Exklusiv

Geldwäsche-Probleme: Bafin schickt N26 Sonderbeauftragten ins Haus

12. Mai 2021

Von Christian Kirchner und Caspar Schlenk

Die Auseinandersetzung zwischen N26 und der Bafin geht in die nächste Runde. Vor wenigen Minuten veröffentlichte die Finanzaufsicht eine Mitteilung mit folgendem Inhalt: „Die BaFin hat am 11. Mai 2021 gegenüber der N26 Bank GmbH zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung angeordnet, angemessene interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und Allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten. Zur Überwachung der Abarbeitung der Anordnung sowie des Standes der Behebung weiterer festgestellter Mängel wird ein Sonderbeauftragter bestellt.“

Konkret unterstellt die Bafin dem Fintech „Defizite sowohl im EDV-Monitoring als auch bei der Identifizierung und Verifizierung von Kunden“ – und fordert N26 unmissverständlich auf, die Mängel (die so ähnlich 2018/2019 schon einmal moniert worden waren) endlich zu beseitigen. Desweiteren forderte die Finanzausicht die Berliner Neobank auf, „eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen sicherzustellen“. Der Sonderbeauftragte solle diese Maßnahmen nun kontrolliere.

Vor zwei Jahren hatte die Bafin das Fintech schon einmal in fast identischer Weise öffentlich bloßgestellt. Das N26-Management hatte danach immer wieder betont, dass man in den verantwortlichen Geschäftsberichten nachrüsten und die Probleme beseitigen werde. „Wir bauen unseren Compliance-Bereich stetig aus“, erklärte Deutschland-Chef Georg Hauer wenige Monate nach der Bafin-Rüge. So habe N26 beispielsweise eine Hotline eingerichtet, um sich mit anderen Banken zu Geldwäschethemen besser austauschen zu können. Zudem baute die Smartphone-Bank ihren Kundenservice massiv aus. Die hohen Kosten für solche Schritte schlugen sich auch in den Geschäftszahlen nieder. Für 2019 meldete N26 einen Jahresfehlbetrag von 217 Mio. Euro bei Erträgen von nur knapp 100 Mio. Euro.

Zuletzt hatte es eigentlich so ausgesehen, als würden sich Bafin und N26 annähern. So hatte sich das Berliner Fintech nach anfänglichem Widerstand dem Druck der Bonner Aufseher gebeugt und die Umwandlung in eine Finanzholding angekündigt. Dieser Schritt hat zur Folge, dass nicht nur die unter der N26-Holding aufgehängte N26 Bank GmbH von der Bafin überwacht wird, sondern die ganze N26-Gruppe. Offenbar als Teil eines umfassenderen Arrangement gestattete die Aufsicht dem Mitgründer Maximilian Tayenthal, im Laufe dieses Jahres auch endlich an die Spitze der N26-Bank zu rücken. Bislang hatten die Gründer hierfür externe Manager mit entsprechender Bankerfahrung benötigt. Diese werden das Unternehmen nun verlassen: Finanzchef Richard Groeneveld scheidet offiziell zum 30. Juni aus; CEO Markus Gunter, der der N26 Bank GmbH seit 2016 vorsteht, soll im Laufe der zweiten Jahreshälfte folgen.

Aus Anlass der anstehenden Gründung der Finanzholding äußerte sich Tayenthal im „Handelsblatt“ kürzlich wie folgt: „Wir haben sehr stark in die Betrugs- und Geldwäscheprävention investiert“. Sein Unternehmen erfülle alle Regeln und versuche, „über Technologie und künstliche Intelligenz besser als der Markt zu werden“. Die Prüfung von Kundenidentitäten und Transaktionsüberwachung seien wichtige Themen. „Gerade bei Compliance, Sicherheit, Reporting stocken wir auch die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich auf“. Weiter sprach Tayenthal von einem „offenen und vertrauensvollen Dialog mit den Aufsichtsbehörden“.

Probleme gab es aber offenbar trotzdem, wie die neuerliche Rüge der Bafin zeigt.

Kleines Schmankerl am Rande: Heute Vormittag hatte der Leiter der N26-Geldwäscheabteilung, Thomas Ball, via LinkedIn bekanntgegeben, dass er die Neobank verlassen werde. Der entsprechende Post war kurze Zeit später allerdings wieder gelöscht.

N26 selber teilte mit: „In den vergangenen Jahren hat N26 den Ausbau von Präventionsmaßnahmen gegen Geldwäsche bereits stark vorangetrieben. Dennoch erkennen wir an, dass noch mehr in diesem Bereich getan werden muss. N26 verpflichtet sich, alle genannten Anordnungspunkte umzusetzen.“


Mitarbeit: John Hunter und Heinz-Roger Dohms

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