Größtes Insurtech-Funding des Jahres: 25 Mio. € für Getsafe

7. Dezember 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die monatelange Funding-Durststrecke bei den Insurtechs hierzulande ist beendet. Nachdem gestern bereits Simplesurance eine 15-Mio.-Euro-Runde vermeldet hatte, wird nach Informationen von Finanz-Szene.de am heutigen Dienstag der Heidelberger Digitalversicherer Getsafe ein Funding in Höhe von sogar 30 Mio. Dollar (25,2 Mio. Euro) bekanntgeben. Neben Bestandsinvestoren wie Earlybird und Commerz Ventures hat sich auch die Swiss Re an Getsafe beteiligt; sie hält jetzt 13,6%. Rein rechnerisch ergibt sich aus der Finanzierungsrunde eine Post-Money-Bewertung von 110 Mio. Euro. Getsafe-Chef Christian Wiens betonte allerdings im Gespräch mit Finanz-Szene.de, die tatsächliche Taxierung sei „deutlich höher“ und begründete dies mit der „Aufstockung bzw. dem Aufsetzen eines virtuellen Beteiligungsprogramms“.

Dass die Swiss Re per se bei Getsafe eingestiegen ist, lässt sich schon seit Wochen im Handelsregister einsehen. Unklar waren bislang allerdings die Konditionen. In Startup-Medien war über eine Gesamt-Finanzierung in Höhe von 50 Mio. Dollar spekuliert worden – also deutlich mehr, als nun herausgekommen ist. Der Ablauf war wohl wie folgt: Schon im Sommer hatte sich Getsafe mit Swiss Re und den Altinvestoren auf die nun kommunizierten 30 Mio. Dollar geeinigt. Allerdings hoffte das Getsafe-Management, die Runde noch in diesem Jahreerweitern und damit eine höhere Summe verkünden zu können. „Es gab und gibt das Interesse weiterer Investoren. Allerdings hat sich das bislang noch nicht konkretisiert“, sagte Wiens.

Auch wenn es mit der „Big Bang“-Runde also nichts geworden ist, so sind die erzielten gut 25 Mio. Euro im diesjährigen Segment-Vergleich trotzdem beachtlich. Zur Erinnerung: 2018 und 2019 hatten gleich mehrere große Versicherungs-Startups hierlande (darunter Wefox und Friday) hohe Finanzierungsrunden abgeschlossen. In diesem Jahr riss der Funding-Strom dann allerdings ab, vermutlich auch wegen der Corona-Krise. Viel mehr als ein 10-Mio.-Euro-Funding für Element und eine nicht näher spezifizierte, allerdings vermutlich nur siebenstellige Summe für Coya gab es unserer Erinnerung nach nicht. Insofern sticht Getsafe mit seinem Funding fast schon heraus. Die 15 Mio. Euro für Simplesurance klingen ebenfalls ordentlich allerdings handelt es hier um ein Wandeldarlehen. Ob mit dem Funding eine Steigerung der Unternehmenswerts einhergegangen ist, lässt sich von außen nicht feststellen.

Getsafe war 2015 als reiner Online-Makler und mit eher mäßigem Erfolge gestartet (dieser Geschäftszweig wurde später an das Vergleichsportal Verivox veräußert). Aufwärts geht es, seit der Digitalversicherer als sogenannter „Assekuradeur“ auch eigene Policen anbietet. Dabei fokussiert sich Getsafe bislang auf die private Haftpflicht sowie Haus- und Rechtsschutz-Policen. Nach eigenen Angaben kommt das Fintech auf mittlerweile 150.000 Kunden (mit je mindestens einer Police). Bei der „Fintech-Jobmarkt-Analyse“ von Finanz-Szene.de in diesem Herbst hatte sich gezeigt, dass Getsafe zuletzt zu den wenigen deutschen Finanz-Startups gehörte, die wirklich aggressiv wachsen. So hatten die Heidelberger zwischen Ende März und Ende September per saldo 30 Jobs geschaffen, während bei praktisch allen anderen Insurtechs die Mitarbeiterzahl gesunken ist.

Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung will Getsafe in den kommenden Monaten die Produktpalette (zu der seit Kurzem auch eine Kfz-Police gehört) erweitern. „Zudem sind wir sehr zuversichtlich, im ersten Halbjahr eine eigene Bafin-Lizenz für Schadens- und Unfallversicherungen zu erhalten“, sagt Wiens. Nachdem Getsafe seine ersten eigenen Produkte noch in Kooperation mit der Munich Re auf den Markt gebracht hatte, „setzen wir in strategischer Hinsicht nun eindeutig auf ein Bündnis mit unserem neuen Investor Swiss Re“, so Wiens. Die eigene Unabhängigkeit bleibe davon jedoch unberührt.

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