

Dwins („Finanzguru“)

Macht was? Ist keine „Bank“ mit eigenem Konto, sondern eine App, über die Nutzer ihre Konten aggregieren kann

Hat eine Banklizenz? Nö. Braucht Dwins aber auch nicht (hat stattdessen eine Bafin-Zulassung als Kontoinformations-Dienstleister)

Sitzt wo? In Frankfurt bzw. Nürnberg

Gibt’s seit wann? 2015 (wobei „Finanzguru“ erst 2018 startete)

Kann was vorweisen? Rund 500.000 Nutzer (definiert als „mindestens ein Bankkonto in die Finanzguru-App integriert“)

Hat  wie viel Geld erhalten?  4 Mio. Euro (im Juli 2019)

Von wem? Unter anderem von der Deutschen Bank

Wird jetzt wie hoch bewertet? 19,7 Mio. Euro

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